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JAMES VINCENT MCMORROW: Post Tropical

JAMES VINCENT MCMORROW

(Believe/ Soulfood) Destination El Paso: nachdem das Debütalbum von James Vincent McMorrow vor allem in seiner Heimat Irland überraschend erfolgreich war, hatte der 30 Jährige nun für den Nachfolger alle Freiheiten. Und so igelte sich der junge Mann vor den Toren Mexicos in ein einsames Studio ein und machte alles selbst, die Instrumente, die gespenstischen Chöre, das ganze Paket halt. Und so fand er zu einem Klangambiente, dass man als post ekstatisch bezeichnen kann. Das Blut ist noch latent in Wallung, doch eigentlich sehnen sich die Stücke auf „Post Tropical“ nach Wärme und Geborgenheit. Weich ausgekleidet sind diese Songs, die jedoch immer wieder in eine gekonnte, von der Falsettstimme McMorrows moderierte Theatralik abdriften, im Kerzenschein brandet es immer wieder beeindruckend auf. So versetzt sich McMorrow im eröffnenden „Cavalier“ nach und nach und immer intensiver in Verzückung, „I remember my first love“, ja, da kann man schon mal leicht den nüchternen Blick verlieren. Es sind im Übrigen immer wieder die kleinen kompositorischen Details, die aus guten Songs herausragende Minimeisterwerke machen, so im wohlig sanften „The Lakes“, in dem ein hinkender Beat sich das flirrende Mandolinengezirpe auf die brüchigen Schultern legt und vorsichtig losstapft. Sehr beeindruckend sind auch die Miniaturcrescendi  in „Repeating“, die dem Song so etwas wie einen Sekundentod im stetigen Fluss bescheren. Wie man einzig mit der Kraft seiner Stimme ein Stück Musik so richtig mit Leben erfüllt, zeigt McMorrow in „Red Dust“, wo er den Kernsatz „sometimes my hands/they don´t feel like my own/ I need someone to love/ I need someone to hold“ weit in die Dunkelheit hinein mäandrieren lässt, das ist sakrale Schönheit, ein spirituelles In sich hinein-horchen, das seine Verletzlichkeit offen vor sich her trägt. Den absoluten Glanzmoment erlebt „Post Tropical“ mit dem überlebensgroßen „Gold“, dessen triumphierende Bläser keine falsche Bescheidenheit kennen und jeder Gänsehaut Tür und Tor öffnen, übertroffen wird dies nur noch durch einen die Erlösung ersehnenden Refrain, der sich mit fliegenden Fahnen ins eigene Schicksal stürzt. Nach so einem rauschhaften Erlebnis tut ein wenig Beruhigung gut, die mit „All Points“ von McMorrow auch angeboten wird. Aber auch hier findet man bemerkenswerte Kleinigkeiten, die einem die Songs noch enger ans Herz wachsen lassen, in diesem Fall ist es der Übergang von einem perkussiven Rhythmus in einen simplen Schlagzeug Beat, eine kleine Maßnahme, die dem Song jedoch eine ganz neue Dringlichkeit verleiht, ohne dass die sanften Klanganordnungen in ihrer Ordnung aufgeschreckt werden. Fast schon martialisch mutet dagegen der aufbrandende Mittelteil vom Titelstück an, hier scheint McMorrow beinahe auf dem Kriegspfad unterwegs zu sein, freilich schön dick in schützende Stoffe gehüllt. Es ist immer wieder dieses emotionale Aufflackern, welches den Stücken eine durchaus markante Anmutung gibt und das, obwohl die Kompositionen in weiten Teilen nebulös und verschwommen orchestriert sind. McMorrow setzt immer wieder feine Akzente, jeder Einsatz eines Instruments hat maßgeblichen Anteil am dramaturgischen Erscheinungsbild eines Songs. Das Schöne an der Sache ist, dass damit eine Mischung aus Verletzlichkeit und leidenschaftlichem Engagement entsteht, dessen Quelle, oftmals die Verzweiflung, immer im Hintergrund durchscheint. Und so stellt McMorrow im abschließenden „Outside, Digging“ endtäuscht fest: „There is so little light/ from the warmth of the sun“, packt diese Erkenntnis aber noch mal in einen kolossalen Abgesang, der an das ultimative Gefühl appelliert. Ob dieses aber nun Liebe oder Trauer ist, kann und will diese Platte nicht beantworten.

Info: www.jamesvmcmorrow.com

(Martin Makolies)