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BECCA STEVENS: Regina

(Ground Up/ Membran) In Zeiten des Musik-Streamings scheint sich die Laufzeit von Alben einer verkürzten Aufmerksamkeitspanne anzupassen, man kann alles hören, hat aber nicht mehr Zeit dafür als früher, da muss eine halbe Stunde inzwischen in der Regel ausreichen. Becca Stevens macht es ganz anders, 13 Songs, 62 Minuten. Sie nimmt sich Zeit für „Regina“ und fordert dies auch vom Hörer ein. Zumal die Dame nicht mit Pauken, Trompeten und Lautstärkerekorden um sich wirft. Das erste richtige Soloalbum von Stevens ist größtenteils eine zurückgenommene Angelegenheit, trotz vielfältiger Instrumentierung, ein gedämpfter Eklektizismus.

Grundiert werden die Stücke oftmals von folkigen Gitarren, weichgezeichneten Streichern und vielfältigen, behutsam gespielten Percussions. Da sind zum Beispiel die vorsichtig schleichenden Marching-Drums in „Venus“, die sich in einen mit Tusch eingeleiteten Refrain ergießen. Gerade diese Tempoverschiebungen verleihen den Songs immer wieder eine Vielseitigkeit, die für ambivalente Gefühle sorgen. Der Country and Western von „Lean On“ ist durchaus markant, die Akustikgitarre ist klar akzentuiert und auch der Rhythmus verliert sich immer wieder in einer gewissen Hektik, die aber zwischendurch von einer weitschweifenden Streicherumarmung gedämpft wird. In die Songs fließen gerne auch mal Versätze von Rhythym and Blues oder Pop ein, wobei wir schon bei den Guilty Pleasures von „Regina“ wären.

Abseits der distinguierten Songwriterin scheint Stevens im Geheimen auch von einer Karriere als banales Popsternchen zu träumen. Bei der Abrechnung mit dem Ex in „45 Buckes“ oder in der Freddie Mercury-Hommage „Mercury“ leuchtet ein kitschig-naiver Wunsch nach oberflächlicher Popseichtigkeit durch, die im ersten Moment peinlich berühren mag, ein schuldbewusster Teil im Inneren wird dennoch nicht ohne eine gehörige Portion Spaß mit dem Fuß wippen. Dies sind aber nur zwischenzeitliche Ausreißer aus einer eher ernsten Angelegenheit. Die Flamenco-Gitarren vom Titelsong ummanteln eine unstillbare Sehnsucht, die sich melodisch und rhythmisch auf vielschichtige Weise entlädt. Hierbei ist wieder die Fähigkeit Stevens zu bewundern, wie ohne großes Spektakel ein innerlicher Aufruhr gefühlsecht erfahrbar wird. Auch das vielstimmige „Queen Mab“ erzeugt Gänsehaut. Im fahlen Mondlicht hat man zunächst das Gefühl, einer geheimen Versammlung von Elfen beizuwohen, so fragil ist das Setting. Doch meldet sich dann ein voluminöser Beat zu Wort, elegische Streicher begleiten den beeindruckenden Marsch und schon ist aus der zerbrechlichen Zeremonie ein wirkungsvoller Groover geworden.

Besonders fein gelungen sind die verschiedenen Kollaborationen auf „Regina“. „Well Loved“ mit Laura Mvula leiht sich einen leichten Schwung aus der afrikanischen Weltmusik, gleitet zwischendurch bei Mvulas Part aber auch einfach und zufrieden dahin, ein stimmige Verknüpfung von Stimmungen und Melodien. David Crosby hält in „The Muse“ für sieben Minuten Becca Stevens Hand und man weiß nicht wirklich, ob man es mit einem vorsichtig hoffnungsvollen Stück oder mit einem Moritat für eine begrabene Liebe zu tun hat. Ganz eindeutig sieht die Sache bei „As“ aus, bei dem sich Stevens und Jacob Collier zu zögerlicher Akustikgitarre die unverbrüchliche Liebe füreinander versprechen. Dieses Stück wurde bekanntermaßen vielfach interpretiert, so auf das Wesentliche reduziert, ohne schmetternde Chöre und Orchesteropulenz, stößt man aber vielleicht erstmals auf den nackten Kern dieser Nummer. Becca Stevens hat gut daran getan, ihr Album weitläufig auszulegen, sie ermöglicht ihren Stücken damit, ein vielfältiges Leben zu führen, dessen Windungen und Stationen die geneigte Hörerin gerne folgen mag.

 

7.0 Stars (7,0 / 10)

 

http://groundupmusic.net/artists/beccastevens/