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BLACKOUT PROBLEMS: „Man muss was fühlen können“

Blackout Problems - Interview

Dutzende Touren, Heavy-Rotation auf Radio FM4, ein beachtliches „Startrampe“-Feature bei BR-Puls, umjubelte Festival-Auftritte und fast 14.000 hungrige Facebook-Freunde sprechen eine deutliche Sprache. Anfang Februar veröffentlichte das Münchener Trio ihr Debütalbum „Holy“ und leitete somit den nächsten Schritt ihres vierjährigen Bestehens ein. Fans von sowohl Bands wie Biffy Clyro als auch den Donots oder Apologies, I Have None werden den reifen Sound für sich entdecken. Gitarrist und Sänger Mario beantwortete unsere Fragen.

Erstmal ein herzliches Hallo von mir und Danke, dass ihr euch die Zeit für ein paar Fragen nehmt. Ihr seid mit „Holy“ direkt auf Platz 57 der deutschen Media Control Albumcharts gestartet. Wie habt ihr die Nachricht bekommen und vor allem was ging euch durch den Kopf, als ihr davon erfahren habt?

Wir waren wahnsinnig enttäuscht und haben eigentlich mit Platz 56 gerechnet. Das war ein unfassbar beschissener Tag für uns. Wir waren kurz davor uns aufzulösen.

Ne ganz ehrlich, die Charts an sich waren uns sehr egal. Uns war es eher wichtig zu zeigen, dass eine kleine Band, ohne Major Label im Rücken, mit einem Stil und einer Sprache die von vielen in der Musikindustrie totgesagt wurde, es trotzdem schaffen kann mit ehrlicher Musik genug Platten zu verkaufen, um in die Charts einzusteigen. So gesehen war das für uns ein Gruß in alle Proberäume und Juz Bühnen, dass wir alle weitermachen sollten, egal was der große Musikmongul sagt. Man wird als junge Band oft auf die Probe gestellt, wenn “Wichtige Leute” einem sagen was man alles anders machen sollte, um Erfolg zu haben. Ich glaube manchmal ist es am besten, wenn man einfach so bleibt wie man ist. Klingt kitschig, ist aber so.

Die Scheibe ist seit Anfang Februar veröffentlicht. Wie lange habt ihr an der neuen Platte gearbeitet und seit ihr froh oder eher erleichtert, jetzt da sie draußen ist? Was war euer Anspruch an das neue Material?

Wir haben an den Songs tatsächlich fast 2 Jahre gearbeitet. Aufgenommen war die Platte aber an wenigen Tagen, das ging dann in einem Guss. Worüber wir uns am meisten freuen ist, dass wir endlich neue Songs live spielen können. Am wichtigsten war mir persönlich der Leitspruch “Man muss was fühlen können.” Uns war es wichtig, dass wir alte Hörer berühren und neue Hörer erreichen.

Blackout Problems - Interview

Erzählt uns doch erstmal ein bisschen was über die Entstehungsgeschichte von eurem neuen Album „Holy“? Wann ist der erste Song entstanden und welcher war es?

Puh, da bin ich ehrlich gesagt etwas überfragt. Ich denke, der erste Song war “We are Free”.

Die Songs sind über einen relativ langen Zeitraum entstanden. Wir haben wahnsinnig viele verschiedene Einflüsse und mussten das erstmal auf die Kette bekommen. Es gab so unterschiedliche Songs, manche fast ausschließlich elektronisch, andere mit Instrumenten, die eher aus dem folkigen Bereich kommen, manche mit Akustik-Gitarre, manche mit Synthesizer. Wir hatten da ein riesiges Chaos am Start. Irgendwann haben wir uns gesagt, es ist an der Zeit das Ganze zu ordnen. Dafür haben wir uns dann 10 Tage Zeit genommen, eine Hütte gemietet und sind dort auf die Lösung gekommen: Wir reduzieren uns auf uns drei. Jedenfalls fast. Wir haben gänzlich alle zusätzlichen Instrumente und Schnick Schnack weggeschmissen und zu dritt von vorne angefangen, nur mit Schlagzeug, Bass und Gitarre bewaffnet.

Wie kann man sich einen Tag mit der Band im Studio vorstellen? Ist es eher ein kunterbuntes Treiben wie auf der Bühne oder macht jeder so sein eigenes Ding? Und wann seid ihr euch mal so richtig „auf den Sack gegangen“?

Im Studio zu sein bedeutet für eine junge Band meistens Zeitstress, denn jeder Tag im Studio kostet erstmal eine Stange Geld. Daher bereiten wir uns gut vor, üben so viel es geht und sehen zu, dass wir im Studio diszipliniert sind. Wir haben die instrumentalen Dinge auf der Platte in vier Tagen eingespielt. Für 13 Songs ist das schon ganz ok.

Der Gesang dauert natürlich immer etwas länger. Aber dafür muss man auch nicht ins Studio. Den haben wir im Proberaum von Heisskalt mit unserem Produzenten Philipp Koch aufgenommen.

