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Hamburg Campus Open Air 2013: Unkommerziell, Bunt und viel Musik

Hamburg-Campus-Open

(13./14.06.2013, Hamburg, Von-Melle-Park) „Im letzten Jahr trat hier jemand mit einer Panda-Maske auf. Jetzt macht er Werbung für McDonald´s und hat eine eigene H&M-Kollektion.“ Das sagte der Sänger der Hamburger Punkband NotgemeinschaftPeterPan und setzte sich eine Hunde-Maske auf. „Wir sind die Hunde, die ihm ans Bein pissen!“ Deutliche Worte am zweiten Tag des Campus Open Air 2013 im Von-Melle-Park auf dem Gelände der Universität Hamburg unweit des Bahnhofs Dammtor.

In diesem Jahr sollte alles etwas anders werden. An zwei Tagen konnten die Hamburger Studierenden und alle Interessierten den Alltagsstress vergessen. Es wurde gefeiert, getanzt, und getrunken! Als „Saufen gegen den Kapitalismus“ könnte man es bezeichnen, da sich das Festival in diesem Jahr ausschließlich durch den Bierverkauf finanzieren wollte und auf jegliche Werbung und/oder Sponsoren verzichtete. Ich hoffe, dass dieses Vorhaben geglückt ist und alle Kosten gedeckt werden konnten.

An zwei Tagen wurde den BesucherInnen auf einer Hauptbühne, der kleinen ASTAR-Bühne und einer Electro-Stage ein buntes musikalisches Programm geboten. Neben der Musik gab es aber auch diverse Workshops und am Donnerstag einen Poetry-Slam. Darüberhinaus konnte man sich bei vielen Vereinen und Initiativen wie z.B. Viva Con Agua oder Amnesty International informieren. Gegen den Hunger gab es vielen Imbissstände, welche überwiegend vegane Speisen anboten.

Tag 1 – Der verregnete Donnerstag!

Trotz der mäßigen – um nicht zu sagen sehr bescheidenen – Aussichten des Wetterberichts machte ich mich am Donnerstag auf den Weg zum Von-Melle-Park. In der Hoffnung darauf, dass es schon nicht so schlimm wird, ging es mit Regenjacke und Schirm bewaffnet los. Um ca. 17 Uhr, also nach der ersten Band, kamen meine Freunde und ich an. Der erste Weg führte uns direkt zum Bierstand um das Festival mit dem Kauf der Getränke zu unterstützen. Außerdem kann man bei einem Preis von 2€ pro 0,33er Bier nichts sagen.

Um 17:30 kam dann mein erstes Highlight. Die Hamburger Combo Neonschwarz betrat die Bühne. Man merkte sofort, dass Neonschwarz mittlerweile eine beträchtliche Fanbase haben, auch wenn diese auf dem doch recht großen Gelände etwas verloren wirkte. Wochentag, Uhrzeit und Wetteraussichten schreckten vermutlich doch einige Leute ab oder machte es ihnen unmöglich das Festival schon am frühen Donnerstagabend zu besuchen. Wie dem auch sei, eines steht für mich fest: Neonschwarz waren schuld an dem folgenden Dauerregen. Kaum spielten sie den Song „The Rain“, fing es an zu regnen! Und es sollte den ganzen Abend nicht aufhören. Wenigstens zauberten sie den BesucherInnen mit „On A Journey“ die Sonne in die Herzen.

Als nächstes durfte die Hamburger Hip-Hop-Gruppe Eljot Quent den Menschen vor der Hauptbühne einheizen. Das war auch notwendig, da der Regen von Minute zu Minute zulegte. Das schreckte aber so gut wie keinen ab. Das Publikum war wie die Musiker „Derbe Drauf“. Einfach den Regen ausblenden und an etwas Schönes denken: „Urlaub Im Kopf“.

Mit durchnässten Schuhen und aus Angst um meine Kamera musste ich mich nach Eljot Quent in ein schützendes Unigebäude verziehen. Dem Regen trotzten jetzt  wohl nur die Fans der spielenden Musikgruppen. Was ich damit sagen will ist, dass ich die Gruppe Die Vögel nicht gesehen habe. Wir haben stattdessen im trockenen eine spontane Runde Flunkyball gespielt.

Um 21:45 Uhr ging es aber nochmals in den Regen. Der Headliner des ersten Tages, die Hamburger Band Liedfett, betrat die Bühne. Trotz des schon erwähnten Regens – ja, es hat wirklich den ganzen Abend geregnet – war der Platz vor der Bühne sehr gut besucht. Man merkte, dass es für die drei Jungs ein Heimspiel war. Die Band hatte Spaß! Sie fragten die Menge „Kommst Du Mit“ und spielte mit dem Publikum „Blinde Kuh“. Alle hatten Spaß! Die Schirme vor der Bühne sprangen auf und ab. Mit dem Wissen, dass dieser Auftritt der letzte des Tages sein wird, war der Regen den allermeisten vollkommen egal. Sollte man doch vollkommen durchnässt sein, nach diesem Auftritt konnten alle nach Hause um unter die warme Dusche zu springen.

