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TOMTE: „Gute Musik sollte oft veröffentlicht werden“

TOMTE – wirklich viel braucht man über diese Band nicht mehr sagen. TOMTE spricht für sich und ist auch mit dem vierten Album „Buchstaben über der Stadt“ eine ganz besondere Band in Deutschland! Harte Arbeit scheint sich endlich auszuzahlen. Und wenn es jemand verdient hat, dann TOMTE. Spontan trafen wir Thees Uhlmann und Olli Koch zum Interview vor dem EinsLive Radiokonzert in Wuppertal.

Thees, du sagtest gerade, dass doch eigentlich schon so gut wie alles gefragt wurde – gibt es eine bestimmte Frage die du vielleicht in all den Interviews vermisst hast?

Thees: Eigentlich wird man gar nicht alles gefragt, man wird häufig das Selbe gefragt. Fragen zu einzelnen Textzeilen und so. Die Antworten unterscheiden sich dann aber öfters. Das kommt ganz auf die Tagesform an. Ist aber nie gelogen. Mal ist ein Song so gemeint, mal so. Aber welche Frage noch nicht gestellt wurde – ich hoffe einfach immer, dass die Leute sich richtig mit der Musik auseinander setzen. Oft werde ich nach den Texten gefragt, oder auch wie es so ist, mich zu öffnen und solche Dinge. Aber mir hat wirklich jedes Interview viel Spaß gemacht. Außer zwei vielleicht. Ich bin ja auch ein Interviewpartner der gerne erzählt. Da gibt es ja auch ganz andere…

Du bist schon ein Journalisten-Liebling…

Thees: Weil ich etwas zu erzählen habe und nicht nur mit „Ja“ und „Nein“ antworte. Journalisten mögen Musiker, die erzählen und Manieren haben. Und dazu noch einen eigenen Charakter. Ich weiß ja, wie Journalismus funktioniert! Und ich bin ja auch nicht AUDIOSLAVE denen das völlig egal ist… Werde ich nett gefragt, gebe ich auch nette Antworten. Ganz einfach ist das! Wenn jemand kackfrech wird, dann werde ich das auch. Aber die schreiben ja nichts Gutes über die Band weil ich ein guter Interviewpartner oder so bin sondern weil die Musik gut ist.

Ab und zu liest man Sätze wie „Thees Uhlmann: Sprachrohr einer Generation“.

Thees: Hab ich auch gelesen – aber so häufig hört man das jetzt auch nicht, oder? Viel mehr bekomme ich gerade mit, wie sich Journalisten damit profilieren TOMTE nicht mehr gut zu finden.

Weil ihr „zu“ bekannt geworden seid?

Thees: Mit Sicherheit hat das was damit zu tun. Ich merke auch, dass sich immer weniger „alte“ Freunde melden und auf TOMTE-Konzerte wollen.

Weil ihr kommerziell geworden seid? Bzw. weil die das denken?

Thees: Aber wir machen doch gar keinen Kommerz! Wir befriedigen ein Bedürfnis. Dieser Kommerzkram immer… Klar, wenn jetzt RTL anfragt und um ein Interview bittet – dann mache ich das! Und wenn jetzt ein kleines Onlinemagazin nach einem Interview fragt, mache ich das auch! Das habe ich schon immer so gemacht.
Olli: Außerdem heißt „sold-out“ ja nicht „sell-out“.
Thees: So isses!

Olli: Ich habe jetzt mal eine Frage: Thees Uhlmann: Hast du eigentlich, als du die Texte geschrieben hast, schon mit diesen astronomischen Verkaufszahlen gerechnet und deshalb diese Zeile „Wir werden schwimmen in Geld“ geschrieben?
Thees: Nein. Diese Zeile habe ich geschrieben, weil ich schon etwas mehr Geld verdiene als früher, aber immer noch genug Menschen kenne, die kaum Kohle haben und wirklich arm sind. Diese Zeile habe für Menschen wie Jan geschrieben. Er hätte bestimmt noch ewig in seinem bürgerlichen Job (- Ich habe Autoglaser-Software betreut – Anm. des Verfassers) weitermachen können, aber es hätte ihn nie befriedigt. Dann kommt man an einen Punkt, an dem mal alles zerhaut und etwas Neues anfängt . Schon klar, dass wir mit Sicherheit nie im Geld schwimmen werden. Diese Zeile heißt jetzt auch nicht, dass ich mir einen Pool baue oder so. Aber ich kann ja auch nicht im TOMTE-Universum singen „Wir werden pur und simpel lachen – wir kriegen 500 Mark“ – daher heißt es: „Wir werden pur und simpel lachen – wir werden schwimmen in Geld“.
Das soll einfach heißen, dass wenn man eine Sache mit Beharrlichkeit und vom Herzen macht, man vielleicht auch irgendwann davon ok leben kann… Das ist ganz romantisch unromantisch gemeint. Und außerdem will ich auch gucken, ob ich mit so ner Zeile auch durchkomme. So PUFF DADDY mäßig… der ich ja auch bin!

