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Cloud Nothings : Life Without Sound

(Wichita/ [PIAS] Cooperative/ Rough Trade) Es wird dem geneigten Hörer eventuell schwer fallen, sich in „Life Without Sound“ hinein zu finden. Nicht, weil dieses Album von Cloud Nothings über Gebühr experimentell oder kompliziert wäre. Im Gegenteil, es ist sehr direkt und offen. Der Punkt ist nur der, dass diese Platte völlig außerhalb der zeitgenössischen Vorlieben der breiten Indie-Musikmasse operiert. „Life Without Sound“ kommt aus einer Zeit, in der der Begriff Teenage Angst groß geschrieben wurde, so ungefähr Jahrtausendwende. Bands wie die Get up Kids oder Jimmy Eat World waren der Weisheit letzter Schluss und sorgten mit ihren nach vorne preschenden Gitarrenhymnen für höher schlagende Herzen und schwitzige Hände.

Ungefähr hier setzt dieses Album an. Die E-Gitarren stehen unter Starkstrom, es wird gejault und geröhrt, Zurückhaltung muss hier wirklich nicht sein. Dabei spielt immer wieder eine diffuse Unzufriedenheit mit sich selbst in die Stücke hinein, Sänger Dylan Baldi ist verunsichert und unzufrieden, mit sich selbst, mit seiner Umgebung und packt das in kompakte, energiegeladene Rocksongs. „Saw what I´ve done/ and what I´d be/ I wasn´t comfortable with me“ ist so eine Textstelle, die das gut zusammenfasst, es geht immer um ein gewissen Unbehagen, welches ohne Zynismus zur Sprache gebracht wird. Gerade dieser Mangel an Sarkasmus und Ironie wirkt heutzutage ein wenig befremdlich, da man es gewohnt ist, tausendfach um die Ecke gedachte Musik zu goutieren, die sich gerne distanziert gibt.

Anders bei den Cloud Nothings. Ein Song wie „Darkened Rings“ ist wahnsinnig unmittelbar, hält das Messer an die Kehle und überschlägt sich fast. Die anderen Stücke sind eher im Midtempo – Bereich angesiedelt, sprühen aber dennoch vor Kraft, man möchte fast das Wort Emo mal wieder hervorholen.

Zwei Dinge verhindern dann jedoch, dass man sich lediglich über einen gewissen Nostalgie-Faktor erfreut. Das ist zum einen der Umstand, dass die Songs generell sehr intelligent und abwechslungsreich komponiert sind, darüber hinaus einfach auch tolle Melodien aufweisen. Zum anderen vergessen Cloud Nothings nicht, zum Schluss ihr Album ein wenig mit solidem Dreck zu beschmeißen. Gerade „Strange Year“ und „Realize My Fate“ fransen herrlich aus, sind ein schmutziges Statement wider einer gepflegten Zutraulichkeit. Dies kontrastiert mit den vorhergegangene Stücken wunderbar, so dass diese Platte dann doch recht vielfältig daherkommt. Vielleicht ist dann auch das größte Lob, welches man „Life Without Sound“ machen kann, dass es auch in der Hochzeit dieser Musik viele Freunde und Anhänger gefunden hätte, da es zeitlos gut ist.

 

7.0 Stars (7,0 / 10)

 

www.facebook.com/cloudnothings/