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Austra – Future Politics

(Domino/ GoodToGo) Utopie schlägt Dystopie, Zuversicht schlägt Zynismus. So hält es Katie Stelmanis, Frontfrau von Austra, auf dem neuen Album „Future Politics“. Lieber kräftig zupacken, als in sich gekehrt zu hadern. Diesem Credo passt sich der Sound dann durchaus an. Es sind klare Melodien, eher einfache Rhythmen, die aus den Boxen tönen. Austra setzen auf eine einprägsame Sprache, auf mitreißende Klänge. Die Frage ist dabei, ob sie damit die Hörer bekommen, ist es catchy genug?

Für den Titeltrack lässt sich das mit ja beantworten, ohne Abstriche. Das Stück hat einen pumpenden Stampfrefrain, nistet sich in den Hörgängen ein und wird sich von dort lange nicht vertreiben lassen, und dann diese unschlagbare Hookline: „I´m never coming back here/ there´s only one way/ future politics“. Ganz so vollmundig offensiv gestalten sich die anderen Tracks nicht, doch das Eingängige bleibt Waffe der Wahl. Stelmanis will, dass man von der Sklaverei der Arbeit zur Erfüllung der Kreativität wechselt und sieht dies als einzige Chance, dem Untergang von der Schippe zu springen. Das lässig entspannte „Utopia“ zeigt auf, wie das zu bewerkstelligen ist, mit Leichtigkeit und Schwung aber ohne kraftzehrende Überanstrengung. Das Stück ist zwar durch und durch vital, es gefällt sich aber in der sanften Berührung. Der Refrain ist natürlich trotzdem im hohen Maße eingängig, wie eigentlich alles auf „Future Politics“. Ein verwunschenes Highlight des Albums ist sicherlich „I Love You More Then You Love Yourself“, dessen sirenenhafte Strophe fast schon sakrale Züge annimmt, eine Messe für den emotionalen Fortschritt der Menschheit. Eine Stärke dieses Songs ist die Gleichzeitigkeit von klarer Melodie und verwunschener Gestik.

Dieser Spagat gelingt Austra nicht immer, manches wirkt für so eine vorwärts gewandte Platte erstaunlich blutarm, gerade auf den hinteren Rängen von „Future Politics“. Dies scheint der Absicht geschuldet zu sein, ein wenig Subtilität ins Geschehen einzuflechten, Austra haben sich wohl nicht getraut, ein ganzes Album nur mit offensiven Dancefloor-Hymnen zu veröffentlichen. Das Problem dabei ist jedoch, dass Stücke wie „Beyond A Mortal“ dann eher seicht daher kommen, ein paar nette Klangspielereien hier, ein paar knisternde Beats dort, es fehlt aber am Wiedererkennungswert. Man hätte sich gewünscht, Austra hätten ihren mitreißenden Bildersturm komplett durchgezogen, Hymne an Hymne getackert und einfach der Tanzeuphorie freie Bahn gelassen. So kommt „Future Politics“ ein wenig unentschlossen daher, ein wenig halbgar. Dabei sollten Utopien ja bekanntlich voller Überzeugungskraft sein.

 

6.5 Stars (6,5 / 10)

 

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