Habt ihr beim Grand Hotel van Cleef mit dem Erfolg der Platte kalkuliert? Irgendwie war es doch schon klar, dass die steil geht, oder?

Olli: Man kalkuliert nicht wirklich, aber man wünscht sich das so sehr, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass das auch klappt!
Thees: Ein bisschen kalkuliert man schon – aber was von vorne herein klar war, war dass wir keinen Pfennig mehr ausgeben als bei der letzten KETTCAR. Wir geben Magazinen auch einfach was zurück. Anzeigen! Denn diese Magazine, wie die Visions zum Beispiel, haben schon früher über uns berichtet, als wir noch kein Geld hatten. Jetzt können wir denen was zurückgeben und Anzeigen kaufen! Viele denken dann wieder an Sell-out – aber das ist auch ein „Danke“ für damals!  Wir haben schon gehofft, dass „Buchstaben über der Stadt“ die in die Top Ten geht.

Und was soll jetzt noch alles kommen? Ich meine, ihr seid Platz 4 in die Charts eingestiegen, habt mit COLDPLAY gespielt… Hat man da nicht schon alles erreicht?

Olli: Naja, wenn ein Hochspringer einen Weltrekord aufgestellt hat, hört ja auch nicht auf…
Thees: Ich habe mir bei der Musik eigentlich nie so etwas gewünscht. Ich habe ganz andere Wünsche, fernab der Musik. Auch wenn viele Magazine mich gerne zitieren, dass wir die erste Band sind, die in einem Stadion spielen! Das hab ich mir nie gewünscht! Das habe ich mal in einem Interview gesagt, als ich voll war! Wir arbeiten auch nicht auf so was hin – wir machen einfach TOMTE! Das COLDPLAY-Konzert war schon toll und das möchten wir alle nie missen. Aber eines der besten Konzerte letztes Jahr war in Lübeck ein Benefiz-Konzert, wo 60 Leute über 1.600 Euro für TOMTE zusammengesammelt haben!! Das war so ein Ebay-Battle, dass wir da spielen! Und da hat ein Typ, der auch kaum Kohle hat, 400,- Euro da reingehauen! Unglaublich! Das war dann so ein Konzert ohne Monitoranlage und so – aber es war so ein Flash! Genau wie das Konzert vor COLDPLAY! Auch wenn jetzt Leute sagen, dass sie es doof finden, wenn wir vor COLDPLAY spielen. Dann sollen sie sich ne andere Band suchen! Fertig! Wir haben ja schon Stabhochsprung gemacht, da wussten wir noch gar nicht was Holz ist!
Olli: Dazu möchte ich aber auch sagen, dass Musiker, deren Ziel es ist, die Spitze der Charts zu erobern, für mich keine Musiker sondern Unternehmer sind. Und das sind wir überhaupt nicht. Als Musiker oder Künstler hat man doch ganz andere Ziele.

Für euch sind die Songs auf der neuen Platte ja schon fast wieder alt. Juckt es da nicht schon wieder?

Thees: Unbedingt! Ich habe gerade so Bock auf Musik und würde am liebsten sofort das nächste Album aufnehmen.

Ist denn nächstes Jahr wieder KETTCAR-Jahr? Oder macht ihr das gar nicht so weiter abwechselnd?

Thees: Ich will ja KETTCAR gerne unter Zugzwang setzen und die nächste TOMTE im Mai 2007 rausbringen! Ich habe da schon einen leichten Plan… Und die wird dann noch besser! Ich finde wir haben ein wirklich gutes Album aufgenommen, und momentan ist die Band so schön wie nie zuvor! Gute Musik sollte oft veröffentlicht werden, daher würde ich echt gerne sofort wieder in den Proberaum und mit der Band an neuen Songs arbeiten. Es läuft einfach so rund gerade.

