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LEIF VOLLEBEKK: Twin Solitude

(Secret City/ Rough Trade) Was muss das für ein begnadeter Zustand sein, wenn man sich seiner Sache absolut sicher ist, wenn man keine Aufregung schüren muss, nicht in Großbuchstaben sprechen. Leif Vollebekk ruht in seiner Musik, vertraut auf seine Stärke. Und diese ist: Atmosphäre bis ins kleinste Detail. Der Kanadier hat es nicht nötig, mit Extravaganz und Spektakel zu protzen. Seine Lieder sind einfach einfach, doch liegt eine große Liebe für die Feinheiten in ihnen.

So geht er die Verse in „All Night Sedans“ wagemutig und offensiv an, nur um seine Luft im weiteren Verlauf selbiger sanft auszuhauchen. Solche Kniffe erzeugen Spannung und davon gibt es hintergründig doch recht viel. Klar, „Twin Solitude“ lädt zum beiläufigen Hören ein, doch ein wenig Konzentration lohnt hier ziemlich. Der noble Swing von „Vancouver Time“ ist maximal betörend, die leicht heisere Stimme von Vollebekk wiegt den Hörer genussvoll hin und her und man folgt den geographischen Stationen von Vollebekks beziehungsreicher Reise wie in Trance. Das satt tönende Klavier in „Elegy“ paart sich wunderbar mit einem lässigen Schlagzeug-Shuffle, Vollebekk protegiert eine dezente Leidenschaft, die aber immer in gemäßigten Bahnen bleibt. Der Verzicht auf groß angelegte Erruptionen sorgt dafür, dass diese Musik zu etwas beiläufig Vertrautem wird und damit steht Vollebekk in der Tradition der großen Klassiker: Dylan, Cohen, Drake und Buckley. Da muss wie in „Big Sky Country“ gar nicht mal viel passieren, das Setting mit der urgemütlichen Orgel im Hintergrund bietet bereits genug Faszination und Berührungspunkte für das Publikum. Vollebekk kann es sich leisten, einfach laut zu sinnieren, seine Gedanken in die Weite zu schicken auf Wanderschaft.

Und obwohl es uns eigentlich ganz egal sein kann, ob der gute Mann schon mal in Michigan war, hören wir ihm dennoch zu, weil diese Stimme Vertrauen und Zutrauen bildet. „Twin Solitude“ ist nicht besonders aufregend, es feiert die Verlässlichkeit und eine Musik, die durch metrische Gleichförmigkeit und instrumentale Bescheidenheit bestimmt ist. Dieses Album wird sich niemandem aufdrängen, den Schritt zu dieser Platte hin muss die Hörerschaft selber machen.

 

(7 / 10)

 

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