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Yalta Club: Hybris

(Radicalis/ Soulfood) Es steht also ein neues Album von Yalta Club an, da packt man pflichtschuldig die kurze Hose und das luftige Hemd in den Koffer. Schließlich war das Debüt eine ausgelassene, sonnige Indie-Platte, die eine fast schon alberne Leichtigkeit ausströmte. Und auch der Opener von „Hybris“ scheint in diese Richtung zu gehen, stellt er doch eine polyrhythmische Karibikkreuzfahrt dar. Doch der Pool-Boy vom Sonnendeck steckt einem beiläufig, dass dieser Song eine Reaktion auf das Attentat auf Charlie Hebdo ist, da ist die Stimmung erst mal gedämpft, obwohl das Stück alles dafür tut, um gute Laune zu verbreiten, ja schon fast trotzig fragt, „why can´t we just love each other?“

Wenn das nur so einfach wäre und das scheint die deutsch- französische Band auch selbst zu spüren. Denn in den Sound von Yalta Club haben sich Nachdenklichkeit und Zweifel eingeschrieben. Das merkt man, von den Texten abgesehen, auch an traurigen Bläsern und dunkel eingefärbten Klavierpassagen. Das vielseitige „Of Mice And Gods“ startet zwar martialisch mit Stammesgesängen, kann aber trotz glasklarem Refrain eine gewisse Verunsicherung nicht verhehlen. „Late“ tritt dann folglich auch mit gedrosseltem Tempo und zögerndem Gestus auf, es ist nicht mehr so einfach, Zuversicht und Ausgelassenheit vorzutragen. Darauf ganz verzichten wollen Yalta Club aber auch nicht. Es gibt noch die luftigen Tanznummern, wie das lässige „Stars“, wo dann auch ganz programmatisch der positive Weg aufgezeigt wird: „we are another way to the stars“. Es bleibt jedoch ein Fakt, dass die gelösten Nummern, „New Day“ wäre hier noch zu nennen, in unmittelbarer Nachbarschaft zu dunkleren Tönen stehen.

Der Refrain von „The Door“, in eisigen Nebel gehüllt, ist zwar energetisch, wirkt aber fast schon panisch. Und wo wir gerade bei Türen sind: über dieser architektonischen Objekte lässt sich gut der Unterschied zwischen den beiden Yalta Club- Alben erklären. Auf dem Debüt waren Türen etwas, durch das man durch geschritten ist, diese waren also etwas Verbindendes. Jetzt ist die Tür zu, wirkt mitunter trennend und man hat Angst, was sich hinter der Schwelle alles abspielen könnte, „something wrong is going on behind the door“. Auch das eigentlich federleichte „Holy Kind“ scheint in einer körperlosen Melancholie zu schweben, hält den Blick schüchtern nach unten gerichtet und wieder diese Türmetapher: „I wonder who´s behind my door/ I won´t go“.

Den Höhepunkt der neuen Nachdenklichkeit stellt „Exile“ dar. Den größten Teil seiner gut sechs Minuten windet es sich verwundbar dahin, träge Gitarrenakkorde und ein stumpfes Glockenspiel sind das Geleit. Aber wie bereits erwähnt, Yalta Club wollen auf ein gewisses Maß an Zuversicht nicht verzichten. Diese äußert sich durch einen lebhaften Hochglanz-Beat, der das Stück in einem Funkenregen nach Hause bringt. Die Mischung aus Melancholie und Tatendrang ist nicht nur an dieser Stelle gelungen. Das ganze Album lebt von diesem Kontrast, Yalta Club haben den Schritt von einer Unterhaltungsband zu ernstzunehmenden Künstlern gewagt und geschafft. Dazu noch die überaus schmackhaften Zutaten aus der Weltmusik und wir haben es mit einem vielschichtigem aber unheimlich einprägsamen Album zu tun.

 

7.5 Stars (7,5 / 10)

 

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