Ist das dann gerade die schönste TOMTE-Phase bisher?

Thees: Du kannst echt jetzt in so eine Art Fotoalbum gucken…
Olli: Es kommt ja auch auf das private Umfeld an, und auch da stimmt gerade alles. Wenn ich so fünf Jahre zurückdenke…
Thees: Da war es einfacher!
Olli: Und unbeschwerter. Eine tolle Zeit!

Ihr erzähltet gerade von diesem Lübeck-Gig. Und vergangenen Dezember hat Thees bei uns im Blue Shell gespielt. Meint ihr ihr macht solche Sachen auch in Zukunft noch? Um auf dem Boden zu bleiben?

Thees: Wir waren immer auf dem Boden! Oder schwebten schon immer etwas drüber! Aber ich bin immer nur Thees Uhlmann und wir sind immer nur TOMTE. Und so Sachen wie dieser Blue-Shell-Gig, das kickt mich so! Und das ist ganz normal so etwas zu spielen! Ich brauche das, und ich liebe diese TOMTE-Erlebnisse. So ein Konzert wie das im Blue Shell oder das in Lübeck hat wahrscheinlich mehr Input als ein Konzert auf der Tour. Das sind ja auch unterschiedliche Sachen, aber es ist immer das gleiche Herz das schlägt!

Thees du hast einen Song für den FC St. Pauli geschrieben. Ein Liebeslied. Was machst du am 27. Mai um 15:45 Uhr?

Thees: DFB-Pokal?

Fast – letztes Ligaspiel der Saison? Feierst du da den Aufstieg?

Thees: Da bin ich beim Immergut-Festival. Oh scheiße! Ich glaube ich leiste mir einen Helikopter! Echt, was kostet so was? Das ist mir wichtig und wird mir auch immer wichtiger, damit kenne ich mich aus, und ich mag Sachen mit denen ich mich 100% auskenne! Das ist aber auch so ein reines Uhlmann-Ding? Die anderen haben damit nichts am Hut.

Kannst du immer noch so entspannt ins Stadion gehen oder wirst du mittlerweile von allen Seiten angesprochen?

Thees: Das hält sich in Grenzen. Mir ist das aber auch nicht zuviel. Ich bin ja auch irgendwie eine Person des öffentlichen Lebens! Wenn ich das nicht wollen würde, wäre ich halt Autoglasverkäufer oder so geworden.

Ich habe mal gehört, dass Bela B. immer 10 Minuten nach Anpfiff das Stadion betritt um in Ruhe das Spiel zu sehen.

Thees: Der ist ja auch noch einiges bekannter als ich. Soll er so machen. Für mich ist das so ok wie es ist.

Bei „New York“ wird endlich auch mal wieder ein positives Gefühl zum Thema Amerika vermittelt… Kein Fuck Bush und so.

Thees: Man kann ja nicht das ganze Land hassen, nur weil die Politik da gerade beschissen ist, oder? Letztens habe ich ein Bild von einer deutschen Punkband gesehen, auf dem der Sänger ein T-Shirt an hatte, auf dem ein Bild von Bush drauf war, und drunter stand „Not my president“. Als Deutscher!!
Olli: Das ist doch Blödsinn, auf einmal ganz Amerika zu hassen.
Thees: Im TOMTE-Kosmos ist das ja auch so, wenn auf einmal alle aus Lifestylegründen irgendetwas hassen oder so, dann hinterfragen wir das erstmal. Ich meine, wenn GREEN DAY so ein Album machen ist das super! Gerade für die Kids da drüben. Oder wenn Bono große Reden schwingt, ist das auch cool. Aber wenn wir da jetzt noch was machen würden, wäre es peinlich. Einfach nur peinlich. Das wäre dann so hintendrangehangen, und ich bin lieber vorne weg! Ich meine, Amerika hat ja auch schon einiges für uns getan. Das fängt bei der Befreiung von Hitler an und hört bei WE ARE SCIENTISTS auf. Ich habe in Amerika so wichtige Momente erlebt…

Und wir haben schon so viele wichtige Momente mit TOMTE erlebt… Vielen Dank dafür!