News

HURRAY FOR THE RIFF RAFF: The Navigator

(ATO/ [PIAS] Cooperative/ Rough Trade) Lasst uns die Kritik zu diesem Album mit einer Zusammenfassung der Rahmenhandlung beginnen: ein junges Mädchen ist in ihrer Zeit unglücklich, trifft auf eine Hexe, die sie verzaubert und in einen fünfzigjährigen Schlaf schickt. Wieder aufgewacht, stellt das Mädchen fest, alles immer noch Scheiße. Doch für ihre zeitgenössischen Leidensgenossen wird das Mädchen zum Zentrum einer Bewegung, zum Navigator. Ob das jetzt besonders spannend ist, sei mal dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass die zugehörige Musik wunderbar gelungen ist und auch für sich selbst prächtig funktioniert. Zu verdanken haben wird das Ganze Alynda Segarra. Diese hat ein Album erschaffen, welches zwar sehr abwechslungsreich daherkommt, jedoch immer nachvollziehbar und natürlich wirkt. Nach einem eröffnenden Spiritual herrscht in den ersten Songs erst mal gediegener (Folk-) Rock vor, der herrlich harmonisch daherkommt.

InSongs wie „Living in the City“ und „Life To Save“ ist das Verblüffende, wie selbstverständlich die Refrains als folgerichtige Weiterführung aus den Strophen erwachsen, ohne Brüche, wie von alleine. Dabei hat Segarra ein Händchen für unaufgeregte, fast schon bescheidene Melodien, die dennoch in Herz und Beine fahren. „Hungry Ghost“ ist zum Besipiel ein Meister der zurückhaltenden Noblesse und brandet nur einmal wirkungsvoll auf, das reicht aber schon, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. „It´s getting lonely at the bottom of the bottle“ ist eine der Textzeilen, die die Isolation der Protagonisten auf diesem Album zusammenfast. Der Kampf gegen die Einsamkeit und Ungerechtigkeit wird in der Folge zum Hauptanliegen und gipfelt im kämpferischen „Pa´lante“, welches Segarras Gesang zum offenen Aufruhr führt, „do your best/ but fuck the rest/ be something“.

Es gibt jedoch auch viel Ruhiges auf dieser Platte, „Nothing´s Gonna Change That Girl“ ist luftiger Wald- und Wiesenfolk, lehnt sich zurück und führt sogar noch ein wenig afrikanische Rythmik ein. Besagter Rhythmus holt sich im weiteren Verlauf gerne auch Anregungen aus Lateinamerika (im Titelsong) oder aus der Karibik. Dadurch erhalten die Songs einen weltoffenen, variablen Anstrich. Mit einer majestätischen Bescheidenheit operiet „Fourteen Floors“, eine emotional aufgeladene aber tonal zurückhaltende Klaviernummer, die als Pointe afrikanische Freudengesänge ans Ende eines eigentlich traurigen Liedes stellt. Die Vermengung dieser Zutaten erzeugt Spannung und Interesse an einer Musik, die zwar das Fundament in Folk, Country und Rock stehen hat, dessen obere Geschosse aber von einer lässigen Weltmusik umweht werden. Ein schwieriges Unterfangen ist eine solche Musik, hier wird sie aber unheimlich unangestrengt vorgetragen.

 

7.5 Stars (7,5 / 10)

 

www.facebook.com/hurrayfortheriffraff