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FJØRT: „Verständnislosigkeit war immer schon der Motor von FJØRT“

FJØRT

Nach „Demontage“ und „D’accord“ ist „Kontakt“ die dritte Veröffentlichung von FJØRT. Und wie beim Vorgänger erklingen aus allen Ecken die Lobeshymnen über das musikalische Schaffen der drei Jungs aus Aachen. Denn so durchdacht, kraftvoll und selbstbewusst, hat man den deutschsprachigen Post-Hardcore noch nicht gehört. Sänger und Gitarrist Chris und Bassist David stellten sich unseren Fragen.

Die neue Platte ist draußen, die ersten Reviews kommen rein – aber wie zufrieden seid Ihr selber mit dem neuen Werk, gerade auch im Vergleich zu „D’accord“?

Chris: Jedes mal, wenn wir eine Platte schreiben, sind wir danach völlig leer, da wir unsere Musen bis auf’s letzte Kitzeln und alles aus uns rausholen wollen, was zu dieser Zeit nur möglich ist. Für KONTAKT haben wir uns noch wesentlich mehr Zeit genommen als für D’accord. Letztes Jahr haben wir nur wenige Shows gespielt und uns stattdessen so oft wie möglich im Proberaum eingeschlossen, um an Liedern zu schrauben. Das hat den Songs gut getan, wir sind mit dem Ergebnis sehr glücklich.

Waren die Aufnahmen diesmal anders als beim Vorgänger?

Chris: Im Grunde war der Prozess genauso wie bei den letzten Platten. Wir haben das Album bei unserem langjährigen Kumpel Phil Hillen aufgenommen, wie auch schon die Demontage, D’accord und so einige musikalische Projekte lange vor FJØRT. Vor dem Studio arbeiten wir immer jeden Akkord und jedes Wort akribisch aus, sodass das Einspielen im Studio relativ fix geht. Aufgenommen haben wir KONTAKT in etwa 10 Tagen, waren dann aber noch ein paar weitere Tage vor Ort für den finalen Mix.

Ist der Schritt vom kleinen Label This Charming Man Records zu Grand Hotel van Cleef eine logische Konsequenz der momentanen Entwicklung der Band?

David: Bei der Wahl unserer Partner für die Veröffentlichung einer Platte sind wir wirklich nicht ganz treu. Unsere erste Platte brachte unser guter Kumpel Paul von Through Love Records raus, da sich – offen gesagt – damals auch niemand anders für unsere Musik interessierte. Unser Wunsch war es aber immer unsere Musik für möglichst viele Menschen verfügbar zu machen. Paul als One-Man-Company war damals sehr ehrlich zu uns und sagte, dass er einfach nicht die Zeit für D’accord aufbringen könnte, die dieses Album bräuchte. This Charming Man alias Chris Weinrich war für uns schon immer Garant für das Herausbringen von tollen Scheiben und vor allem der Vielfältigkeit seiner Bands; allen voran The Tidal Sleep, oder auch Trainwreck, Messer, Freiburg. Er hatte spontan Bock den Weg mit uns und D’accord zu gehen. Wir spielten 2014 ein Soli Konzert für die Rote Flora in Hamburg. Dort waren auch Menschen von Grand Hotel van Cleef, mit denen man anschließend ins Gespräch kam. Wir sind Aachener Jungs und da gab es diese eine Band mit Namen PALE, denen wir als Kids in der ersten Reihe zugejubelt haben. Diese Band war im Hotel beheimatet und dieses damit eine Art Jugendliebe. So kam dann eins zum anderen. Chris Weinrich anzurufen und zu sagen, dass wir die nächste Scheibe gerne dort veröffentlichen wollen, war eine der härtesten Anrufe meines Bandlebens bei FJØRT, weil Chris einfach so viel für diese Band getan hat und auch weiter getan hätte. Er hatte vollstes Verständnis, aber geil fühlte sich das nicht an.

