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D. D Dumbo: Utopia Defeated

(4AD/ Beggars/ Indigo) Willkommen auf dem „zombie mountain/where the dead die“. Dorthin lädt ein gewisser Oliver Hugh Perry aus Australien ein. Zünftige Sophisticated-Disco mit Achtziger-Einschlag ist ein Teil der Spaßveranstaltung. Und siehe da, in einer schummrigen Ecke sitzen Peter Gabriel, die Talking Heads und Paul Simon um einen Tisch versammelt und spielen Eklektizismus-Bingo. In der Reihe mit dem Schulterpolster-Basslauf fehlt nur noch ein quirky Detail. Wie wäre eine Klarinette, ja passt erstaunlich gut. Textlich sollte man der musikalischen Lebendigkeit aber ein wenig Düsternis entgegen stellen. Wir singen über Tiere, wie sie sich verletzen, wie sie bluten, wie sie sterben.

Hat noch jemand den Überblick? Den kann man nämlich leicht verlieren auf „Utopia Defeated“, dem Debütalbum von D. D Dumbo, dem Alter-Ego eben jenes Hugh Perry. Dieser lässt sich stilistisch absolut nicht festlegen. Neben chromblitzenden Diskonummern wie „Satan“ und „Cortisol“ befinden sich auch Gezeiten-Folksongs wie „In The Water“ auf dem Album, denen man sonst auf frühen Aufnahmen von Bon Iver begegnen würde. „Utopia Defeated“ nascht an ganz verschiedenen Töpfen, will mal Weltmusik sein, dann wieder reduzierte Popmusik. Dazu klingelt und scheppert es in allen Akzenten und Dialekten dieser Welt. Diese weit gefasste Kombinationswut von Perry erschwert aber zunächst den Zugang zu dieser Platte. Bei dem ganzen Klimbim und Feder-rascheln wird der Blick auf die zugrunde liegenden Songstrukturen ein wenig verstellt. Dass es sich im Kern um zwar recht simple aber äußerst charmante Kompositionen handelt, merkt man erst, wenn man das anfängliche Staunen über die Arrangement-Details überwunden hat.

Beispielsweise ist man bei „Alihukwe“ erst einmal darüber verblüfft, wie hier bereits in den ersten Takten Asien und Afrika zusammen kommen. Besonders Sitar und afrikanische Orgel spielen sich r auf einem entspannten Beat immer schön die Bälle zu. Dabei bemerkt man erst nach mehrmaligem Hören, dass vor allem der Kern (ein majestätischer Popsong) nachhaltig dafür sorgt, dass dieser Song im Gedächtnis bleibt. Manchmal ist es aber auch verflixterweise so, dass gerade die Nummern, die Perry simpel angelegt hat, am wenigsten Substanz besitzen. ( „The Day I First Found God“ oder „Toxic City“) Der futuristische Beat von „King Franco Picasso“ kriegt einen in Kombination mit dem Ballettschuh-Refrain aber garantiert immer wieder. Auch das sakrale, abschließende „Oyster“ zeugt von einem guten Gefühl für zündende Melodien und die nötige Dramaturgie, um das ganze ordentlich auszufüttern.

„Utopia Defeated“ ist ein Album mit gewaltigem Schauwert, es passiert sehr viel, Oliver Hugh Perry liebt es merklich, auch zunächst abwegige Komponenten miteinander zu kombinieren. Damit macht er natürlich ein ziemliches Fass auf, verhindert damit aber auch einen einfachen Zugang zu den Stücken. Hier hilft nur wiederholtes Hören. Dann merkt man aber auch mit ziemlicher Sicherheit, dass dem ganzen Karneval meist tief empfundene Kompositionen zu Grunde liegen, deren großes Herz man unter der dicken Schminke aber manchmal nur erahnen kann.

(7,5 / 10)

Info: www.facebook.com/dddumbo