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ABAY: „Alles darf, nichts muss“

ABAY

Nach seinem Ende bei Blackmail ist Aydo Abay vor allem als Frontmann von KEN und dem Elektro-Projekt crash:conspiracy weiterhin musikalisch aktiv gewesen. Nun gründete der charismatische Sänger in seiner neuen Wahl-Heimat Berlin zusammen mit Juli Gitarrist Jonas Pfetzing ein neues Projekt, das seinen Namen trägt. Dabei geht das Duo ungewohnt poppige Wege und konnte vor allem durch eigenwillige Coverversionen von ABBA und Scooter von sich aufmerksam machen. Aber ABAY können nicht nur covern…

Hallo Aydo, wo erwische ich dich und was machst du gerade?

Danke der Nachfrage. Mir geht es ziemlich gut. Ich mache gerade einen Alkoholentzug und versuche einen klaren Blick zu bekommen. Gar nicht so einfach in Berlin.

Nach Blackmail, crash:conspiracy und Ken machst du nun unter deinem Namen Abay Musik. Bist du jetzt letztendlich musikalisch angekommen?

Ich bin immer da, wo ich gerade bin. Das Ankommen ist nicht das Ziel. Eher die Suche; und die hört hoffentlich nie auf.

Post-Pop nennst du den Sound von Abay. Kannst du uns die Säulen erläutern, woraus Post-Pop der Marke Abay besteht?

Ich denke nicht, dass wir das Rad neu erfunden haben. Wir wollten nur einen Oberbegriff für unser jetziges Werk. Musikalisch ist alles aus den letzten 40 Jahren dabei. Nach wie vor gibt es bei mir keine musikalischen Grenzen. Alles darf, nichts muss. So ungefähr klingt das dann auch.

Du hast Jahre lang in Köln gelebt und bist nun nach Berlin gezogen. Wie hat sich dieser Ortswechsel auf deine musikalische Arbeit bemerkbar gemacht?

Ich lebe nach wie vor in beiden Städten. In Berlin wird gearbeitet und in Köln geruht. In Köln hatte ich massive Schwierigkeiten Musiker für meine Vorhaben zu finden. Entweder zu schlecht oder zu beschäftigt. In Berlin ist jeder dritte, den ich treffe Musiker oder kennt jemanden der Musiker sein könnte. Da ist die Auswahl einfach größer. Den urbanen Einfluss nimmt man natürlich auch noch mit. Ich bin Musiker. Es ist egal, wo ich bin. Ich kann überall arbeiten.

Wenn du beide Städte vergleichst, was vermisst du an Köln und was stört dich an Berlin?

Zwischenmenschlich fand ich die extrem oberflächlichen Gespräche in Berlin anfangs sehr verwirrend.Eigentlich hat man sich nichts zu sagen, ist aber immer sehr freundlich zueinander. Dann trifft man den nächsten und das Gespräch zuvor wird als geführt im Kopf abgehakt. Be there or be square. Ich bin mittlerweile genauso. Das hält mich frisch und keiner weiß, wer ich bin. Das ist toll!

Wie bist du auf Jonas Pfetzing (Gitarrist von Juli) gestoßen, der ja ein Teil von Abay ist?

Jonas habe ich auf der Straße getroffen. Er wollte unbedingt Schnaps mit mir trinken. Das ging zu dem Zeitpunkt nicht, weil ich gerade mit dem Heilfasten angefangen hatte. Ich hab ihm meine Nummer gegeben und gesagt, er soll mich in 2 Wochen noch einmal anrufen. Hat er nie gemacht.Das fand ich beeindruckend. Mittlerweile machen wir seit 3 Jahren Musik zusammen.

Hat es zwischen euch musikalisch gleich gefunkt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass du eine Juli CD im Regal stehen hast.

SILBERMOND haben immer alles gemacht, um von Menschen wie mir gehasst zu werden. Eine Zeit lang war da kein Platz mehr für andere Bands. Also sind JULI komplett an mir vorbeigegangen. Vielleicht war das gut so, vielleicht auch nicht. Mittlerweile habe ich mir die Diskographie von Juli natürlich angehört. Es gibt einiges was mir gefällt, es gibt sogar einiges, was mich tief in meiner Seele berührt. Das reicht mir in der Regel, um eine Band gut zu finden. Und Juli haben da noch einiges mehr zu bieten. Und Jonas? Top Typ. Hat sofort funktioniert.

