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PISSED JEANS: Why Love Now

(Sub Pop/ Cargo) An so 1 life kann man echt verzweifeln: Der Chef prahlt vor den weiblichen Angestellten, dass sein Penis doppelt so lang und dick sei, wie eurer, die Freundin hat keine Lust auf Sexy Time( ihr eigentlich auch nicht aber ihr seid der Mann, ihr müsst!) und die Produkte aus dem Supermarkt sind nicht halb so lecker, wie man sie sich nach der aufwendigen Werbung im Fernsehen vorgestellt hat. Also Selbstmord?

Im Prinzip ja, doch sollte man sich vorher noch den Kopf mit dieser Musik blutig schlagen. Pissed Jeans sind da eine feste Bank, death´n´roll in Übergröße. Die Feststellung „I used to play punk/ now I´m just singin´the blues“ ist schon mal eine gute Verortung der musikalischen Absichten. Kein chic- schnoddriger Wohlfühl-Hoppelpogo mit Fritz-Cola, sondern eitrige Auswüchse, die weh tun und für die man auch kein Sternchen ins Szene-Buch gestempelt bekommt. Dies hier ist gemeingefährlicher Nahkampf, Pissed Jeans haben gehörig eine Scheibe locker und verzweifeln an den typischen Männerproblemen, machen sich dabei lächerlich, leiden deswegen aber um keinen Deut weniger. Das Schlagzeug ist auf Autopilot gestellt und bolzt stoisch, bis die Zähne locker sind, die Gitarren schneiden ins Fleisch, dabei hat die Band Spaß am Schmerz und der Bass röchelt der lumpigen Parade hilflos hinterher. Wenn „I´m A Man“ eine völlig überstuerte Bedienungsanleitung für die eigene Sekretärin liefert, werden die Leute, die mit diesem Stück eigentlich gemeint sind, laut aufschreien wegen der großzügig ausgelebten Frauenfeindlichkeit, die Feministinnen freuen sich jedoch über ein neues Lieblingslied, dass die Verkommenheit der Männer derart überspitzt darstellt, dass der Song ein perfektes Lehrbeispiel abgibt: „You ever been to the zoo/ and seen the apes?/ you ever seen the apes/ and thought: those hairy abominations/ that hairy one in the corner/ touching himself with his leather fingers/ that´s a man/ when you think about that/ you think of me“.

Das übelst krachende „Have You Ever Been Furniture“ malt sich aus, wie es sich so als Fußabtreter lebt und verwendet den Hörer als genau das. Verblüfft ist man mindestens, mit welcher Kompromisslosigkeit und Ausdauer Pissed Jeans ihre Instrumente vergewaltigen aber spätestens bei „The Bar Is Low“( ist gerade mal der zweite Song) denkt man sich: das ist ganz schön heiß, dead sexy.

 

7.5 Stars (7,5 / 10)

 

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