Tag 2 – Das Wetter kann auch anders! Oder doch nicht?

Als ich am Morgen des zweiten Festivaltages zu Hause wach wurde bereute ich das viele Bier und die nassen Klamotten. Förderlich war das für meine starke Erkältung nicht. Dennoch machte ich mich am frühen Abend wieder auf den Weg zum Campus. Leider verpasste ich auch am Freitag die erste Band.

Um 17:30 Uhr betrat die schon anfangs erwähnte Band NotgemeinschaftPeterPan die Bühne. Bodenständiger Punk, klare Ansagen und viel Spaß auf der Bühne. Das Banner der Band brachte sicher nicht nur mich zum schmunzeln: „Antifascist – Antisexist – Antiaging“. Als sie dann auch noch für den Song „Kellerkinder“ vier kleine Kids als Chor auf die Bühne holten, waren viele BesucherInnen entzückt. Die kleinen Chormitglieder wurden natürlich entsprechend gefeiert. Ein vielversprechender Einstieg für Tag 2.

Nun spielte die Indie-Band Manual Kant aus Bayern. Vor der Bühne war es wieder etwas ruhiger, was meiner Meinung nach aber nicht an der schlechten Leistung der Band lag. Ganz im Gegenteil! Es machte Spaß den unbekannten Texten zu lauschen. Das Hamburger Publikum ist manchmal etwas zurückhaltend gegenüber unbekannten Stücken. Ein älterer Herr hatte auf jeden Fall seinen Spaß und bot einen recht experimentellen Tanzstil vor der Bühne. Damit animierte er auch andere zum Tanzen und zauberte allen ein Lächeln ins Gesicht.

Randnotiz: Es gab an diesem Abend nur einen größeren Schauer. Er erschreckte uns zwischen 18 und 19 Uhr für ca. 20 bis 30 Minuten. Es sah kurze Zeit nach erneutem Dauerregen aus, aber gegen die erneute gute Laune des Publikums und der Vorfreude auf das Wochenende hatte der Regen keine Chance.

Ab 21:15 Uhr wurde es das erste Mal an diesem Freitagabend voll vor der Bühne. Anscheinend stellten viele das Lernen ein oder hatten den Feierabend erreicht. Die Sonne schien und nur einzelne Deko-Wolken waren am Himmel zu sehen. Außerdem folgte nun der Auftritt der Electronic-Band Captain Capa. Die Stimmung wurde immer besser. Viele Leute feierten und sangen die Texte mit. Eine super Einstimmung für den Headliner des zweiten Tages.

Um 21:45 Uhr war es dann soweit und die letzte Band des Campus Open Air betrat die Bühne: Feine Sahne Fischfilet. Eine Band von der in den letzten Monaten eine Menge zu lesen und hören war. Sie passte als Headliner wie die Faust auf das Auge zu diesem Festival, da sich die ganze Veranstaltung gegen Rassismus und Sexismus stellte, aber auch eine Menge Spaß, Freude und Miteinander vermitteln sollte. Alles Dinge, für die der Punkrock der Band aus Mecklenburg-Vorpommern steht. Sie sprechen politische Themen mit einer gewissen Schärfe an, wissen aber auch wie man feiert. Es gehört eben beides zum Leben: Ernst und Spaß. Einige Bangalische Lichter auf der Bühne und im Publikum ließen den Campus in der Abenddämmerung erleuchten. Tausende Hände wirbelten durch die Luft und bei dem Song „Komplett Im Arsch“ konnten fast alle mitsingen. Ein grandioser Abschluss einer wirklich gelungenen Veranstaltung.

Fazit – 2014 bitte wieder auf diese Art und Weise!

Ich denke man hat es schon zwischen den Zeilen herausgelesen: Ich fand es toll! Ein wunderbares Publikum. Rücksichtsvoller Umgang miteinander. Eine Menge Spaß: für die Kleinsten, aber auch für etwas betagtere Menschen . Denkanstöße. Gemeinsam anpacken.

Wie schon gesagt hoffe ich, dass alle Kosten gedeckt werden konnten und das man 2014 wieder eine solch tolle Veranstaltung auf die Beine stellen kann – um eines zu zeigen: Es geht auch anders!

Info: www.campusopenair.blogsport.de