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Joachim Witt live in Bochum

Joachim-Witt-live-Bochum-Matrix-2014

(17.05.2014, Bochum, Matrix) In der Matrix ist es schon ziemlich voll als sich der Begründer des deutschen Elektro- Chansons“, wie sich der Leichtmatrose Andreas Stitz selbst bezeichnet, auf die Bühne kommt. Für die live Umsetzung seiner Musik hat sich der Matrose zwei Mitstreiter an Bord geholt. Die beiden Herren formen mit einem Synthie und einer Gitarre den richtigen Hintergrund für die wortwitzigen, sarkastischen Geschichten. Der Leichtmatrose trägt schwarz, die Musiker stehen kontrastreich in weiß um ihn herum. Im Gefecht des Scheinwerferlichtes hat der Frontmann gleich sein Shirt unter dem Sakko weggelassen. Den wie sich schnell heraus stellt, wird es mit dem Matrosen sehr schweißtreibend. Pünktlich zur Tour hat auch der Leichtmatrose eine neue EP am Start. Doch für viele der Anwesenden macht es keinen Unterschied, ob es nun ein neues oder altes Stück der Band ist, denn für eine große Anzahl ist der Matrose Neuland. „Johnny fand bei den Sternen sein Glück“ heißt der nigelnagelneue Song, nach dem gleich die komplette EP benannt wurde.  Dieses Stück kommt gut beim Publikum an und macht Spaß auf mehr. Der Leichtmatrose nutzt seine Supportzeit gut aus, um einen Einblick in das Schaffen des Künstlers zu präsentieren. Eindruck hat die Band jedenfalls gemacht, denn das Publikum verlangt einen Nachschlag der vom Matrosen als gleich ausgeführt wird.

Dann ist die Bühne für Witt frei. Joachim Witt deckt mit seiner Musik drei Dekaden ab. Von der Neuen deutschen Welle wechselt er Jahre später zur deutschen Härte. 2014 lässt er den Neumond poppig, synthetisch in hymnischen Klangfarben leuchten. Im Publikum stehen ebenfalls Menschen die Witt schon ein Leben lang begleiten, oder so  junge Leute die zur NDW Zeit das Licht der Welt erblickten. Pompös beginnt das Witt Spektakel. Zum hymnisch aufgeblasenen „Aufstehen“ schreitet der Meister ins Rampenlicht.  Schon bei den ersten Takten ist die Welt in Bochum in Ordnung und das bleibt auch so, jeder bekommt was er verlangt. Mit Songs aus der Jetztzeit vom aktuellen Album „Neumond“ fängt die Show an und geht immer ein paar Jahre zurück. „Gloria“ wird wehmütig in Szene gesetzt „Das geht so tief“ bringt Schwung in den Keller der Matrix und bewegt die Leute zum Tanzen. Zwischendurch gibt es immer einige heitere Anekdoten zu den  jeweiligen Songs. So erfahren die Zuschauer auch wie die Zusammenarbeit mit Peter Heppner entstand. „Die Flut“ darf natürlich nicht fehlen. Auch ohne den Gesangspart von Heppner verbreitet der Song ein melancholisches Beisammensein.

Mit Floskeln über das Alter bringt Witt die Leute zum schmunzeln. Mit seinen 65 Jahren ist es auch gestattet einen Teil der musikalischen Zeitreise auf einem Hocker sitzend zu präsentieren. Die Silly Coverversion „Batallion d ámour“ verströmt eine warmherzige Welle an Gefühlen und hinterlässt dennoch eine  Gänsehaut. Die NDW Vergangenheit wird ganz ans Ende gesetzt. „Supergestört und Superversaut“ bringt die alten Klänge ins Hier und Jetzt zurück. Diese Stücke sind jedem bekannt und gewähren Mitsinggarantie. Die Luft wird immer dünner in dem Kellergewölbe. Verschwitzte und glückliche Gesichter glänzen in der Dunkelheit. Auf der Bühne nimmt der Meister die Akustische in die Hand und lässt den „Goldenen Reiter“ aufleben. Die Stimmung ist ausgelassen und lautstark. „Der Herbergsvater“ setzt zum finalen Schlussstrich an. Es scheint als würde jeder die Gelegenheit nutzen sich ein letztes Mal voll auszutoben. Doch das nimmersatte Publikum johlt und applaudiert, um insgeheim noch eine Song abzustauben. Doch Schluss heißt Schluss. Auf der Bühne bleibt es dunkel.

Joachim Witt auf seiner Neumond Tour 2014 fotografiert von Martina Peitz. Support Leichtmatrose.

Info: www.joachimwitt.de / www.leichtmatrose.com