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TOMTE: Eine wahnsinnig meditative Sache!

Heureka! Pünktlich zum Release des neuen Tomte-Albums gab sich Sänger Thees Uhlmann, vor dem Unplugged Konzert in München im Rahmen des “Schweine am Samstag”-Abendes des Musikexpresses bereit, ein nettes Interview zu führen. Und wie der Thees mal so ist, ist er wie immer ein netter Zeitgenosse, bei dem es nie langweilig wird.

Hallo Thees! Wie geht es Dir? Und wie gefällt Dir München?

Thees Uhlmann: Ich hab hier so was noch nicht erlebt. Heute ist ja das letzte Wochenende des Oktoberfestes. Und hier laufen ganz normale Leute, oben Slipknot Pullover und unten bayrische Lederhose rum,  Stau auf den Straßen, die Menschen sind total besoffen. Eine Mischung aus total wahnsinnig bis latent aggressiv. Als ob das, was sonst immer unterdrückt wird, beim Oktoberfest rauskommen darf. Beeindruckend!

Und Ihr selbst? Wart ihr auf dem Oktoberfest?

Thees Uhlmann: Nein. Wir wollten ja. Ich wollte mir mal angucken, wie das so ist. Aber das haben wir nicht geschafft. Wir haben uns mit Tobias Kuhn getroffen, heute und haben ein bisschen geredet.

Wie seid Ihr auf den Namen „Heureka“ gekommen?

Thees Uhlmann: Vor jedem Album hat man sich gefragt, hast Du noch was zu sagen, bringt es Dir noch Spaß Texte zu schreiben, möchtest Du noch Texte schreiben, ist Dir das nicht zu anstrengend. Das hat sich alles plötzlich in Luft aufgelöst, weil wir mit der Band plötzlich auch weitermachen konnten. Ich bin auch näher an Dennis und Max rangerückt. Wir haben ja jetzt bestimmt eine Dreiviertelstunde Soundcheck gemacht, einfach nur aus Spaß an der Freude. Das hätte es damals nicht gegeben. So was ist halt dafür. Und dass mir das Texteschreiben dieses mal so wahnsinnig viel Spaß gemacht hat. Es ist natürlich schwierig, man denkt lange nach, löscht und verflucht es und sowas. Aber es hat all in all mehr Spaß gemacht als sonst. Ich habe das wirklich als bewussten Akt aufgenommen. Und das ganze Bandgefühl, das war dann so ein Heureka-Gefühl. Und Heureka ist eben auch ein Song von der Platte und wir wollten auch keinen langen Namen für die Platte haben.

Das Album war eine Woche vor dem Release komplett bei MySpace als Stream. Wieso das?

Thees Uhlmann: Na, damit die Leute nicht die Katze im Sack kaufen, zum Beispiel! Und weil wir auch glauben, dass wir eine Albumband sind, bei der es nichts bringt, einfach nur eine Single auszuspucken und zu denken, dass das reicht. Sondern weil viele Tomte-Leute nicht in Single-Kategorien denken oder weil viele Tomte-Leute halt gerne auch eine ganze Platte hören. Und das stellt man dann auch gerne zur Verfügung.

Und gibt es ein Lied auf der Platte, bei dem Du sagst, dass es euch besonders gut gelungen ist, oder dergleichen?

Thees Uhlmann: Also, ich denke bestimmt nicht “Oh, bist Du genial!” oder so was, aber ich denke bei jedem Lied, dass es was Besonderes ist. Wir haben die Lieder dieses mal auch nicht in diesem Schachtelverfahren aufgenommen, von wegen erst Schlagzeug, dann Bass, dann Gitarre eins, dann Gitarre zwei, dann Gitarre drei, dann Gitarre vier, dann Gitarre fünf und dann Synthesizer, sondern dass wir das diesmal alles zusammen eingespielt haben und dann noch bisschen was drüber gemacht haben. Dann ist man auch so sehr drinnen in den Songs, das war dann auch nicht so „Achja, jetzt so hört sich das richtig geil an“, sondern wir haben ja schon immer zusammengespielt. Deswegen verbinde ich mit jeden Song was Gutes. Geile Stellen – also da hab ich bestimmt zwanzig Stellen, bei denen ich denke, dass wir in einer guten Band spielen.

Zum Album wird es einen Aufnäher geben. Wer hatte die Idee?

Thees Uhlmann: Das war meine Idee! Das war halt so ein bisschen…

Andeutung auf die Turbojugend..?

