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Turbobier live in Köln

Turbobier live in Köln

(02.03.2016, Köln, Underground) Vergiss Wanda! Vergiss Bilderbuch und vergiss auch ganz schnell Christina Stürmer oder Andreas Gabalier. Der wirklich heiße Scheiß aus Österreich ist Turbobier. Die legitime Vertreter aller Drangla, Tschecheranten und Tachinierer haben seit der Veröffentlichung ihres Albums „Irokesentango“ und dem Einstieg in die Politik mit ihrer Partei „BPÖ – Die Bierpartei“ die Alpenrepublik auf den Kopf gestellt.

Zum ersten Mal zeigt sich das Quartett nördlich der Donau , Aber es ist wenig los im kleinen Saal des Undergrounds. Zu Beginn sind es nur ein paar versprengte Freunde und Verwandte, die sich von Local-Support „Gedrängel“ musikalisch berieseln lassen. Die Kölner Band spielen dabei grundsoliden Punkrock, den aber völlig blutleer.

Nach einem derartigen Support weiß man Turbobier besonders zu schätzen. Diese Band stellt halt den Gegenentwurf zu all den überambitionierten Ösi-Bands, die hierzulande die Charts erobern dar. Texte müssen nicht verständlich sein, um zu funktionieren. Vielleicht ist deshalb so wenig los? Um die Songs zu verstehen, reicht es halt nicht aus, sich regelmäßig den Wiener Tatort anzuschauen. Turbobier präsentieren ihre Songs im feinsten Wiener Dialekt – und der ist nicht einfach.

Aber wenn man eh einige Biere intus hat, dann sind solche Sprachbarrieren kein Hindernis. Melodischer Punk trifft auf trinkfreudiges Publikum. Je höher die Bierdichte, umso lauter die Songs. Während sich der Saal mit Kenner der Materie und einigen Exil-Österreicher doch ein wenig füllt, bringen sich Turbobier in Stellung. Vier junge Wiener mit Sonnenbrille, verranzten Frisuren und in bester Party-Laune. Und so authentisch sie aussehen, so überzeugend klopfen sie auch den Sound ins Underground. „I hoss olle leit“ schreit ein gutgelaunter Frontmann in die Runde, der sich im Laufe des Abends als wahrer Zeremonienmeister, Staatspolitiker und Gossenpoet entpuppt.

Rumstehen gilt nicht. Da wird anfänglich gewippt, ein wenig gepogt, gerockt und konstant getrunken. Am Anfang kriegen die Gesetzeshüter mit „Kiwara“ und „Blaue Kappe Grüne Kappe“ ihr Fett weg. Danach stellt Spitzenpolitiker Marco Pogo klar, dass Turbobier, nicht nur eine Band, sondern auch die Führungsriege der BPÖ  – Die Bierpartei Österreichs ist. Das politische Programm wird schnell in „Die Bierpartei“ präsentiert und fette österreichische Schilling Scheine mit dem Konterfei Pogos im Publikum verteilt. „Nixtun muss wieder was wert sein“, so das Credo.

Turbobier live in Köln

„Was ist der größte Feind des Trinkers?“, fragt Marco Pogo in die Runde. Die Antworten waren recht lustig. Von „Dosenpfand“, „Kater“, „alkoholfreiem Bier“ war alles vertreten. „Die Schwerkraft“ war dennoch die lustigste Antwort.   Aber, alles falsch. Die „Sperrstund“ war’s. Na gut, sowas haben wir in Köln hier nicht. Woher hätte man das wissen sollen?

Turbobier granteln weiter mit kurzweiligen Songs und das Publikum wird exzellent unterhalten. Schnell vergeht dabei die Zeit und eher man sich versieht, sprechen Turbobier bereits vom Ende der Show. Aber das Verschwinden in den Backstageraum, der direkt neben der Bühne ist, schenken sich die Jungs und tuen sich und auch dem anwesenden Publikum damit einen Gefallen. So bleibt die gute Stimmung konstant und die Band widmet sich dem großen Fussball-Idol und Philosophen Anton „Toni“ Polster. Wer erinnert sich nicht an seine Sangeskünste mit den Fabulöse Thekenschlampen und dem Hit „Toni, lass es polstern!“ ? Auf jeden Fall: Ohne Toni Polster hätte es den Song „Fuaßboiplotz“ nicht gegeben! Mit „Arbeitslos durch den Tag“, dem Helen Fischer Atemlos Cover, dass Turbobier mittlerweile fast 1 Millionen Klicks auf YouTube einheimste, war dann auch Schluss mit der Party. Weitere Songs gibt es nicht, schließlich drohen Turbobier der Gewerkschaft, denn wenn sie mehr als 14 Songs spielen, wäre dies schließlich Arbeit – und das wollen sie nicht.

Letztendlich ein ironischer Spaß samt hoher Bierdichte und Unterhaltungsfaktor, deren Frontmann dazu singt wie der junge Konstatin Wecker, oder so ähnlich. Prost!

Info: www.turbobier.at