„Kontakt“ ist ja nicht nur ein Album-Name, sondern auch ein Statement – beschreibt das Euren aktuellen Zustand am besten?

David: Wie das beim Schreiben von Platten so ist, kam der Titel irgendwann angeflogen. Ich aktualisierte zu Hause am Rechner einen Rider von uns und tippte die „Kontaktinformationen“ ein. Irgendwie stolperte ich über die eigentliche Bedeutung von „Kontakt“. Wie begegnen wir diesem Wort, dieser Bedeutung heute? Wie viel ehrliches oder geheucheltes steckt in unseren Kontakten, wie sehr werden sie gebraucht oder missbraucht? Unter diesem Deckmantel konnten wir danach alle bis dato geschriebenen Texte irgendwie zusammenfassen. Zu diesem Zeitpunkt standen längst nicht alle Songs und Texte. Aber auch das weiterschreiben fiel unter diesem Deckmantel sehr leicht und führte auch letztlich zum Artwork.

Ich finde die neue Platte wirkt etwas zackiger, energischer, mehr auf den Punkt. Ein Zeichen von verbessertem Songwriting oder auch von mehr Aggression, die zuletzt in Euch steckte?

David: Nach dem Release von D’accord gab es musikalisch und westlich irgendwie nichts mehr für uns zu sagen. Jeder Akkord und jeder Text fand Platz auf dieser Scheibe. Es hätte gar keinen Sinn gemacht, direkt nach dem Release weiter an Songs zu tüfteln. Da wäre nichts bei rumgekommen. Im Oktober 2014 trafen wir uns um ein Wochenende zu proben. Hier flogen auf einmal wieder Riffs durch den Raum, die interessant waren, aber zu sehr nach D’accord klangen. Wir sind Freude von Weiterentwicklung und würden uns sehr langweilen die selbe Platte nochmal zu schreiben. Daher wurde der ganze Mist wieder verworfen. Irgendwann kamen dann aber neue Sachen, die irgendwie anders waren. Elemente wie Verständlichkeit des Gesangs, Ausbauen von Melodien sowie unserer Musik eigentlich fremde Instrumente wie Klavier einzubauen, waren uns hierbei wichtig. Verständnislosigkeit, nicht Aggression, war immer schon der Motor von FJØRT. Da spielte uns die Entwicklung in unserem privaten und gesellschaftlichen Umfeld textlich in die Karten. Ohne diesen Input wäre bei uns glaube ich nie ein Song oder Text machbar.

Demnächst geht es wieder auf Tournee – was erwartet Ihr von den Shows?

David: Wir haben die Ehre in vielen sehr schönen Clubs zu spielen und freuen uns die Songs live zu spielen. Live kannst Du nicht viel korrigieren, das ist direkt und ehrlich. So spielen wir halt am liebsten, da Du dann direkt sehen kannst, ob die Songs etwas in Menschen bewegen. Egal ob da 20 oder 200 stehen. Du hast dieses Feeling und die Menschen vor der Bühne hoffe ich auch. Man kloppt sich gemeinsam die Texte um die Fresse. Bands live zu erleben sparen sich heute viele Menschen und holen das auf YouTube zu Hause mit ner Tüte Chips nach. Aber ist es nicht die Hitze, der Gestank, die vollgestickerten Toiletten und die viel zu laute Band auf der Bühne, die Du dann für die nächsten Monate oder Jahre mit nach Hause nimmst? Platte kann zwar begeistern aber nur Live wirklich verbinden.

Noch etwas, das Euch wichtig ist?

David: KONTAKT wurde nicht geschrieben um zu gefallen. KONTAKT wurde geschrieben, um sich einen oder mehrere Abende mit der Scheibe und guten Kopfhörern auf eine Wiese oder die heimische Couch zu setzen und endlich mal eine ordentliche Achterbahnfahrt zu reflektieren.

Info: www.facebook.com/fjort