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LORDE: Pure Heroine

(Universal) Neuseeland hat eine neue, große Stimme in der geschmackvollen Popmusik. Diese Stimme gehört überraschend einer Sechzehnjährigen, die mit großer Reife in einem musikalischen Spektrum agiert, das von Lana Del Rey bis The XX reicht. Erstaunlich abgeklärt und stilsicher kommen die Songs von Lorde daher, ein wenig Skepsis und Zynismus paaren sich mit jugendlicher Direktheit, so dass ein reichhaltiges Bild einer jungen Frau entsteht, die bewusst einen Gegenpart zum Teenager-Mainstream setzt. Das eröffnende „Tennis Court“ ist da direkt ein lässig fließendes Statement, das edel ausformuliert und elegant in den Schattenzonen abgeklärter Popmusik beheimatet ist  und eine luftige Distanziertheit und Abgrenzung etabliert, „it´s a new art form/ showing people how little we care“. „400 Lux“ macht es sich in einer entspannten Langeweile bequem und entrollt sich mit melodischer Sämigkeit, wunderbar abgerundet und geschmeidig, der Refrain erinnert dabei an eine sedierte Version von M.I.A. Überhaupt sind die ersten Songs auf „Pure Heroine“ die stärksten, auch „Royals“ hat den gewissen Kniff, mit Melodik und relaxten Rhythmus eine ganz eigene Klangwelt zu erschaffen, hier agiert Lorde mit der Überzeugung und Selbstgewissheit, dass sie das Beste noch vor sich hat, Abgrenzung und das Etablieren einer eigenen, selbst gewählten Position bestimmen den Gestus dieses Songs, der der konsumgeilen Bling Bling-Mentalität der kommerzialisierten Jugend nachdenkliche Wahrhaftigkeit gegenüberstellt.  Lorde denkt den zweiten und dritten Gedanken abseits von kurzschlüssiger Amüsiersucht, Flat Rate-Saufen ist bei der Neuseeländerin keine Option, sie sucht nach Inhalten, dreht und wendet die Dinge hin und her ohne dabei krampfhaft verkopft zu wirken. Das Schöne dabei ist, dass sie dafür eine Musiksprache findet, die genau an der Grenze von anspruchsvoll und eingängig angesiedelt ist. Mit abgeklärter Stimme berichtet Lorde in „Ribs“ von der Angst, älter zu werden, ohne dass dies wie ein Kokettieren mit der eigenen Jugend wirkt, „this dream isn´t feeling sweet/ we´re reeling through the moonlit streets/ and I´ve never felt more alone/ it feels so scary getting old“. Dabei erzeugt der Song eine ganz eigene Spannung zwischen nahbarer Eingängigkeit und leergeräumter Isolation, existenzieller Pop, der seine widerstreitenden Komponenten zu einem unglaublich eleganten Ganzen verbindet. In ungewisser Schwebehaltung verharrt auch „Still Sane“, das sich schützend ins eigene Schneckenhaus zurückzieht und eine Ungewissheit die Zukunft betreffend vermittelt, die sich nicht so einfach auflösen kann. Zwischen Beschwingtheit und Innehalten platziert sich das gut ausbalancierte „White Teeth Teens“, welches noch mal klar macht, dass Lorde sich nicht in die Hochglanz- und Oberflächenarmee der Teenagermassen einreiht. „Pure Heroine“ ist ein sehr reflektiertes Album, das aber gleichzeitig einen unverkrampften Zugang zur Popmusik findet. Dabei sind die Songs unglaublich geschmackvoll ausgeleuchtet, jeder Klang, jede rhythmische Wendung wirkt hochwertig und dabei immer auch intuitiv, kurz, diese Platte hat Seele und kündet von einer unglaublich talentierten, neuen Kraft im Universum des sophisticated Pop.

Info: www.facebook.com/lordemusic

(Martin Makolies)