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MADSEN: „Merk dir diesen Augenblick!“

Interview - MADSEN (Niko Maurer)

Gratulation! 10 Jahre Madsen! Und pünktlich zum 10jährigen Bandjubiläum erschien das erste Live-Doppelalbum bzw. die erste Live-DVD. „10 Jahre MADSEN live“ wurde im Dezember 2013 an fünf Abenden in fünf verschiedenen Hamburger Clubs aufgenommen, bei denen jeweils ein Album in chronologischer Reihenfolge gespielt wurde. Eine hochenergetische Reise in die MADSEN-Historie mit all ihren großartigen Hits. Für uns allemal ein Grund, einige Zeilen mit Bassist Niko Maurer zu wechseln.

Schön, dass Du Dir die Zeit nehmst und uns einige Fragen beantwortest. Wo erwische ich dich und was machst du gerade?

Ich sitze zuhause am Küchentisch höre nebenbei Radio und trinke Kaffee. Aber irgendwie läuft grad nur Schrott im Radio…

Wie fühlt man sich denn so, wenn man erkennen muss, dass man fast schon zu den „Alten Herren“ der deutschen Rock-Szene gehört?;)

Schlecht! Alles Gelenke tun weh, bei jeder Bewegung kommt man ins Schwitzen und die Wampe wächst. Nee, Spaß beiseite. Das ist uns so ähnlich vor kurzem tatsächlich bewusst geworden. Wenn man so auf den Festivals unterwegs ist trifft man ja immer viele Leute. Früher waren wir immer die netten Jungs die schüchtern in der Ecke standen und sich gefreut haben, wenn man mal mit anderen Bands reden kann. Das ist zwar manchmal immer noch so, aber mittlerweile ist es auf Festivals oft so, dass wir uns schon wie die alten Hasen fühlen und wir beobachten können wie es jetzt jüngeren Band so geht wie uns damals. Aber wir freuen uns auch sehr, dass wir das alles schon so lange mitmachen dürfen.

10 Jahre Madsen. Habt ihr damals gedacht, dass es so laufen wird? Positiv- Erschreckend finde ich, wie viele Hits sich über die Jahre angehäuft haben.

Gehofft haben wir das natürlich. Aber davon ausgehen konnten wir natürlich nicht. Es ist ja auch einfach ein sehr schnelllebiges Geschäft. Klar häufen sich über die Jahre sehr viele Songs an. Selber von Hits zu sprechen ist immer schwierig, aber wir sind immer sehr glücklich und überrascht wie viele Lieder die Fans auf den Konzerten so mitsingen können.

Welcher Madsen Song ist den euer absoluter Lieblingssong und darf auch auf keinem Konzert fehlen?

Das ändert sich ständig und natürlich von Album zu Album. Im Moment ist es wohl bei den meisten von uns „Durch die Wüste“, ein neues Stück, was wir schon öfter live gespielt haben und welches auch auf unserem Live-Album veröffentlicht ist. Aber es gibt viele Songs, die auf keinem Konzert fehlen dürfen, auch weil die Leute sie einfach hören wollen, wie „Nachtbaden“, „Du schreibst Geschichte“ oder „Lass die Musik an“.

Was war für euch der bisherige Höhepunkt und was das schlimmste, was euch in der abgelaufenen Dekade passiert ist.

Es gab so viele Höhepunkte in der Zeit, dass man gar nicht von einem einzelnen reden kann. Das waren z.B. die Auftritte bei großen Festivals wie Rock am Ring oder dem Rheinkultur, eigene erfolgreiche Tourneen oder unsere Tour durch die USA. Das Schlimmste war definitiv der Unfall von Sebastian bei einem Videodreh, bei dem er aus fünf Metern Höhe abgestürzt ist und sich unter anderem das Handgelenk brach. Danach musste er das Gitarre spielen neu erlernen und es hat sich einiges in der Band getan.

Interview - MADSEN (Niko Maurer)

Gibt es etwas, dass ihr rückblickend bereut? So etwa den Support von The Used. 🙂 Diese Konstellation passte ja überhaupt nicht zusammen. Aber auch wieder erstaunlich, wie lange das schon her ist.