Thees Uhlmann: Nein, überhaupt nicht. Wenn überhaupt, dann Sticky Fingers von den Rolling Stones. Da war ja ein Reißverschluß vorne drauf. Wir wollten halt irgendwas Besonderes machen. Wir wollten aber keine Bonus-DVD machen, das Ding mit den Liner Notes hatte ich, glaube ich, ausgereizt, so ziemlich. Wir wollten was Anderes machen, was aber auch so einen Mehrwert hat. Damit die Leute auch was kaufen, was der Typ, der das dann runterlädt nicht hat. Und uns kam die Idee eben, dass wir das Logo ändern wollten, so ein bisschen, was oldschooligeres haben wollten. Und dann hatten wir irgendwann diesen Schriftzug… Ehrlich gesagt.. Wenn eine kreative Idee so lange durch die Gegend geht, dann weißt Du auch nicht mehr wer was gesagt hat, weißt Du?

Wo wurde denn das „Der Letzte Große Wal“-Video gedreht. Da war ja ziemlich viel Wald!

Thees Uhlmann: Und Sand! Wir haben es im Grunewald gedreht, da gibt es so eine Stelle, die so eine offene Fläche ist. War auch Naturschutzgebiet, aber in Berlin interessiert das ja keinen. Wir waren auch die Leute, die am wenigsten Schmutz gemacht haben

Wer hatte denn die Idee zu diesem Video? Ihr seid ja ganz schön viel gerannt, oder?

Thees Uhlmann: Das war die Idee der Videoproduktionsfirma. Und ich bin sehr viel gerannt, ja! (lacht) Ich hab auch ordentlich geschwitzt!

Kann man sich ja denken! Ihr habt in Dortmund und in Hamburg unplugged Konzerte gespielt. Wie waren die für euch?

Thees Uhlmann: Das war echt Wahnsinn! Also, Du kannst wirklich viele Zuschauer fragen! Vor allem auch viele Freunde sagten, dass sei das Beste was wir je gemacht haben. Unser Fotograf, der bestimmt schon 30 unserer Konzerte gesehen hat, meinte, das sei das beste Tomte-Konzert gewesen, das er gesehen hat. Hilmar Bender, der ja bestimmt schon 200 Konzerte gesehen hat, der sagte „Besser wart ihr nie!“.  Und wir mit richtigem Flügel auf der Bühne und mit Cello, das ist so als ob.. ich weiß nicht, wie man das sagt.. Das war jetzt nicht so „Komm, wir spielen den Song jetzt ein bisschen anders, ein bisschen unverzerrter“ oder so was, vielmehr war das, als ob du dem Song ein zweites Leben gegeben hast. Also, für uns war das Wahnsinn.

Dortmund soll ja besser gewesen sein, als in Hamburg. Da sind die Leute ja die ganze Zeit rein und raus gelaufen…

Thees Uhlmann: Ja, das war ein bisschen störend. In Dortmund war es phänomenal. Und in Wien auch. Aber in Hamburg, da hat Marcus Wiebusch auch gemeint, so von wegen „Alter Schwede!“

In Hamburg war ja auch Deine Mutter dabei? Wie fand sie das Konzert?

Thees Uhlmann: Die findet das natürlich gut! Sie guckt sich natürlich Tomte gerne an, wenn wir in der Gegend sind und sowas. Von Rockmusik versteht sie eigentlich nichts. Aber wenn sie sowas mit Klavier und Flügel sieht, dann wird ihr das natürlich noch näher gebracht, glaube ich. Sie fand es auch sehr toll.

Wird es denn noch weitere Konzerte dieser Art geben?

Thees Uhlmann: Auf jeden Fall. Ich möchte das aber ungern unter unplugged laufen lassen. Am liebsten wäre mir das fast, wenn Leute eine Tomte-Karte kaufen und gar nicht wissen, was auf sie wartet. Natürlich macht Rockmusik Spaß. Aber „Schreit Den Namen Meiner Mutter“ mal so anders zu spielen – das ist Wahnsinn. Also, wir werden das auf jeden Fall fortsetzen.

Wie seid ihr denn auf das Cello gekommen? Und wie habt ihr den Gunnar überedet mit euch die Konzerte zu spielen?

Thees Uhlmann: Das kam aus dem Praktischen raus. Denn ich habe mitbekommen, dass der Gunnar von Escapado Cello spielt, aber nicht von wegen „Ich spiel ein bisschen Cello“, denn bei Tomte reicht ein bisschen nicht, da musst Du es dann schon können. Und dann haben wir das eben probiert. Und zu überreden haben wir ihn gar nicht gebracht. Wir haben ihn gefragt, er hatte Zeit und wir haben uns alle riesig gefreut.

Simon ist als neues Mitglied zu Tomte dazugestoßen. Wie kam das?

