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CLAP YOUR HANDS SAY YEAH: The Tourist

(Cyhsy, Inc/ Membran) Die entscheidende Frage stellt sich Alec Ounsworth von Clap Your Hands Say Yeah diesmal direkt im ersten Song: „and again I get up to be the tourist/or am I the pilot?“. Ist er nun derjenige, der die Zügel fest in der Hand hält, der das ganze Ding steuert oder lässt er sich eher passiv von fremden Eindrücken berauschen? Der Glücksfall für uns ist, dass beides zutrifft. Ounsworth gibt auf dem fünften Album seiner Band zwar klar den Kurs vor, steuert die Songs oftmals hin zu herzerweichenden Melodiefiguren, die lange nachhallen, doch manchmal scheint er selbst mit staunenden Augen durch die Stücke zu wandern, verblüfft, was da alles passiert. Schon die ersten Klänge sind exemplarisch: eine streunende Akustikgitarre wandelt durch eine unwahrscheinliche Zauberlandschaft, nichts wird zu streng forciert, die Musik entfaltet sich mit Unterstützung von ein wenig Keyboardflitter, man fühlt sich wohl man ist zu Hause und das obwohl im eröffnenden „The Pilot“ gar nicht so viel passiert.

Aber in Songs wie „A Chance To Cure“ stecken immer wieder kleine melodische Feinheiten, wie der zwischen Verzweiflung und Euphorie aufbrandende Refrain. Auf dem Wegesrand dorthin quietscht und qualmt es, der alte Schrägheitsfaktor dieser Band ist wieder unnachahmlich da, doch man übertreibt es nicht, letztendlich will man schöne Lieder singen. „Down(Is Where I Wanna Be)“ gibt sich zuerst windschief, der Bass wird verschmitzt gezupft, es geistern wieder schräge Keyboardklänge durchs Terrain, bevor das Schlagzeug ein wenig forciert, eine aschfahle E-Gitarre sorgt für dezenten Grusel und irgendwann ist man halt drin im zauberhaften Strudel, den dieses Stück erzeugt. Ounsworth gibt im Refrain seine eigene Background-Sirene und man ist verblüfft, wenn dieses Stück dann auch noch richtig los rockt.

CYHSY schaffen es hier, viele Zutaten einzumengen, ohne dass dadurch die klare Kontur des Songs verwässert würde. Wenn sich der reservierte Funk von „Fireproof“ langsam warm groovt, wächst die Begeisterung von Sekunde zu Sekunde, man wird von einer inneren Spannung ergriffen, die sich nirgendwo so recht Bahn schlagen kann, das ist fast schon sexuelles auf die Folter spannen. In „Loose Ends“ kommt es dann wieder, das Motiv von Pilot und Tourist, auf der einen Seite treibt Ounsworth mit seiner leiernden, quängeligen Stimme das Stück voran, doch andererseits ist er auch Passagier, lässt sich vom Stück durch die Landschaft treiben, federleicht, wie ein Kork auf dem Wasser tanzend. CYHSY sind damit erneut angekommen bei einer kompositorischen Selbstsicherheit, die zwar Platz für einige Schrägheiten lässt aber niemals den melodischen Kern aus den Augen verliert.

 

(8 / 10)

 

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