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Captain Planet live in Dortmund

Captain Planet live in Dortmund

(06.01.2017, Dortmund, FZW) Anfang Dezember hatten sie die kleine Halle im FZW restlos ausverkauft, aber da die Stimme nicht mitmachte, muss am Dreikönigstag ein Nachholkonzert her und dafür sind dann noch einige Tickets übrig. Das macht sich auch in der Stimmung – nicht zuletzt im FZW – bemerkbar. An Personal hat man an diesem frühen Abend nämlich ein bisschen gespart, so dass sich lange Schlangen missmutiger Besucher an Garderobe und Bar bilden. So mancher schmeißt deshalb seine Jacke einfach unter oder neben die Bühne – vielleicht ist das auch die bessere Variante und ganz bestimmt ist das viel mehr Punkrock! Und das sind auch nach 14 Jahren Bandgeschichte (wenn sie es denn jemals gewesen sind) die vier Kapitäne aus der Stadt an der Elbe. Bestes Beispiel für die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Musik. Vier Jahre haben sie sich für das neue Album Zeit gelassen, einmal im Jahr gibt es eine kleine Tour, manchmal Spontankonzerte mit nur ein paar Tagen Vorlauf. So lässt es sich leben und die Leidenschaft erhalten, weil der Druck nicht so groß ist, das nächste Album zum massenkompatiblen Kassenschlager zu machen. „Ein Ende“, das letztes Jahr auf die Ladentheken und in die Streaming-Playlists dieser Welt plumpste ist auch genau das nicht. Mir selbst ist es bisher auch noch nicht gelungen, mich komplett reinzuhören und es gibt auch noch keine Lieblingssongs. Ein Album – so sieht es aus – das man sich erarbeiten muss. Ein Glück, dass es beim Konzert nicht im Mittelpunkt stand! Zwar war St. Peter von der neuen Scheibe der Opener und auch zwischendrin wurde die Setlist immer wieder mal mit dem einen oder anderen Song vom neuen Album gespickt, aber dominant waren die neuen Sachen nicht und somit kommen auch Fans der ersten Stunde an diesem Abend voll auf ihre Kosten. Nach anfänglichem Herumtänzeln und eher ruhigen Tönen auf und vor der Bühne mit zwischenzeitlichem Aufbäumen braucht es „Spielplatz“ („wo üben die, die niemals siegen?“), um das Stimmungsrad nochmal rumzureißen. Nach kläglichen Versuchen von Circlepit meets Wall of Death belässt man es beim Pogen und fährt damit ganz gut! Vor der Zugabe wird dann mit Ankündigung darauf verzichtet, die Bühne zu verlassen und stattdessen gleich „Spreu vom Weizen“ und – natürlich – „Baumhaus“ gezockt. Die Band ist den Abend über insgesamt wortkarg und es gibt kaum das gewohnte Zuspielen von verbalen Bällen. Ein bisschen halbgar wird das begründet mit „man will ja gar nicht, dass die Band irgendwas labert. Ihr denkt dann doch bestimmt ‚halt die Klappe und spiel!‘“ Aber trotzdem: nach der letzten Note blickt man in die Gesichter zufriedener, beseelter Menschen und hat ein schönes Konzert gehabt. „Ein Ende“? Ich denke nicht!

Info: www.facebook.com/captainmeincaptain

(Lyra Nanerendij)