News

The Dears: Times Infinity Volume One

( Dangerbird/ The Orchard) The Dears aus Montreal waren stets eine Band der zweiten Reihe. Ganz vorne im Indie-Rampenlicht standen andere. Doch auch von den Hinterbänken aus ließ es sich vortrefflich musizieren. Der melodische Schöngeist paarte sich mit einer selbstbewussten Kauzigkeit und einer Vorliebe fürs Epische, so dass die Band um Murray Lightburn über viele Jahre hinweg die Herzen der Eingeweihten höher schlagen ließ. Das letzte mal ist inzwischen jedoch schon sechs Jahre her, man hat die Kanadier fast ein wenig vergessen.

Doch der Auftakt „We Lost Everything“ lässt schnell die alten Gefühle wieder aufleben. Ein energischer Rhythmus, die Lead Gitarre wirft ein paar Funk-Splitter auf den dunklen Boden, alles wirkt vertraut windschief und dennoch irgendwie…groß. Diese Band ist nach wie vor für die ausladenden Gesten zu haben, ohne einen platten Pathos zu bedienen. Denkt man übrigens auch beim zweiten Song „I Used To Pray For The Heavens To Fall“. Amtlicher, mächtiger Rock paart sich mit jazzigem Rhythmusspiel, man orientiert sich nicht so leicht in solchen Songs aber gerade das ist der Mehrwert.

Doch unerklärlicher weise lassen The Dears in der Folge den Faden abreißen. Statt gewagter Songkonstruktionen setzt es Seichtes. „To Hold And To Have“ ist wie das Betreten eines Biedermeier-Zimmers. Man weiß die Behaglichkeit durchaus zu schätzen( elegante Streicher, ein freundlich dahin gleitender Rhythmus), doch gibt es nichts, worauf der Blick lange ruhen würde oder einen Gegenstand, der die Aufmerksamkeit fesselt. Im Gegenteil, im Raum steht eine bornierte Muffigkeit von ungezählten Musikjahrzehnten. Auch das Duett mit Bandkollegin Natalia Yanchak („You Can´t Get Born Again“) erschöpft sich in lauwarmem Geschwelge inklusive schüchterner Keyboards und gesanglichem Sicherheitsabstand. Kurz und gut, nach spannendem Start wird es erst einmal langweilig.

Und auch die zwei folgenden Stücke „Here´s To Death Of All Romance“ und „Someday This All Will Be Yours“ kommen aus der Gleichgültigkeitsfalle nicht so recht raus. Ersteres ist eine konturlose Gewitterwolke mit wuchtiger Gitarre und Schlagzeug aber ohne Innenleben. Das Zweitgenannte gefällt sich dann lediglich in frühlingshafter Lässigkeit ohne nennenswerte Pointe. Erst die abschließenden drei Stücke sorgen letztlich für einen versöhnlichen Ausklang. „Face Of Horrors“ schafft es, Halloween und Valentinstag auf dasselbe Datum zu legen, auf Grusel-Orgel folgt seliges Streicher-Säuseln, schräg und gut. Hell Hath Frozen In Your Eyes“ verwirklicht in der Folge das, was bei einigen vorherigen Songs nicht so recht gelingen wollte: mit sparsamen Mitteln eine tragfähige Identität zu erzeugen. Die Gitarre und die Orgel sind in das Abendrot einer Wüstenlandschaft getaucht und Murray Lightburn ist gefangen in einer sakralen Meditation, von der der Protagonist erlöst zu werden hofft. In „Onward And Downward“ setzt abschließend das soulige Saxophon wenige aber wirkungsvolle Akzente und der tändelnde Gesang von Yanchak bildet einen ungezwungenen Endpunkt für dieses Album. Dessen stärkste Momente liegen ganz klar an Beginn und Ende, der Mittelteil dagegen kündet von einem Mangel an wirksamen Ideen, die den Gesamteindruck leider deutlich nach unten ziehen.

 

5.5 Stars (5,5 / 10)

 

/www.facebook.com/TheDears/