Die erste Single war ein Abba Cover von „I Have A Dream“. Neben Madonna seid ihr wohl die einzigen, die je eine offizielle Freigabe von Benny Andersson und Björn Ulvaeus erteilt bekommt. Wenn man eh mit einer Absage rechnet, warum macht man sich dann trotzdem die ganze Arbeit? Letztendlich hat es ja funktioniert.

Es war als Spaß gedacht, also hatten wir nichts zu verlieren. Benedikt Filleboeck von der Gruppe SONNE hatte diese Vision, der ich gerne gefolgt bin. Das Ding war in 2 Stunden im Kasten und wir hatten großen Spaß. Dass das dann freigegeben wurde, hat uns in der Tat überrascht und sehr glücklich gemacht. Wir sind beide mit ABBA aufgewachsen. Es ist uns also eine große Ehre. Und Madonna? Die Dame war für einen ersten Samenerguss verantwortlich. Passt also.

Gerade ist die zweite Single „Always Hardcore“ erschienen. Eine Easy-Listening Coverversion von Scooter. Wie bist auf darauf gekommen diesen Song zu covern und was reizt dich besonders an dem Text von Hans-Peter?

Bitte gehen sie auf ein SCOOTER Konzert. Dann kommt das ganz von alleine. Highly Entertaining.„Big shoot“, würde H.P. wahrscheinlich dazu sagen. Unsere Version ist bestimmt 3 Jahre alt und musste irgendwann einfach offiziell veröffentlicht werden. Die Idee kam mir direkt nach dem Konzert. Ich muss halt immer lachen, wenn ich die Texte höre oder lese. Sie unterhalten mich. Ich musste sie einfach in einem anderen Kontext zusammenführen. Es sind großartige Zeilen.

In einem Interview hast du vor kurzem gesagt, dass Abba und Scooter in deinem Herzen an verschiedenen Stellen abgelegt sind. Kannst du das uns erläutern?

Mit ABBA bin ich aufgewachsen. Das wird bleiben für immer. Kindheitserinnerungen, Geborgenheit,ein wohliges Gefühl. Scooter sind auch irgendwie da, ich weiß aber ehrlich gesagt nicht warum. Ist aber schön.

Welche Idee steckt eigentlich hinter dem Video zu „Always Hardcore“? Zum einen diese grundlegende Melancholie in deiner Stimme und dazu diese fröhlich tanzenden Menschen?

Wir fanden es einfach passend. In Kombination mit der Musik wirken die tanzenden Menschen im Video irgendwie absurd und dadurch entsteht eine gewisse Melancholie. Das mag ich.

Jetzt sind die ersten beiden Singles jeweils Coverversionen. Man muss aber jetzt nicht befürchten, dass das ganze Album voller Covers ist?

Es gibt noch eine fertige Coverversion. Die gibt es dann zu Weihnachten. Unser richtiges Album ist ja fast fertig. Die Coverversionen sind nur Gimmicks. Jetzt sind erst einmal unsere eigenen Songs an der
Reihe.

Wann genau soll das Album erscheinen?

Album kommt wahrscheinlich Anfang 2015. Im Herbst wird es eine EP geben.

Wird es eine Tour geben? Wie ist da der Stand der Dinge? Wie ich gelesen habe, werden Juli dieses Jahr auch noch ein Album veröffentlichen. Gibt es da zeitlich bei Jonas keine Probleme?

Es wird einige Konzerte geben. Bis jetzt spielen wir am 22.08. in Köln und am 27.08. in Hamburg. Eine kleine Tour im Spätherbst ist auch angedacht. Zeitlich gibt es immer Probleme, aber wir haben eine gute Fee, die alles fest im Griff hat. Alles ist möglich. Man muss
nur planen.

Was bringt die weitere Zukunft bei dir? Irgendwelche konkreten Pläne oder lässt du alles erst einmal auf dich zukommen? Wäre ein neues KEN Album eine Option?

Wir nehmen gerade eine Doppel 7“ mit dem Künstler John Bock auf, welche im Laufe des Jahres auf EDITON FIEBER erscheinen wird. Das wird großartig. Mit KEN sind wir im Winter im Studio. Da wird es also im nächsten Jahr auch ein neues Album geben.

Info: www.facebook.com/ABAYofficial