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Malky: Where Is Piemont?

(Columbia/Sony) Für Leute, die unheimlich viel Musik hören, könnte das neue Album von dem Duo Malky aus Berlin ein Ort des Durchatmens sein. Keine modischen Trends oder Stile, eine Platte, welche die Errungenschaften der Vergangenheit feiert. Man kann den Handlungsraum grob mit den späten Sechzigern/frühen Siebzigern abstecken. Morricone-Instrumentierungen, Lee Hazelwood-Songwriting, so was halt.

Dabei ist „Where Is Piemont?“ eine absolute Sehnsuchts- und Illusionsangelgenheit. Nicht eigentlich Italien ist das Thema dieses Albums, sondern die Umsetzung der Vorstellungen, die ein Fremder von weit entfernten Orten hat. Es wird in der Regel eine wohlige Zufriedenheit zelebriert, die stellenweise in einen Flirt mit dem Kitsch übergeht. Wenn aus dem fast mittelalterlichen Beginn von „Theodore“ die spanischen Gitarren erwachsen und einem vollmundigen Mitsingrefrain den Weg ebnen, hat man das Gefühl, man halte eine Broschüre aus dem Reisebüro in der Hand.

Was Malky aber vor reiner Oberflächlichkeit bewahrt sind zwei Dinge: zum einen sind die Songs derart geschmackvoll und vor allem beseelt, dass man dem Duo diese Ferienrevue immer abnimmt, zum anderen brechen sie auch ab und zu den Wohlklang der Platte. So wäre „Painlover“ eigentlich die Kirsche auf dem fetten Sahnekuchen, wenn er sich nicht selber durch hektische Rhythmuswechsel sabotieren würde. Das wirkt, als hätte sich jemand in den perfekten Popsong eingehackt und würde jetzt ordentlich Chaos stiften. Auch der Song über die Flüchtlingsinsel Lampedusa wirkt befremdlich. Hier jedoch, weil Malky ihr musikalisches Verwöhnprogramm auch an dieser Stelle durchziehen, textlich wie musikalisch, „i believe in miracles/ miracles come true/ they always do“. Das wirkt genauso zynisch wie der wohlige Diskobeat und die Feierabend-Gitarre und wird dadurch erst künstlerisch hochwertig.

Besonders gut gelungen sind auch die beiden Duette „Told I Must Die“ und „Islands“. Der sinnliche Vortrag von Ibadet Ramadani in ersterem wirkt wie ein mit Sonne aufgeladener Gegenpol zum nüchternen Gesangspart von Daniel Stoyanov, die erotische Spannung legt sich wie ein lila Schleier über diesen Song. Herzstück der Platte ist aber „Play“, eine funky Soulnummer mit Bongo-Unterfütterung, wie sie auch ein Stevie Wonder zu seinen Hochzeiten nicht besser hinbekommen hätte. Dieser Song steht exemplarisch für das ganze Album, die Freude am harmonischen Wohlklang, am beseelten Zusammenspiel der Musiker, immer mit einem Lächeln auf den Lippen, den weit entfernten Sehnsuchtsorten dieser Welt gewidmet.

7.0 Stars (7,0 / 10)

Info: www.facebook.com/malkyofficial