News

FIESTA MOROSE: Dancing Days

(Stargazer/ Broken Silence) Fiesta Morose, die neue Band von Andreas Olrog aus Schweden, ist sicherlich nicht die Kapelle, die mit stumpfsinnigen YOLO-Parolen um sich schmeißen würde, und das, obwohl die Endlichkeit auf ihrem Album „Dancing Days“ eine gewichtige Rolle spielt. Diese lauert immer dezent im Hintergrund, die Vitalität und Energie ist zumeist düster eingefärbt. Leben und Sterben bedingen einander auf diesem Album und das wird vor allem durch die musikalische Ausarbeitung deutlich.

Bereits der titelgebende Opener fasst diese Facetten zusammen: „you have found a place to die/ under the big old pine/ remember when we were kids/ we got high/ under the big old pine“. Die Musik dazu ist latent dunkel, trägt eine wehmütige Vergänglichkeit in sich, lässt aber auch zu, dass Licht einfällt, im Opener zum Besipiel durch ein konturierendes Glockenspiel, dessen helle Töne die um sich greifende Schwere etwas abmildern. Die Morbidität wird als etwas harmonisch Unumgängliches dargestellt, in „The Worst“ legt sich Olrogs Stimme schwer aber sanft auf eine extrem tief gestimmte Akustikgitarre, das Setting ist düster, ihm wird jedooch der Schrecken genommen.

Zweimal ringen sich Fiesta Morose sogar dazu durch, ihren schwermütigen Reigen zwecks ruppiger Auflockerung aufzubrechen. „Silver Lightning“ und „Belong“ sind scheppernde, energetische Rocksongs, die wie ein frischer Luftzug durch das Album wehen. Natürlich tragen auch diese Songs ein gehöriges Maß an Dunkelheit in sich aber hier legt diese sich nicht etwa bleiern hernieder, sondern wird wild durch den Raum geschupst. Es tut dieser Platte, die im Ganzen doch sehr durchkonstruiert wirkt, merklich gut, dass die Handbremse mal gelockert wird, dass der Staub mal wegepustet wird. Denn gewaltige Ausbrüche oder markante Kontraste sind eher Mangelware auf diesem in sich geschlossenen Werk. Hell und Dunkel gehen meist nahtlos ineinander über( was ja auch eine Leistung ist), es sind eher die Stimmungen als einzelne Momente, die in Erinnerung bleiben werden. So sind die an Eagle Seagull erinnernden Orgel-Intarsien von „Was Blue“ ganz große Austattungskunst und die pastellfarbenen Achtziger-Keyboards von „Break“ ein unerwarteter aber willkommener Stilbruch. Auch das finale „The Race“ kann mit seiner nosigen Schlussnote einen behutsam eingesetzten Akzent setzen.

„Dancing Days“ wirft sicherlich nicht mit Leuchtfeuern und Signallichtern um sich, die einzelnen Momente stehen hinter dem Gesamtbild zurück. Dies ist mitunter schade, da diese Platte das ein oder andere mal ruhig ein bisschen zugespitzter hätte formuliert sein können. Mancher großer Moment wird zwecks Homogenität auf halbem Weg wieder eingefangen, bevor er sich hätte richtig entfalten können. Dies schmälert aber zumindest nicht die eine große Leistung: Leben und Tod schweben um das große Zentrum Vergänglichkeit in absolut treffender Stimmigkeit. Es geht hier nicht um Polarisierung sondern um das Aufzeigen der Verknüpfungen und der gegenseitigen Bedingtheit der beiden Begriffe. YOLO light, wenn man mag.

 

6.5 Stars (6,5 / 10)

 

www.facebook.com/Fiesta-Morose-705580972864923/?fref=ts