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Julie Byrne: Not Even Happiness

(Basin Rock/ Indigo) Julie Byrne steht am Scheideweg zwischen gestern und heute. Früher, das war die Zeit der selbstgewählten Einsamkeit und der Oberflächlichkeit gegenüber anderen. Man lebte ein auf sich selbst bezogenes Leben. Byrnes Texte künden nun aber von einem Neubeginn: „I grew so acustomed to that kind of solitude/But I long for you now even when you just leave the room“.

Leider lässt sich aber sagen, dass die neue Verbindlichkeit in der Musik selbst, nachzuhören auf Byrnes viertem Album „Not Even Happiness“, noch nicht angekommen ist. Flüchtig hingehaucht, lässt Byrne überall ihre musikalischen Kleinigkeiten liegen, die aber nicht genug Charakter aufweisen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die Akustikgitarre ist der verlässliche Partner der Amerikanerin, ein zärtelndes Finger Picking ist eigentlich immer das Grundgerüst der Stücke auf diesem Album. Byrnes Stimme wirkt ebenso beiläufig. Im nüchternen Vortrag, der entfernte Assoziationen mit Nico und Suzanne Vega zulässt, werden unaufgeregt aber leider auch etwas unengagiert, die Whereabouts der Künstlerin deutlich. Ein Leben auf Wanderschaft, heute hier, morgen dort. Dabei wird aber leider zu wenig Wirkung erzeugt, man steht den simplen Songs ein wenig gleichgültig gegenüber.

Was dieses Album jedoch so manches Mal vor dem Sturz in die Belanglosigkeit bewahrt, sind die oftmals feinen, hauchzarten Gesangsmelodien, die in manch gelungenen Refrain münden. Beispiele dafür sind das eröffnende „Follow My Voice“ oder das von schüchternen Flöten getragene „Melting Grid“. Der bezeichnenderweise stärkste Song steht jedoch am Ende von „Not Even Happiness“. „I Live Now As A Singer“ hinterlässt tatsächlich einen markanten Fußabdruck, hat eine dunkle Rotweinschwere und ist das einzige Stück, welches mit Nachdruck agiert. Dies liegt unter anderem daran, dass hier die federleichte Gitarre durch vollmundige Keyboardklänge ersetzt wird. Der Schlüssel zu einem nachhaltiger wirkenden Eindruck wäre vielleicht eine größere Abwechslung bei der Instrumentierung gewesen. Der Schlusssong zeigt letztendlich auf, dass diesem Album auch durchaus dunklere Farben gut zu Gesicht gestanden hätten. So bleibt „Not Even Happiness“ eine beiläufige Kleinigkeit, die manchmal den Eindruck eines Schnellschusses vermittelt.

(5,5 / 10)

Info: www.juliemariebyrne.com