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FRANK TURNER: Folk-Punk oder doch Punk-Folk!?

Frank Turner

Als Support von The Gaslight Anthem eroberte Frank Turner die Herzen des deutschen Publikums. Der ehemalige Sänger der Hardcore Band Million Dead und jetzige Singer-/Songwriter und Anti-Folker überzeugte mit Texten, die teils ironisch, mal ernst und immer von einer besonderen Intensität sind. Ausgestattet mit einer akustischen Gitarre bewegt sich der smarte Brite auf den Spuren eines Billy Braggs. Unkompliziert und sympathisch wie die Musik, so auch die Person Frank Turner, der im Dezember hierzulande auf Tour sein wird, um sein  aktuelles Album „Poetry of the Deed“ zu präsentieren.

Nach dem Ende von Million Dead hast du gesagt, dass du in keiner weiteren Band mehr spielen möchtest. Was war ausschlaggebend für diese Aussage?

Frank: Musikalisch stimmte bei Million Dead so ziemlich alles. Aber nach vier Jahren haben wir uns alle dermaßen gehasst, dass es einfach nicht mehr weiter gehen konnte. In einer Band zu sein hat auch immer eine politische Seite, die Demokratie. Nach dem Ende hatte ich die Schnauze voll in einer Band zu sein und wollte es alleine probieren. Somit von der Demokratie zur Diktatur. Ich konnte meinen Style ändern ohne das mit jemanden abzustimmen. Diese Freiheit ist für mich ausschlaggebend gewesen.

Wie denkst du über den Hype deiner Person?

Frank: Es ist schon eigenartig. Die Sache ist die, in Großbritannien, wo ich her komme, toure ich seit 4 Jahren. Da kann man nicht von einem Hype sprechen. Ich sehe es eher als eine von Grund aus positive Entwicklung, die man als Musiker haben kann. Ich arbeite viel dafür. Ich bin keiner, der über Nacht plötzlich groß geworden ist und kenne meinen Werdegang. Die große Nachfrage hier in Deutschland und das Interesse an meiner Person ehrt mich natürlich. Ich war schon überrascht, als ich mit The Gaslight Anthem unterwegs war und das man mich hier so empfangen hat. Ich stand nach den Shows immer am Merchstand und hab so viele CDs verkauft, dass ich einige Male mein Label anrufen musste, um neue Alben zu ordern. Es ist ein großartiges Gefühl, wenn deine Musik so viele Menschen erreicht.

Wie würdest du die Schublade nennen in der Frank Turner steckt? Du spielst auf Metal-, sowie auf Folkfestivals. Unterschiedlicher geht es kaum noch.

Frank: Puhhh, kein Musiker mag es wohl seine eigene Musik zu kategorisieren. (lacht). Okay. Wichtig für meine Musik sind die Bezüge zu Folk und Punk. Der Sound des Folk und die Art und Weise wie man damit seine eigene Ideen umsetzt liebe ich. Beim Punk sind es vor allem die Ideale, die mich faszinieren und wichtig sind.
Deshalb Folk-Punk oder doch Punk-Folk!? (lacht).

Wie wichtig ist es für dich live zu spielen?

Frank: Sehr! Ich liebe es auf Tour zu sein. Ich fühle mich dabei wie ein Pirat. (lacht) und meine Band ist meine Crew mit denen ich auf Raubzug segle. Natürlich sind Platten raus bringen wichtig, aber das wichtigste an Musik ist für mich, dass ich sie live spielen kann. Auf CD ist Musik auch ein reiner Monolog, was ich auf die Dauer langweilig finde. Musik muss und sollte ein Dialog sein. Dass schafft man aber nur, wenn man auch live auftritt und sich dem Publikum stellt.

War es deine Entscheidung, neben dem Re-release  von „Love Ire & Song“ auch eine Compilation deiner früheren Werke zu veröffentlichen?

Frank: Naja, die Compilation ist eine Zusammenstellung der früheren EPs, die allesamt ausverkauft sind. Damit die Leute nicht unsinnigerweise bei ebay Unsummen für diese EPs bezahlen, hatten wir darüber nachgedacht, alle vorherigen Sachen auf ein Album pressen zu lassen. Aber wenn jemand bei ebay sich die EP ersteigert, ist es auch nicht schlimm. Nur denke ich, dass es nicht sein muss und gerade für neue Fans ist dies dann doch die bessere Lösung.

„Long Live the Queen” war ein Charterfolg in Großbritannien. Welche Bedeutung hat dieser Mainstream-Erfolg für dich?

Frank: Ich würde niemals sagen, dass solch ein Erfolg wichtig für mich ist. Es ist schön und cool, doch ich setze meine Prioritäten darauf, die bestmöglichen Songs zu schreiben, um sie dann auch bestmöglich zu spielen. Das der Song unter die Top 40 gegangen ist, hatte natürlich auch den Vorteil, dass noch mehr Leute auf mich aufmerksam geworden sind.

Wie würdest du dein aktuelles Album „Poetry of the Deed“ beschreiben?

Frank: Es war ein ganz anderer Aufnahmeprozess als wie bei „Love, Ire & Song“. Ich habe die vorherigen Alben stets alleine mit einem Drummer eingespielt. Bei „Poetry of the Deed“  hingegen habe ich mir weitere Musiker ins Studio geholt, die mich bei der Aufnahme unterstützten, da sie an ihren Instrumenten doch einiges besser sind als ich. Dadurch ergab sich, dass die Songs noch besser und ausgefeilter geworden sind. Ansonsten habe ich meine Arbeitsweise nicht geändert. Alles wie gehabt. Aber, dadurch, dass wir mehr Leute im Studio waren, klingt es – ja, wie soll ich sagen – größer.

Ich sehe gerade an deinem linken Oberarm, dass du dir den US-Staat Texas hast stechen lassen. Wie komm`s?

Frank: Oh, man. Das ist peinlich. Ich habe auf einem Festival in Austin/Texas gespielt, wo sich mehr Leute aus der Plattenindustrie tummeln als normale Besucher. Dort habe ich den Deal mit Epitaph klar gemacht und wir haben ordentlich gefeiert. Das ging ziemlich lang und als ich aufwachte, sah ich dieses Tattoo an meinem Oberarm. (lacht).

Du bist sehr aktiv auf deiner Webseite. Wie wichtig ist dir dieser ständige Kontakt mit deinen Fans. Beantwortest du wirklich alle Emails?

Frank: Der Kontakt ist natürlich sehr wichtig und macht mir auch jede Menge Spaß. Oftmals schreiben die Leute, dass sie die Musik cool finden und dann schreibe ich halt ein kleines „Danke“ zurück. Das hält sich alles noch in Grenzen. Viele denken ja, dass wenn man Musiker ist und auf der Bühne steht ein völlig andere Mensch ist. Das bin ich selbstverständlich nicht. Ich bin ganz normal. Habe meine Macken und empfinde es eher als unangenehm, wenn man mich jetzt als Star oder so was Ähnliches betrachtet. Wenn jemand mit mir in Kontakt treten möchte, sollte er es tun dürfen.

Info: www.frank-turner.com

(Markus Tils)