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The Sadies: Northern Passages

(Dine Alone/ Yep Roc/ H´Art) The Sadies aus Kanada kann man als eine der heiligen Kühe des Alt. Country bezeichnen. Zwanzig Jahre lang hat diese Band jede Kaschemme bespielt, die Veröffentlichungen zeichneten sich immer durch hohe Qualität aus und die Liste der Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern ist auch ellenlang, ganz oben prangt da der Name Neil Young. Diesmal haben sie Kurt Vile für die Lead Vocals eines Songs gewinnen können. Das Stück heißt „It´s Easy( Like Walking)“ und hört sich so an, wie es der Titel verspricht: locker, leicht aus der Hüfte geschossen, betont unangestrengt. Gegen Slacker hätten wir ja auch niemals was einzuwenden( wir sind ja selber faul), doch kommt man nicht umhin, dem Stück eine gewisse Einfallslosigkeit anzulasten.

Dies ist ein Problem, welches sich leider ein wenig zum Leitmotiv dieses Albums aufschwingt. Alles wirkt fein gediegen, gemütlich werden die Trademarks( Pedal Steel Guitar und Fiddle) in Position gebracht und es folgt ein genüssliches dahin-gleiten unter der strahlenden Sonne der Prärie. Leider haben die Sadies nicht genug Ideen mit eingepackt, so dass vieles ins belanglos Leere abdriftet. Durchaus schön ist der goldene Americana-Schmelz mit vernebeltem Harmoniegesang in „Riverview Fog“, doch mehr als der besungene „foggy haze“ wird nicht erzeugt. Einige der Songs auf „Northern Passages“ beinhalten große Leerstellen, an die man ein Post-It kleben könnte, mit der Aufschrift: bitte mit Kreativität auffüllen. „The Elemental Song“ ist dafür so ein Beispiel: offensichtlich als Herzstück der Platte angelegt, besteht er fünf Minuten lang aus nicht mehr als gefälligem Schlendern und Schwelgen. Bei „God Bless The Infidels“ weiß man dann schon gar nicht mehr, ob es the Sadies mit dem Stück ernst meinen oder ob es sich nur um eine recht lieblose Parodie auf einen Country-Schunkler handelt.

Besser machen es die Kanadier mit „Another Season Again“ und „There Are No Words“: diese Stücke erklären uns, woher der Schweißrand im Holzfällerhemd der Sadies kommt, sind energetisch und haben viel Schmutz unter den Nägeln, es rumpelt und es scheppert gehörig. Hier verlassen die Sadies ihren Americana-Goldstandard und wühlen ordentlich in der Pampe, so geht das, der Schaukelstuhl fällt hinten über. Auf andere Art ist auch As Above, So Below“ wunderbar gelungen. Hier überzeugt die traurige Note in einem eigentlich schwungvollen Song, endlich spürt man mal etwas Ambivalenz durchscheinen, ein Song der nicht einfach ja oder nein sagt, sondern ein wenig hadert.

Solche Uneindeutigkeit hätte der Platte gut getan, stattdessen machen die Stücke klare Aussagen, sowohl inhaltlich als auch musikalisch. Das Resultat ist viel zu häufig gepflegte Langeweile. Dass „Questions I´ve Never Asked“ zum Schluss noch ein bisschen Schmutz ins Country-Strebergesicht gerieben wird, ist für sich gesehen ganz schön, es hätte nur mehr solcher Kratzigkeiten bedurft. Das abschließende „The Noise Museum“ ist aber lediglich ein altbekannter Ritt in den Sonnenuntergang, Hand in Hand mit dem Klischee, bezeichnend für das gesamte Album.

 

5.0 Stars (5,0 / 10)

 

http://www.yeproc.com/artists/the-sadies/