Gott sei Dank haben wir im Studio so viel zu tun gehabt, dass es keine Zeit gab sich auf den Sack zu gehen. Aber dafür war bestimmt auch unser super Team bestehend aus Florian Nowak (Studiochef vom Daily Heros Studio in Berlin) und Philipp Koch verantwortlich.

Blackout Problems - Interview 

„Holy“ hat ein äußerst gelungenes Coverartwork, wie ich finde. Wer hat das gemacht und was drückt es für dich aus? Vor allem, warum gibt es diese digitalen „Pixelfehler“.

Vielen Dank! Alle Fotos im Booklet und rund um die CD wurden von Ilkay Karakurt geschossen. Die Nachbearbeitung stammt von Matze Krebser. Mit Beiden haben wir einen absoluten Glücksgriff gemacht. Wir waren noch nie so begeistert von einem eigenen Artwork. Das Bild auf dem Cover bringt für uns beide Schauplätze der Geschichten im Album ganz gut auf den Punkt. Da gibt es die Stadt (= Pier) die Natur (= Meer), da das Pier abgebrannt ist, zeigt es auch schön die Vergänglichkeit des Materials, des Besitzes. Eine Sache die einem auf dem Album hier und da über den Weg läuft.

Ihr habt euch im Laufe der Jahre nicht nur musikalisch als Band entwickelt, sondern auch textlich. Wie wichtig ist es für euch, dass sich eure Fans auch mit den Texten auseinandersetzen?

An sich ist das ja jedem selbst überlassen. Wenn sich jemand die Platte anhört und nur die Melodien gut findet, ist das auch kein Beinbruch. Aber ich muss schon ehrlich zugeben, dass es mich sehr freut wenn Leute auf uns zukommen und sagen unsere Texte gefallen ihnen ganz gut.

Auf dem Song „Boys Without A Home“ ist Nathan Gray von boysetsfire zu hören. Wie kam es den dazu, dass er euch im Studio besuchte?

Wie das genau entstand ist eigentlich ganz easy. Wir haben ihm den Song zukommen lassen, er hat reingehört und gemeint “Yo!”. Das im Studio besuchen war dann eher schwieriger und hat zwei Anläufe gebraucht, da Nathan auf Tour war. Nicht nur mit Boysetsfire, sondern gleichzeitig noch mit seinem Soloprojekt. Dass er sich zwischendrin noch die Zeit nimmt und einen Song im Studio einsingt, zeigt, dass der Kerl Eier hat, die bis auf den Boden reichen.

Textlich geht es in „Holy“ um Freundschaft, Mut, Gerechtigkeit, Fragen der Verantwortung und Moral. Ihr selbst sagt, dass es altmodische Werte sind, zeitgleich aber auch zukünftige Werte, für die man momentan noch nicht bereit ist. Wie darf man das verstehen?

Einige alte Werte gehen in der heutigen Gesellschaft hier und da verloren. Es gibt zwar noch genug Leute die darauf Wert legen Mitmenschen gut zu behandeln, aber ich glaube es schadet nicht darauf hinzuweisen.

Welcher Song auf dem Album ist euer persönlicher Lieblingssong? Und warum?

Hmm, Gegenfrage: was ist deiner? 🙂 Ich kann da gar keinen Song rauspicken. Ich mag „The National“ sehr gerne, weil es der erste Song mit Klavier ist. Auch wenn es sehr stümperhaft eingespielt worden ist. Daran muss ich noch arbeiten. Aber ich würde gerne mehr mit dem Klavier machen. Ich liebe das Instrument.

Im März geht es auf Tour. Ihr werdet einige Shows zusammen mit This Amity, Flyktpunkt und mit An Early Cascade spielen. Sicherlich eine gute, stimmige Zusammenstellung. Wie kam es dazu? Kennt ihr euch alle schon untereinander oder wird es im Februar erstmal ein allgemeines „Beschnuppern“ geben?

Das ist ganz unterschiedlich. An Early Cascade, Younger Us, This Amity sind alles Bands die wir schon lange kennen und persönlich sehr mögen. Flyktpunkt zum Beispiel, lernen wir erst auf der Tour kennen. Unser Manager Niko kam mit einer Platte von den Jungs um die Ecke und meinte die müssen wir mitnehmen. Da Niko einen sehr guten Geschmack hat, sind wir froh, dass die Jungs auch Bock drauf hatten mitzukommen. Wir freuen uns auch sehr auf Coppersky aus Holland, die Jungs haben ebenfalls eine super Platte am Start.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bedanken, dass du dir so viel Zeit genommen hast und diese ganzen Fragen so ausführlich beantwortet hast. Die letzten Worte gehören dir!

Mir bleibt zu sagen: Viel Spaß mit der Platte und ich hoffe wir sehen dich sowie ein paar Leser auf Tour! Bis bald und Danke für deine Zeit und Mühe! Danke!

Info: www.facebook.com/blackoutproblems