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City Light Thief: „Gerade trinke ich ein Bier. Alles gut!“

Nach den Alben „Laviin“ (2011) und „Vacilando“ (2013) sowie der EP „The Music of Chance“ (2012) ist die neue EP „Shame“ die langersehnte vierte Veröffentlichung der aus Grevenbroich stammenden Post-Hardcore Band City Light Thief. Zum heutigen Release haben wir mit Frontmann Benni einige Fragen und Antworten ausgetauscht.

City Light Thief - Photo by Janek Janssen

Wie fühlt man sich im Herbst 2015 als Teil von City Light Thief?

Wahnsinnig gut und auch ein bisschen stolz. Die Platten sind Anfang der Woche bei uns angekommen. Es ist das schönste Vinyl, dass wir bisher gemacht haben, das Artwork kommt in „echt“ total gut zur Geltung, das schwere Vinyl und die „glatte“ B-Seite fühlen sich besonders an. Im Internet geistern schon jede Menge tolle Besprechungen zur Platte umher, auf Instagram freuen sich die vielen Vorbesteller über ihre verfrüht angekommenen Platten… Super fühlt man sich, als wäre alles ein bisschen so aufgegangen wie man es sich gewünscht hat!

Die neue EP „Shame“ ist draußen, die ersten Shows gespielt – wie waren die letzten Wochen für euch?

Wir haben auf den vergangenen Shows schon mal den ein oder anderen neuen Song live gespielt, und das hat sich sehr gut angefühlt. Die letzten Wochen waren aber natürlich auch hektisch, es gab sehr viele Entscheidungen zu treffen, und da wir zumindest versuchen dass sich jeder mal äußern darf, mussten wir da alle immer mal wieder schnelle, spontane Entscheidungen treffen – wie soll das Merch aussehen? Wer kann gerade wieviel Kohle für welche Rechnung vorschießen? Wann proben wir eigentlich mal wieder? Wie gefallen den Leuten die Songs? Naja, halt so Kram, den man sich fragt, wenn man was Neues vorstellt. Aber insgesamt: absolut Positiv. Wir sind zufrieden, mit dem was wir gemacht haben, und die Leute die sich bisher zu den Songs geäußert haben, fanden sie toll. Jetzt gerade trinke ich ein Bier. Alles gut!

Warum habt ihr euch für den Titel „Shame“ entschieden, was steckt dahinter?

Der Titel stammt von unserem Bassisten Bringo, mit dem ich zusammen immer sehr viel über die Texte von mir spreche, und der auch immer viele Lyrics für uns schreibt. Unsere Platten hatten bisher immer exotische Namen, und dieses Mal hatten wir Lust ein ganz konkretes, kurzes Wort als Titel zu nehmen. Weil das halt besser zu den Songs passt die wir diesmal gemacht hatten, und weil es zu den Inhalten der Songs passt. In jedem Song geht es um eine Facette von Scham – und Scham ist etwas, dass jeder von uns aus verschiedensten Situationen in seinem Leben kennt. Der Titel entstand erst, als alle Songs und Texte fertig waren und hat, Indianerehrenwort, nichts mit der langen Nacktszene in der letzten Game of Thrones Staffel zu tun. Das guckt Bringo nämlich als einziger aus der Band nicht.

„Wild Truth“ handelt von deiner Schreibblockade, die du hattest. Wie war diese Phase für dich, wie hat man sich das vorzustellen?

