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FUTURE ISLANDS: The Far Field

(4AD/ Beggars/ Indigo) Rollen wir diesmal das Feld von hinten auf: im vorletzten Song von „The Far Field“ duettiert Future Islands-Frontmann Samuel Herring mit der unverwüstlichen Debbie Harry von Blondie. Dies ist für das fünfte Album der Band aus Baltimore zum einen bezeichnend, führt aber auch in die Irre. Mit Blondie gemein ist der Hang zum waveigen Synthiepop, der nicht viel mehr als einen soliden Grundrhythmus braucht. Dann trennen sich aber die Wege. Wo Debbie Harry in ihrer Hochphase für unterkühlte Erotik, das ironische Spiel mit der sexuellen Anzeihungskraft stand, geht Herring ohne doppelten Boden emotional in die Vollen. „The Far Field“ ist eine bedingungslose Liebeserklärung, glücklich der Adressat, dem diese Bekundungen gelten.

Pop ist gerne für den ersten Eindruck zu haben, die Oberfläche zählt, anders hier. Mit seiner kehligen, mitunter bärbeißigen Stimme stellt Herring schnell klar, dass dieses Album völlig ohne Ironie oder gar Zynismus auskommt. Die lieblichen Synthieklänge sollen hier kein gewitzter Kommentar einer alles checkenden Muckergruppe sein, nein, die Unschuld und Naivität ist völlig aufrichtig gemeint. Da kann man sich natürlich als Vielhörer schnell gelangweilt abwenden, wenn einen der emotionale Kugelhagel bei Songs wie „Alladin“ oder „Time On Her Side“ nicht mit heruntergelassener Hose erwischen würde.

Auch das gefühlvoll aufbrandende „Ran“ lässt keine andere Wahl, als die Faust in die Luft zu recken und sich mit der anderen Hand ans Herz zu fassen, große Gefühle, unverstellt, wer jetzt peinlich berührt zum Boden blickt, war noch nie verliebt. Future Islands sind aber auch clever. Sie drehen nach den drei himmelstürmenden Auftaktsongs ein wenig die Intensität runter. So kommt in „Beauty Of The Road“ ein wenig coole Lässigkeit rein und „Cave“ gibt sich sogar etwas düster.

Dies ist aber die Ausnahme auf „The Far Field“. Viel eher hoppeln Stücke wie „Day Glow Fire“ munter durch die bunten Tableaus, gestützt von Herrings engagiertem, gleichzeitig zärtlichem Gesang. Dadurch entstehen romantische Sehnsuchtsbilder, „we used to talk until the sun come up“.

Das Geheimnis dieser Band ist, dass sie zutraulich daherkommen aber niemals billig dabei wirken. Und die Liebe, ja die ist gefühlsecht, keine Diskussion deswegen, „freezing rain can´t keep me away from your door“.

7.0 Stars (7,0 / 10)

Info: www.facebook.com/FutureIslandsMusic