Thees Uhlmann: Es hat sich angedeutet, dass Timo und Tomte getrennte Wege gehen und da wir auf keinen Fall auf Tasten verzichten wollten, habe ich nachgedacht. Ich kenne Simon ziemlich lange und er war mir immer schon sympathisch, außerdem  habe ich gemerkt, dass ich auf ihn steh, so menschlich, wie das eben so ist. Ich verlasse mich da immer auf meine Intuition. Ich habe ihn einmal gesehen und dachte „Mit dem wirst Du noch viel zu tun haben“. Und dann habe ich einmal vor zirka zwei Jahren einen Song mit Simon aufgenommen und das ging so wahnsinnig schnell. Ich habe zu ihm gesagt „Hey, mach das mal so“ und er hat das sofort am Computer eingestellt. Dann sagte ich „Spiel das mal so“ und er hat das sofort auf dem Klavier gespielt. Und dann hatte ich Simon so auf dem Zettel. Irgendwann kam dann sie Bandsituation so und dann habe ich gedacht, setzen wir Max Schröder hinter das Schlagzeug und Simon Frontzek in die Band. Eine Zeit lang behielt ich das dann für mich, habe das der Band und Simon nicht gesagt. Irgendwann habe ich das dann Max und Dennis dann erzählt und die meinten dann, das könnte man vielleicht so machen. Dann hab ich Simon angerufen und habe ihm gesagt, wir würden mal vorbeikommen. Bei ihm sagten wir ihm dann, dass wir es gerne hätten, dass er bei Tomte mitspielt.

Wie steht es um Nikolai Potthoff? Ist er Bassist auf Zeit?

Thees Uhlmann: Er ist erstmal nur Live-Bassist. Wir haben so viel durchgemacht mit Ein- und Ausstiegen, die Gott sei Dank alle auch menschlich und auch freundschaftlich abgelaufen sind, in der letzten Zeit… Aber Nikolai ist einfach ein guter Freund der einfach live bei uns Bass spielt. Wir können uns keinen besseren wünschen, er passt wie Arsch auf Eimer.

Im Tour-Tagebuch von Tocotronic hast Du geschrieben „Berlin – eine Stadt vor der ich immer schon mehr Angst als Respekt hatte.“ Wie sieht das jetzt aus?

Thees Uhlmann: (lacht) Ganz guter Satz! Jetzt habe ich sogar noch meinen Respekt verloren! Hm, das ist ja jetzt auch schon gut zehn Jahre her! Das ist einfach der Platz an dem ich lebe.

Du schriebst auch, dass du, je älter du wirst, immer schlechter mit Kindern auskämst.

Thees Uhlmann: Ja, das hat sich ehrlich gesagt geändert. Das war damals die Zeit, in der man über so was nachgedacht hat. Da habe ich auch viel mit John K. Samson von THE WEAKERTHANS drüber geredet. Kinder haben – ja, nein und so was. Da war ich so etwa 24, 26.. Irgendwann ändert sich das aber. Irgendwann fühlt sich das total normal an Fanzine-Interviews zu führen und ein Kind zu haben.

Simon Frontzek, der sich bis zu diesem Zeitpunkt die Zeit damit vertrieb am Keyboard zu sitzen und Musiken zu spielen, gesellte sich zum SMASH-MAG.com und Thees Uhlmann.

Thees, wo würdest Du Dich heute sehen, wenn Du nicht bei Tomte spielen würdest? (Simon Frontzek führt sich eine imaginäre Flasche an den Mund)

Thees Uhlmann: (lacht) Ich wär kein Alkoholiker.. doch, ich wäre Alkoholiker! Nein, ich glaube, ich hätte mein Studium trotzdem irgendwie abgebrochen und hätte eine Erzieherausbildung gemacht. Ich würde dann irgendwas mit alten oder behinderten Menschen machen. Das habe ich gemacht und das hat mir immer großen Spaß gebracht. Ich glaube, irgendwie sowas hätte ich gemacht. Das ist auch ehrenwerter als Musik zu machen.

Auf welche Band könnt ihr euch im Tourbus alle einigen?

Thees Uhlmann: Man muss ja erstmal sagen, dass ich die totale Meinungsherrschaft habe, weil ich als einziger so eine iPod-Boombox gekauft habe. Da kann ich meinen iPod reinstecken und da läuft die Musik da, die ich festlege. Deswegen hat sich das Machtverhältnis total verschoben. Ansonsten… Simon, Eine Band, auf die wir uns alle einigen können?

Simon Frontzek: Irgendwas haben wir doch vor Kurzem so wahnsinnig abgefeiert..

Thees Uhlmann: (lacht) Tomte! Nein.. Ich glaube, es gibt keine Band, auf die wir uns einigen können. (Pause) Frag doch mal den Simon was!

Okay! Simon, wie oft musstest du bei Thees putzen, bis du bei TOMTE mitspielen durftest? Simon Frontzek: (lacht) Frag’ doch lieber mal, wie oft er meinen Herd sauber gemacht hat, bis ich ja gesagt habe!

Thees Uhlmann: Ich kann ja so schmutzige Herde nicht sehen. Vor allen Dingen auch nicht bei fremden Leuten. Da hab ich bei Simon den Herd sauber gemacht. Eine wahnsinnig meditative Sache!

Info: www.myspace.com/tomte

(Nicole Malik)