Nein, wir bereuen nichts! Solche Konzerte wie damals mit The Used sind Erfahrungen die wir einfach machen mussten. Im Nachhinein ist das ja auch witzig, wenn man darüber nachdenkt, dass wir als unerfahrene Bengels da vor über 1000 Leuten gespielt haben und grade mal drei Leute haben geklatscht. Ich weiß noch dass in der ersten Reihe ein ganz komisch geschminkter Typ stand, der aussah wie eine Mischung aus einer der bei Kiss spielt und der Typ von dem Film „The Crow“. Aus solchen Sachen lernt man aber und es ist doch auch schön, wenn man dann Geschichten drüber erzählen kann.

Madsen ist immer die Band aus dem „Wendland“. Welchen Bezug habt ihr noch zum Wendland? Lebt ihr noch da oder hat es euch schon seit Jahren in die Stadt gezogen?

Johannes und ich wohnen noch bzw. wieder da. Wir haben auch schon mal Stadtluft geschnuppert, aber wenn man hier aufgewachsen ist und das Wendland lieben gelernt hat, zieht es einen automatisch wieder hier her. Das werden die anderen beiden auch noch merken. Außerdem haben wir hier unseren Proberaum und unser „Hauptquartier“. Hier hat man einfach die Ruhe und Entspannung, um kreativ sein zu können.

Wie kam eigentlich die Idee Bandjubiläum ein Live-Album zu veröffentlichen und es dann in Hamburg an fünf Abenden in fünf unterschiedlichen Locations aufzunehmen.

Die Idee für die Konzerte kam ursprünglich von unserem Booker Bernie. Wir haben ihn erstmal für verrückt erklärt, da das ja einen wahnsinnigen Aufwand bedeutete. Aber dann waren wir uns auch ziemlich schnell sicher, dass wir das Ding durchziehen wollten. Die Idee daraus ein Live-Album zu machen lag ja auf der Hand. Wir wurden in den letzten Jahren ständig gefragt, wann wir denn mal eines veröffentlichen. Wir wollten aber nicht einfach irgendwelche Live Mitschnitte zusammenwürfeln und herausbringen. Ein Live-Album sollte schon etwas Besonderes sein und das war die perfekte Gelegenheit dazu.

Ihr habt das letzte Konzert im legendären Molotow gespielt. Lag da nicht eine wehmütige Stimme in der Luft?

Ja total. Wir wussten ja an dem Abend, als nach dem Konzert der Laden geräumt wurde noch nicht, dass es das letzte sein würde, aber wir haben das schon geahnt. Als ich mit einem Kollegen aus unserer Crew die Treppen aus dem Club hoch gegangen bin meinte er zu mir: „Merk dir diesen Augenblick! Das wird bestimmt das letzte Mal, dass du diese Treppen gehst.“ Das war schon ein komisches Gefühl. Und so war es dann ja letztendlich auch.

Als Gäste habt ihr u.a. Porky von Deichkind und König Boris von Fettes Brot. Wie habt ihr die beiden dazu überredet mitzumachen und wie oft trifft man sich vorher um zu proben?

Wir haben einfach einige befreundete Musiker gefragt, ob sie bei diesen Jubiläumskonzerten mitmachen wollen. Die meisten haben auch ohne groß zu überlegen zugesagt, da brauchten wir kaum Überredungskunst. Die meisten haben sich direkt gefreut. Wir natürlich genau so. Geprobt haben wir mit den Gästen gar nicht. Dafür war einfach keine Zeit. Aber wir haben dann mit ihnen Nachmittags beim Soundcheck die Lieder einmal durchgespielt. Das musste reichen.

Interview - MADSEN (Niko Maurer)

Ihr spielt diesen Sommer einige Festivals. Was kann der Festivalbesucher erwarten? Liegt der Fokus aufs letzte Album „Wo es beginnt“ oder wird es eine Best-Of Setliste geben?

Auf den Festivals gibt es eine gute Mischung. Natürlich ist das ein Querschnitt durch alle Alben. Wir müssen ja unsere „Hits“ spielen. Schließlich wollen die Leute mitsingen und es gibt kaum etwas langweiligeres als eine Band, die nur unbekannte B-Seiten spielt.

Der Blick in die Zukunft. Was erwartet uns nach dem Festivalsommer 2014 Madsen? Wann können die Fans neues Material erwarten?

Es gibt schon einiges an neuem Material. Aber die Songs befinden sich noch im Demostadium. Wenn alles nach Plan läuft versuchen wir im Winter ins Studio zu gehen und aufzunehmen. Also kann man vielleicht nächstes Jahr mit etwas neuem rechnen.

Letzte Frage, was gibt es zum 20 jährigen Bandjubiläum?

Die „10 Alben – 10 Nächte Tour“ natürlich.

Info: www.madsenmusik.de