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C Duncan: The Midnight Sun

(Fat Cat/Al!ve) Chris Duncan hat den Sommer verabschiedet, vielleicht endgültig. Sein Debüt „Architect“ war ein ungemein vitales Update auf den urbanen Summer of Love, gerne auch mit lateinamerikanischer Rhythmik. Sein neues Werk „The Midnight Sun“ kann man aber definitiv nicht auf der Südhalbkugel verorten, Grönland wäre da schon passender. Es ist Winter geworden, die Bewegungen werden langsamer, man mummelt sich ein. Die organischen Instrumente werden in den Schrank gestellt, Duncan erfindet sich neu, holt den Synthesizer raus und überlässt ihm das Feld.

Im Zusammenspiel mit Schlagzeug und Gesang entsteht dabei mitunter aber gehörig Spannung. In „Like You Do“ werden die kühlen Synthieflächen von einem jazzigen Schlagzeug unterwandert und ergänzt, zwischen Bewegung und Statik knistert es gehörig. Generell sind die ersten vier Songs des Albums ein ständiges Tänzeln um das ausgewogene Verhätnis zwischen Gesang, Drums und Synthies, spannend. Im Mittelteil von „The Midnight Sun“ ziehen diese drei Kernelemente jedoch an einem Strang, was dazu führt, dass Duncan der Entkernung seiner Musik sehr nahe kommt und fasst in eine komatöse Ruhe hinübergleitet.

Wie Nat King Cole im Gefrierfach wirkt das letzte Drittel der Platte, eine klassischere Instrumentierung mit Akustikgitarre und Klavier kuschelt sich in Sechziger-Engelschöre ein und erinnert einen daran, dass bald Weihnachten ist.

C Duncan hat es mit seinem zweiten Album geschafft, sich künstlerisch alle Türen offen zu halten. Indem er dem sonnigen Sound des Vorgängers abschwört und eine kühlere, elegantere Haptik etabliert, zeigt sich der Mann aus Glasgow wandelbar und vielseitig. Das Wichtigste dabei bleibt aber immer noch, dass diese Songs eine gewaltige Verführungskraft besitzen, den Hörer erst einlullen und dann um den Finger wickeln, bis man völlig eingetaucht ist in ein Meer aus Eiskristallen und lockenden Schatten. C Duncan selbst bleibt dabei aber immer ein wenig distanziert und ungreifbar, als würde er hinter einer Wand aus Milchglas stehen.

8.0 Stars (8,0 / 10)

Info: www.facebook.com/mrchrisduncan