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DISCO ENSEMBLE: „Ein gewisses Chaos gehört dazu“

Finnische Musik ist heutzutage mehr als Gothic und Metal. Die Finnen die sich unter ihrem Namen DISCO ENSEMBLE hierzulande bereits einen Namen gemacht haben, übertreffen sich mit ihrem aktuellen Album „The Island of Disco Ensemble“ mal wieder selbst. Vor ein paar Jahren kannte sie hierzulande noch niemand, heute sorgen sie für volle Clubs mit durchdrehenden Fans. Erklären kann man dies nur mit ihrer Beständigkeit, besonders in Deutschland, Fuß fassen zu wollen. Mit „The Island of Disco Ensemble“ starten sie ein neues Kapitel.
Hamburg ist der letzte Stopp Eurer Deutschland-Tour. Hat es Euch denn bisher gefallen? 
Auf jeden Fall! Die Tour in Deutschland war diesmal besonders gut.
Gibt es etwas besonders, dass ihr in Hamburg erlebt habt oder ein paar spezielle Erinnerungen von früheren Konzerten?
Alle Shows hier sind gut. Wir haben einmal im Molotow gespielt. Das war super da es so eine gemütliche kleine Location ist. Wie eine Höhle. Das Publikum ist einem sehr nahe und geht immer gut ab. Die Shows waren immer großartig dort.
Da Ihr das Publikum aus dem Molotow gerade so gelobt habt: Gibt es irgendwelche Unterschiede zwischen den Fans, also z.B. den Deutschen und den Finnischen?
Das ist schwer zu sagen. Das finnische Publikum kennt uns bereits länger. Aber hier sind wir eine neue Band. Vor allem auf unserer ersten Tour, da kannte uns fast niemand. Jetzt sind wir den Leuten in Deutschland eher ein Begriff und sie sind aufgeregter bei den Konzerten und zeigen uns das auch. Es erinnert uns mehr und mehr an Finnland.
Wenn man z.B. nach Osteuropa geht und dort Konzerte spielt, sind die Leute völlig aus dem Häuschen. Es ist fast, also reiche es ihnen aus, dass man nicht aus ihrem Land sondern aus Finnland kommt. Man muss nicht einmal etwas Besonderes machen.
Sind Auftritte für euch mittlerweile zur Routine geworden oder ist es doch jedes Mal etwas Neues?
Natürlich ist es auf der einen Seite immer wieder aufregend. Aber es ist eher eine Mischung aus beidem, denn Routine ist auch immer mit dabei. Es hängt oft auch davon ab, was auf einem Konzert passiert. Es gehört ein gewisses Chaos dazu. Eine gute Show muss immer auch ein wenig gefährlich sein.
Spielt ihr lieber kleine Club-Shows oder auf großen Festivals?
Ich möchte nicht nur mit einem davon leben, aber wenn ich auswählen müsste, wären es die Club Shows. Eine gute Club Show ist immer etwas Besonderes. Es ist schön, wenn man seinem Publikum so nahe sein kann.
Auf der anderen Seite sind Festivals natürlich gut, damit die Leute dich kennenlernen. Es sind Tausende da, denen du dich neu beweisen kannst. Promotion also. Im Sommer geht man auch nicht auf Club-Tour, das macht keinen Sinn. Aber es ist schön, den Sommer damit zu verbringen auf Festivals zu spielen.
Eure alten Platten wurden in Schweden aufgenommen. „The Island of Disco Ensemble“ hingegen habt Ihr auf finnischem Boden produziert. Wieso?
Wir haben vorab entschieden, dass es für alle gut ist, wenn du nach jedem Studio-Tag einfach nach Hause gehen kannst. Vor allem weil wir wussten, dass wir viel unterwegs sein werden, sobald die Platte fertig ist, um sie zu promoten. Außerdem haben wir das Album in mehreren Abschnitten aufgenommen und hatten nicht nur eine lange Session. Wir wollten die Chance haben, um zu manchen Aufnahmen noch mal zurückzugehen und sie zu ändern, wenn sie nicht so funktionierten wie wir wollten. Wir konnten mehrere Parts einfach nach einer Weile wiederholen, bis sie saßen.
