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TIM DARCY: Saturday Night

(Jagjaguwar/ Cargo) Was machst du am Wochenende?“ „Weiß nicht, wahrscheinlich wieder an meinem Solo-Album arbeiten.“ Als hätte Tim Darcy unter der Woche nicht schon genug Musik um die Ohren gehabt, da schraubte er nämlich am zweiten Studioalbum seiner Band Ought. Das war ihm aber nicht genug, statt Party und Saufen Überstunden im Tonstudio. Nach penetrantem Arbeitsethos hört sich „Saturday Night“ aber irgendwie nicht an. Darcy gibt den windzerzausten Slacker, das eröffnende „Tall Glass Of Water“ stolpert und poltert ins Bild, bricht nach einer Minute erst mal ab um mit neuem Anlauf noch mehr ungekämmte Nonchalance zu verbreiten. Die Assoziationen fangen da direkt kräftig an zu kreiseln, Pavement trifft The Velvet Underground oder so. Auch der nächste Song ist quasi zweigeteilt „Joan Pt 1,2“ schwebt auf einer gar nicht so bunten psychedelischen Wolke, es herrschen eher helle Erdtöne vor, die Gitarre ist aber immer und auf jeden Fall ausgefranst. Dann geht es in den Keller, die Gitarre nimmt Schauspielunterricht bei David Lynch und wir gruseln uns ein wenig, bis der Hippiechor aus dem Laurel Canyon vorbeischaut, alles wieder gut.

Längst nicht alles auf „Saturday Night“ ist jedoch so leicht einzuordnen wie zum Beispiel das folgende „You Felt Comfort“: das rockt, stößt sich den dicken Onkel an beim wilden Rumgehopse und grinst trotzdem mit schmutzigem Schokoladenmund. Andere Stücke sind geradezu bizarr. Der Titeltrack stellt sich nämlich etwas ungelenk die Frage, was passiert, wenn man Roy Orbison mit einer Wagenladung Effektgeräte in den Schuppen im Hinterhof packt. Auch in „Still Waking Up“ erinnert Darcys Gesang an den Großmeister der Edelschnulzen, zart, lieblich und von Liebe träumend.

Den Faden eines straighten Liebes- oder sonstwie leicht verdaulichen Songs verliert Darcy dann aber mit Nachdruck. Was auf der zweiten Hälfte geschieht, ist musikalisches Erkunden von Gefühlszuständen, die nicht immer gesund erscheinen. „Found My Limit“ ist unentschlossen, verzagtes nach vorne Tasten in unbekanntem Terrain. Die Gitarre geht dabei stoisch ihre paar Töne ab, Darcy singt dazu wie durch eine brüchige Milchglaswand. Auch „Saint Germain“ hängt sich lieber an eine schraddelnde Gitarre, die jedoch nicht viel mehr macht, als achtlos Öl ins Feuer zu gießen, das lodert schön vor sich hin, mehr passiert aber auch nicht.

Diese Stücke sind jedoch auf ihre Art genauso wertvoll, wie die konkreteren Songs, da sie ein Gefühl der Klaustrophobie und des Unbehagens herauf beschwören. Am Ende steht dann passenderweise der Track „Beyond Me“, dessen Gitarrensaiten von einem Geigenbogen bearbeitet werden, man ist hier letztendlich bei einer reinen Klangcollage angekommen, es wird nicht mehr gesungen, die Klänge verwinden sich in den Ohrmuscheln, Ungewissheit und Staunen herrschen vor, das Klavier tupft noch einige Lebenszeichen, doch man ist bereits auf der anderen Seite des Zusammenbruchs angekommen, was für ein Wochenende!

7.0 Stars (7,0 / 10)

Info: www.timdarcy.com