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SELIG: Jeder Alltag tötet Liebe

Es gilt als eine Sensation. Selig haben nach 10 Jahren wieder zueinander gefunden. Damit meldet sich eine der wichtigsten deutschsprachigen Rockbands der neunziger Jahre zurück. Mit „Und Endlich Unendlich“ ist ihnen ein unerwartendes Comeback gelungen. Die Hamburger Band, die die Grunge-Ära mit Klassikern wie „Sie hat geschrien“, „Ohne dich“ und „Ist es wichtig“ beeinflusste, traf sich letztes Jahr in einem Berliner Studio, um nach einigen Vorgesprächen einfach mal auszuprobieren wie es so wäre, die Band neu zu starten. Das Feuer loderte wieder auf und die Arbeiten konnten beginnen. Vor dem Konzert in Köln sprachen wir mit Drummer Stephan „Stoppel“ Eggert und Keyboarder Malte Neumann.

Wie waren die ersten Shows? Lief alles Reibungslos?

Malte: (lacht). Die Shows waren großartig, aber es lief nicht alles Reibungslos. Nach all den Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne merkt man schon, dass nicht alles so 100% laufen kann.

Nach etlichen Bands wie Kungfu, Zinoba und Tempeau steht man wieder im Mittelpunkt. Ein gutes Gefühl? Aber auch ein nachdenkliches?

Stoppel: Ja, es ist ein gutes Gefühl und auch ein nachdenkliches Gefühl. Sicher hatten alle mit ihren anderen Projekten und Bands nicht die Resonanz, wie es Selig hatte. Davon abgesehen, dass die Bands halt auch anders waren als Selig. Umso schöner, dass man uns trotzdem nicht vergessen hat.

Hättet ihr gedacht, dass ihr solch eine Euphorie bewirkt?

Stoppel: Nein, das auf keinen Fall.

Die damaligen Platten wurden zwar immer von Fans und Kritikern gelobt. Aber so eine richtige Chartsband seid ihr nie gewesen. Jetzt das Comeback…Man erntet was man vor 10 Jahren gesät hat?

Stoppel: Da hast du Recht. Bei dem ganzen Hype der gerade um Selig herrscht, glaubt jeder, dass wir damals Gold und Platin-Status hatten. Aber so war es keineswegs. Die Leute haben Selig nicht vergessen und trotz der Tatsache, dass es uns nicht gab, haben wir neue Leute für uns gewinnen können. Jetzt mit dem Comeback kommen alle und man wird sehen, wie sich das entwickelt. Wir sind erfreut, dass es gerade so läuft.

War es schwer ein Label zu finden?

Malte: Nein, wir hatten gleich einige Angebote gehabt.

Kein Label war skeptisch gegenüber euren Comeback-Plänen?

Stoppel: Nein, ich denke, dass wir über die Jahre hinweg immer noch eine Starke Marke mit einem guten Ruf sind.

Nachdem die ersten vier Alben via Sony erschienen seid ihr jetzt bei Universal gelandet.

Malte: Genau. Sie gaben uns das beste Gefühl. Und die Leute bei Sony, mit denen man zusammengearbeitet hatte, sind heutzutage auch nicht mehr da.

Ihr habt euch damals im Groll getrennt. Was unterscheidet euch nun, 10 Jahre danach? Was ist anders?

Malte: Wir sind halt älter und somit reifer geworden Damals lagen wir 24 Stunden aufeinander. Wir wollten zuviel und das ging plötzlich nicht mehr gut. Wir waren so dicht aneinander, dass wir uns dabei auseinander gelebt hatten. Plötzlich war es zu spät.

„Jeder Alltag tötet Liebe – damals war’s unsere, heute diese“ fasst damit die Trennung in wenigen Worten zusammen.

Stoppel: Genau das.

The Police hatten bei ihrer Reunion einen Psychologen dabei gehabt um Konflikte zu verhindern. Ist das eine Option für euch?

Malte: Grundsätzlich finde ich die Idee ganz gut. Für uns ist das aber keine Option. Wir werden auf uns achten und weiterhin an unseren anderen Projekten arbeiten, um wieder von dem Selig-Trip runterzukommen. Es soll schließlich weiterhin eine Freude bleiben, mit Selig gemeinsam Musik zu machen.

Habt ihr gleich zugesagt, als die Sache mit der Reunion immer konkreter wurde?

Malte: Ja.
Stoppel: Ich hab um Bedenkzeit gebeten, meine Wäsche zum trocknen aufgehängt und eine Viertelstunde später zugesagt. (lacht)

Ihr galtet immer als schwierige Typen und habt ungern Interviews gegeben. Das hat sich wohl mit dem Reifeprozess auch geändert. Ihr seid überall vertreten und man kommt gar nicht um euch rum.

Stoppel: Man sieht halt jetzt bestimmte Dinge auch anders. Das gehört halt dazu und wir sind auch froh darüber, dass wir viele Anfragen erhalten.

Oft heißt es über „Und Endlich Unendlich“ dass Selig sind sich musikalisch treu geblieben sind. Wie definiert ihr das?

Malte: Vom Sound knüpft es an unsere ersten beiden Platten und geht einfach nach vorne. Wir waren und sind weiterhin eine Rockband. Wir brauchten uns für das Album nicht neu zu definieren. Warum auch? Es ist auch so ein großartiges Album geworden.

Typisch finde ich, dass alle Songs doch eigen und nicht zusammenhängend sind.

Malte: Selig war immer eine Band, deren Alben nicht homogen klingen. Aber das ist keine Absicht. Wir schreiben so die Songs und versuchen viel mit unseren Alben zu transportieren.

Man hat das Gefühl, dass ihr euch heutzutage von „Blender“ gerne distanzieren würde. Zitat: „da hat man dann halt gehört, dass wir bald nicht mehr zusammen sind.“

Malte: Man hat halt auf Blender gehört, dass wir bald nicht mehr zusammen sein würden, was aber nicht heißen soll, dass wir uns jetzt von Blender distanzieren. Im Gegenteil: wir stehen heutzutage noch 100Prozent hinter unsere drei Alben, wobei jedes Album für einen bestimmten Abschnitt von Selig steht.

Info: www.myspace.com/seligmusik

(Markus Tils)