Also hattet Ihr auch viel mehr Zeit für die Aufnahmen?
Ja, auf jeden Fall. Vorher hatten wir 5 Wochen, um ein Album aufzunehmen. Wir haben Tag und Nacht daran gearbeitet. Wir konnten nicht einfach eine Pause machen und reflektieren, was wir bisher geleistet haben und was uns gefiel und was nicht. Diesmal hatten wir eine Woche frei, kamen dann zurück ins Studio und konnten die letzte Session mit einem klaren Kopf überarbeiten.
Also würdet Ihr sagen, die neue Platte ist besser?
Oh, das ist schwer! Zu der Platte gehört auch, wie du dich an die Recording Session erinnerst. Und für mich war das ein Riesenspaß. Man konnte diesmal alles geben weil man die Zeit dazu hatte. Das war wichtig. Die neue Platte klingt mehr wie ein Ganzes. Die Songs gehören zusammen, auch wenn jeder seinen eigenen Style und Klang hat. Diesmal konnten wir den Fans etwas mit unserer Platte sagen, da wir nicht so sehr unter Druck standen wie beispielsweise bei „Magic Recoveries“. Wir haben viele Facetten benutzt, die Platte klingt nicht so geradlinig. Wir wollten zeigen, dass wir das auch können.
Wenn ihr „The Island of Disco Ensemble“ geografisch einordnen müsstet, wo wäre diese Insel?
Oh, das ist eine gute Frage. Hm. Es sollte keine Paradiesinsel sein. Vielleicht irgendwo bei Großbritannien. Oder… kennst du Farø? Das ist eine kleine Insel, die zwar zu Dänemark gehört, aber trotzdem autonom ist. Sie können trotzdem machen was sie wollen. Außerdem ist es da nicht zu warm und auch nicht zu kalt. Ja, das wäre gut.
Zwei Tage zuvor hat hier eine andere finnische Band gespielt. Was haltet Ihr davon, dass Finnland eher für Gothic und Metal Bands bekannt ist? Und mit wem würdet ihr gerne mal zusammen arbeiten?
Ich glaube das verändert sich mittlerweile. Es gibt immer mehr Bands aus Finnland die nicht Gothic oder Metal sind. Wir sind also nicht mehr die einzigen. Das sieht man auch auf unserem Label. Mit ein paar von denen würden wir vielleicht mal was zusammen machen.
Was macht Ihr wenn Ihr von der jetzigen Tour nach Hause kommt? Erstmal relaxen oder gibt es schon Pläne?
Wir werden eventuell noch ein paar Shows im Herbst oder Frühjahr spielen. Es ist aber noch nichts konkret. Vielleicht Großbritannien oder die Schweiz. Auf jeden Fall wollen wir an neuen Songs arbeiten.
Also eine neue Platte aufnehmen oder bald wieder auf Tour kommen?
Haha. Ja, wahrscheinlich. Es ist irgendwie lustig, wenn Du auf Tour gehst und neue Songs vorstellst, denn für dich als Band sind sie eigentlich fast schon wieder alt. „The Island of Disco Ensemble“ ist seit einem halben Jahr fertig und wir promoten sie jetzt erst hier. Du musst immer sehr vorausschauend sein. Ich denke ja jetzt bereits an die nächste Platte.
Langweilen Euch eigentlich manche Eurer Songs, wenn Ihr sie immer wieder spielen müsset?
Einen Song live zu spielen, ist immer wieder auf eine bestimmte Art neu, deswegen wird es nicht langweilig. Manchmal haben wir aber einen bestimmten Song über, weil die Leute diesen Hit immer hören wollen. Wenn du jeden Abend denselben Song spielen sollst obwohl die Band ihn gerade satt hat, macht das keinen Sinn. „Drop Dead, Casanova“ z.B. haben wir in Finnland absichtlich eine Weile nicht mehr gespielt. Jetzt mögen wir den Song wieder, weil er hier in Deutschland so gut ankommt. Als Musiker musst du lieben was du tust. Das Publikum merkt das sonst.
(Karin Gärtner)