Das muss man vielleicht ein bisschen ins richtige Licht rücken: ich habe eigentlich immer Schreibblockade. Wenn die Band 10 Songs fertig hat, habe ich vielleicht zweieinhalb Texte fertig, mit denen ich zufrieden bin. Ich bin da unendlich langsam. Und im Fall von diesen vier Songs war die Band wirklich wahnsinnig schnell. Ich glaube die ersten Töne von der neuen Musik wurden Ende Dezember geschrieben, und im April war ja alles schon aufgenommen. Klingt jetzt nach viel Zeit vielleicht, aber wir müssen ja auch erstmal zum Schreiben kommen, und alles was da rauskommt ist ja nun auch nicht Gold.
Also auf jeden Fall gab es vier fertige Songs aber ich hing mit den Texten hinterher. Ich hatte mir eine Idee in den Kopf gesetzt, von was die Texte handeln sollten. Aber was ich aufschrieb, fand ich fast immer Scheiße. Ich habe mich der Band gegenüber so unglaublich geschämt, dass ich nichts abliefern konnte, mit dem ich zufrieden war. Mein ganzes schrottiges Selbstmitleid hab ich Bringo gebeichtet –und er hatte am nächsten Tag den Text zu „Wild Truth“ geschrieben, der den Nagel wundervoll auf den Kopf trifft.

Was hat euch bewegt einen Song wie „Plus & Plus“ zu veröffentlichen, der die Gleichstellung der Geschlechter thematisiert?

Wir sind, musikalisch gesehen, keine politische Band – in unseren Songs geht es meist um unseren eigenen Gefühlsscheiß und kaum um das, was sonst in der Welt um uns herum passiert. Nicht, weil uns die politische Lage oder die vielen Ungerechtigkeiten egal sind, sondern weil wir denken, dass es andere Bands & Texter gibt, die diese Problematiken besser vermitteln und verpacken können als wir.
Geschlechter-Ungleichberechtigung ist aber eine Sache, die sehr aktiv auch eine Rolle in unseren Leben spielt. Wir haben viele homosexuelle Menschen in unserem Freundeskreis und auch Familien, und immer wieder fallen einem diese kleinen U gerechtigkeiten auf. Und das macht wütend.
Bei mir ist es konkrekt so, dass ich in meiner Familie miterlebt habe, wie fast unschaffbar schwierig es für ein homosexuelles, verheiratetes Paar ist, ein Kind zu bekommen. Die deutsche Gesetzlage dazu ist dumm und diskriminierend, die Folgen für die Betroffenen absolut unwürdig.
Trotzdem ist der Song ja absolut positiv gemeint – er erzählt die Geschichte von einem Paar, dass viele Jahr dafür gekämpft hat eine Familie sein zu dürfen, und es letztendlich trotz all der Hürden schafft. Ich bin der Onkel des Kindes, um das es in dem Song geht.

Im Winter werdet ihr weitere Shows spielen. Was erwartet ihr selbst von dieser „Tour“, worauf freut ihr euch am meisten?

Wir sind ja immer sehr unregelmäßig auf Tour, deshalb ist es immer wieder aufregend einigermaßen viele Konzerte in kurzer Zeit zu spielen. Also freut man sich einfach über den Umstand, mal mehr als 2 Konzerte in den nächsten Wochen auf dem Plan zu haben. Einfach weil man sich freut, dass es Leute gibt die diese Konzerte für einen veranstalten.
Jetzt gerade freue ich mich konkret sehr auf jede Show, die wir mit An Early Cascade spielen dürfen – das ist ein großartige Band aus Stuttgart, die wir über Heisskalt kennengelernt haben, und die nächste Woche ihre eigene neue EP rausbringen. In diese Songs bin ich absolut verliebt. Ich freue mich wahnsinnig, dass wir sie bei ihrer Release-Show in Stuttgart supporten dürfen.

City Light Thief - Photo by Janek Janssen

Wie wichtig ist für euch ein Teil des „Brot&Salz Festival“ zu sein?

Das ist wahnsinnig wichtig für uns – dieses Konzert ist sicher das Wichtigste, dass wir dieses Jahr spielen dürfen. Wir sind Teil eines absolut perfekten Line Ups, und es ehrt uns in diesem Kontext aktiv sein zu dürfen.
Wie gesagt haben wir nie als politische Band von uns Reden gemacht – umso sehr freut es uns, dass wir durch das Brot&Salz Festival nun so unser Zeichen setzen dürfen. Daniel, der sich das Ganze ausgedacht hat, hatte die perfekte Idee und hat sie perfekt zum richtigen Zeitpunkt umgesetzt. Wir sind stolz, ein Teil sein zu dürfen.

