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Hope Sandoval And The Warm Inventions: Until The Hunter

(Tendril Tales/ Rough Trade) Es dauert keine Minute in „Into The Trees“, dem Opener von „Until The Hunter“, und man weiß bereits: ja, alles klar, Hope Sandoval ist und bleibt die Hohepriesterin der Trägheit. Runde, warme Percussions begleiten eine orientierungslose Orgel durch einen Unterwasser-Wald, Sandoval säuselt ein „We miss you“, und man möchte sich erst einmal hinlegen, um diese Musik zu genießen. Hope Sandoval beherrscht wieder mal den Zaubertrick gleichzeitig entfernt und nah zu sein, vertraut und geheimnisvoll, als hänge ein samtener Vorhang zwischen Vortragenden und Hörer. Das Besondere dabei ist, wie genussvoll die Songstrukturen ausgekostet werden. Andere Künstler würden aus dem Basismaterial dieser Platte kurze, stimmungsvolle Interludes zum runterkommen machen, Sandoval und ihr Partner Colm O´Closog gehen aber die volle Distanz.

Gutes Beispiel dafür ist auch „Let Me Get There“, das Duett mit Kurt Vile. Dieser siebeneinhalbminütige Spaziergang durch sonnendurchflutete Felder wird genossen, bis Vile vor lauter Seeligkeit nur noch jauchzen und maunzen kann. Die Gitarre tröpfelt eine narkotisierende Dosis Honig zwischen den alles bestimmenden Groove. Auch hier hätte daraus ein kleiner Popsong werden können aber Sandoval hat absolut keine Eile, etwas zu Ende zu bringen.

Manchmal, so bei „Salt Of The Sea“, fragt man sich allerdings, ob diese vollmundige Lethargie immer von einer wohligen Entspannung herrührt. Man meint mitunter, dass die Trägheit einer großen Erschöpfung folgt, Sandoval als ermattete Kämpferin, die einfach nicht mehr zu einer Energieleistung in der Lage ist. Und so scheint der Vortrag in „A Wonderful Seed“ gleichzeitig von einem jungen Mädchen und einer Greisin zu stammen. Die Geschichten erscheinen alt und aus einer längst vergangenen Zeit zu kommen.

Das Kernwort dieses Albums ist und bleibt aber Sanftheit. Die Gitarre spielt zutraulich und unbeirrt ihr zärtliches Lied, das Schlagzeug ist eigentlich ein Streichelzeug und nirgendwo erhebt sich eine Zudringlichkeit, alles hat reichlich Platz sich zu entfalten und ein stimmiges, unaufgeregtes Panoramagemälde zu kreieren. Natürlich kann man Sandoval vorwerfen, dass sie, ob mit Mazzy Star oder den Warm Inventions, immer wieder das gleiche Album macht, manche werden diese Art von Musik auch unsäglich langweilig finden. Aber das geht am Kern, an der Intention dieser Kunst vorbei. Hier wird eine Tür aufgemacht: weg von den aufmerksamkeitsheischenden Radiokultur, bei der alles in drei Minuten passiert sein muss, hin zu einer Musik, die schwebt, die sanft berührt und dafür noch nicht einmal Refrains oder ähnliches braucht. Auf „Until The Hunter“ passiert nicht allzu viel, es geht nicht um Handlung, sondern um Zustände, Musik, mit der man sich zudecken mag.

(8 / 10)

Info: www.hopesandoval.com