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Marching Church: Telling It Like It Is

(Sacred Bones/Cargo) Elias Bender Rønnenfeld hat nun also auch aus seinem Nebenprojekt zu seiner Hauptband Iceage ein festes Kollektiv gemacht, manche sprechen schon von Marching Church als einer kleinen Super Group. Wer jetzt aber von diesem Umstand darauf schließen würde, das neue Album „Telling It Like It Is“ würde sich durch einen geschlossenen Band-Sound auszeichnen, sieht sich getäuscht. Dieses Album wirkt zerrissen, collagenhaft und insgesamt wie der kräftezehrende Egotrip eines selbstreferentiellen Hipsters.

Die Songs auf „Telling It Like It Is“ kokettieren durchaus gerne mit einem gewissen Schönklang, Bläser, Streicher, ein zärtelndes Klavier, alles da, doch das lyrische Ich von Rønnenfeld torpediert mit einem ausgezehrten, gequälten Gesang alle Bemühungen, einen wohlgeformten Song zu erzeugen. Und gerade daraus entsteht die Faszination dieser Platte. Wenn „Up For Days“ nach elegant-entspanntem Beginn in einen hedonistischen Post-Punk-Refrain mündet, glechzeitig erschöpft und aufgekratzt, fühlt man sich als Hörer fast schon unangenehm berührt, der Vollzeit-Poser im Hamsterrad. Ein immer wiederkehrendes Merkmal auf diesem Album ist, dass die Stücke kippen, oftmals auf einer Zeile oder einem musikalischen Motiv hängen bleiben und dieses dann auswalzen, ziehen und verzerren. So wandelt sich „Heart Of Life“ von poetisch zu obszön, von „carving through concrete with a butter knife“ zu „fist fucked by destiny“. In einer harmonieseeligen Parallelwelt wäre dieser Song ein zweites „Caravan Of Love“, doch hier hat sich ein Sprengstoffattentäter unter die Prozession geschmuggelt.

Es ist auffallend, wie wohlklingende Ansätze und etablierte Formeln in die Nervosität, fast in den Wahnsinn getrieben werden. „Florida Breeze“ wird zum enervierenden Walzer mit der eigenen Schlaflosigkeit, im Kontext von „Lion´s Den“ wirkt der Bass, den man normalerweise als fett bezeichnen würde, einfach nur überfressen und „Inner City Pigeon“ wirkt letztendlich wie das Verdauungsprodukt einer majestätischen Hymne. Rønnenfeld stöhnt, jault und wimmert, wie ein Insekt, welches durch die geschlossene Fensterscheibe nach draußen will, und wird immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen.

Der Aufruhr, den man durchaus häufig auf diesem Album hört und spürt, bleibt ein innerer, statt Aus- hat man es mit Einbrüchen zu tun. Man spürt die Frustration über ein ewiges um sich selbst Kreisen, ein Album, dass sich die Katharsis sehnlich herbeiwünscht aber immer weit von ihr entfernt bleibt.

(7 / 10)

Info: www.facebook.com/marchingchurch