Euer letztes Album „Vacilando“ erschien 2013 und es wurde doch ziemlich ruhig um City Light Thief. Was habt ihr aus den vergangenen Monaten für euch gelernt?

Wir sind ja eine absolute Nach-Feierabend-Band, jeder von uns hat täglich Arbeit oder Studium zu erledigen – und trotzdem haben wir 2013 und 2014 jeweils gut 30 Konzerte gespielt. Die Tour mit Heisskalt letztes Jahr war vielleicht der Höhepunkt bisher überhaupt.
Aber es stimmt schon – genau mit Vacilando ist auch viel anderer Kram passiert. Genau vier Tage bevor die Platte rauskam bin ich Vater geworden, am Tag der Release-Show damals kam ich erst mit den beiden Girls aus dem Krankenhaus, die Studiengänge der anderen Jungs näherten sich alle dem Abschluss, jeder hatte viel zu tun.
Es war vielleicht mal hier und da ein bisschen ruhig um uns – aber wir haben gelernt dass uns auch niemand vergisst, wenn wir mal eine Woche nichts auf Facebook posten. Die Leute die uns hören sind tatsächlich ganz schön cool und verstehen das.

Seit 2003 macht ihr gemeinsam Musik. Erinnert ihr euch an euer allererstes Treffen? Und an den Moment, als ihr entschieden habt, eine Band zu gründen?

Ich hab Tobi, unseren Gitarristen und Hauptsongschreiber, 1997 kennengelernt. Da war ich 9, und wir sind beide zu den Pfadfindern gegangen. Da haben wir dann damals Green Day Songs mit der Akustikgitarre gespielt.
Als wir nach ein paar Jahren Freundschaft gemeinsam die Idee hatten, eigene Musik zu machen, hat Tobi ganz klar gesagt: „Nur mit Roman, den kenn ich seit ich ein Baby bin. Und der spielt geile Gitarrensoli.“ Kein Mist. Und dann hat sich der ganze andere geile Scheiß ergeben.

Was war in den letzten Jahren besonders toll und auf was hättet ihr gerne verzichtet?

Neben der Tour mit Heisskalt, wo wir jeden Abend für zwei Wochen vor mega vielen guten Leuten spielen durften, war die Aufnahme von SHAME ein tolles Erlebnis für uns als Kollektiv. Wir haben drei Tage konzentriert und auf den Punkt zusammen Musik gemacht, alle waren immer anwesend. Das war ein toller, gemeinsamer, kreativer Prozess.
Wirklich was zu Bereuen haben wir glaube ich nicht – immer wenn wir kurz davor sind eine richtig dumme Entscheidung zu treffen, haut einer auf den Tisch und weckt die anderen auf. Naja, wir hätten auf Tour vielleicht nicht soooo viel Bandkassen-Geld für Nogger Chocs ausgeben sollen, dann wären wir auf 0 rausgekommen….

Denkt ihr schon an ein neues Album oder braucht ihr noch Zeit für neue Ideen? Letztendlich, welche Pläne habt ihr für 2016?

Sicherlich. Album, EP, Album, EP – natürlich steht jetzt wieder ein Album an. Der sagenumwobene „Songideen“ Ordner auf unserem Server hat schon wieder 5 oder 6 Demos. Wir nehmen 2016 ein Album auf. Zumindest wollen wir das absolut. Ist ja schließlich der einzige jugendliche Spaß, den wir alle neben dem Erwachsenenscheiß haben!

Danke für das Interview!

Vielen Dank, das hat super Spaß gemacht.

Info: www.facebook.com/citylightthief