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REAL ESTATE: In Mind

(Domino/ GoodToGo) Wie leicht könnte man dieses Album von Real Estate überhören. Wie leicht könnte man den harmonieseligen Gitarrenpop des Quintetts aus Brooklyn als für zu leicht abtun. Und wirklich: die Songs auf „In Mind“ drängeln sich niemals in den Vordergrund, sind selbstgenügsam und unspektakulär. Es heißt zwar im eröffnenden „Darling“ „Inpatiently/ as I wait for you“, doch Ungeduld ist das Letzte, was man dem Album attestieren könnte. Die zurückgelehnten Gitarrenmelodien entfalten sich stoisch und entspannt, man wähnt sich auf einem Sonntagsspaziergang bei 20 Grad und nichts bedrückt nachhaltig die Stimmung. Man muss sich wirklich auf die Musik konzentrieren, um die Feinheiten herauszuhören.

So wird das jazzige Schlagzeug in „After The Moon“ zum Ende hin fast schon ein wenig aufdringlich, indem es ein und denselben Schlag markant wiederholt. Bei „Stained Glass“ imitieren die Gitarren ein keckes Cembalo, welches von dem milchigen Gesang zur Disziplin gerufen wird. Erst wenn man genau hinhört, werden einem auch die raffinierten Gesangsarrangements bewusst, die ohne große Brüche und Umwelzungen auskommen. Der Refrain entwickelt sich organisch aus der Strophe, alles rollt geschmeidig vor sich hin, sanfte Berührungen, zarte Variationen desselben Grundthemas. Im Mittelpunkt der Platte steht das ausufernde „Two Arrows“, gezuckert mit Byrds-Gitarren und generell zurückhaltrnd abgedämpft. Auch hier trifft das zu, was für das ganze Album gilt. Hört man das Stück nur so nebenbei, kommt schenll das Gefühl der Langeweile auf, taucht man jedoch intensiv ein, entfalten sich die kleinen, zauberhaften Details.

Zur Halbzeit des Songs wechselt zum Beispiel fast unmerklich der Rhythmus, was dem Stück einen noch größeren Langmut verleiht und den Song in eine selbstvergessene Meditation verwandelt, der man gerne folgen mag. Besonders fein auch, wie sich „Time“ als Reminiszenz an die Bossa Nova- Welle in den 60ern aufführt, man sieht förmlich Astrud Gilberto am Strand entlangwandeln. „In Mind“ ist somit eine Herausforderung an die eigene Konzentrationsfähigkeit. Alles auf diesem Album lädt dazu ein, die Musik an sich vorbei plätschern zu lassen. Doch mit einer gewissen Aufmerksamkeit ausgestattet, endeckt man viele reizende Kleinigkeiten am Wegesrand und entdeckt, dass Real Estate hier durchaus Songs mit Charakter abgeliefert haben.

6.5 Stars (6,5 / 10)

Info: www.facebook.com/realestateband