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HAPPYNESS: Write In

(Bar None/ Moshi Moshi/ [PIAS] Cooperative/ Rough Trade) Man war gerade noch mit den Gedanken bei seinem Brotjob im Büro, ärgerte sich über den Chef und verflucht zum Tagesabschluss vorsichtshalber mal das ganze System. Wie ein Rettungsanker kommt da diese Platte zum Feierabend vorbei. Arglos aufgelegt umgarnt „Write In“ den Hörer mit seinen zwar drängenden aber federleichten Gitarren. Der nebulöse Gesang von Jon Allan setzt ein, wie ein dringend benötigtes Narkotikum. „Falling Down“ als Auftakt ist das perfekte Entschleunigungsprogramm, das weiche Kopfkissen auf einem harten Alltagsbett.

Alles wirkt gedämpft, zart und auch irgendwie nicht so wichtig. Die Musik kümmert sich schon darum, du musst nix machen. Happyness bedienen sich bei ihrem Gitarrenpop der alten Vorbilder, die Beatles aus ihrer Spätphase grüßen immer mal wieder mit verdrogtem Hall. Dabei entstehen herrlich psychedelische Aquarelle wie „The Reel Starts Again“, das Klavier ist noch am verlässlichsten, gibt ein paar klar akzentuierte Tonfolgen von sich, die Gitarre maunzt leicht verzerrt und, ach, da ist wieder dieser jenseitige, entspannte Gesang, der sich selber an den entscheidenden Stellen ausdünnt. Selbstverständlich sind die Gesangsmelodien immer herzallerliebst, stehen verwackelt im Zwielicht, leichter Nebel auf den Stimmbändern.

Da überraschen die knarzig-noisigen Gitarren von „Anytime“ schon ein bisschen aber sie werden konsequenterweise auch hier wieder vom beiläufig hingehauchten Gesang eingefangen. Stark ist übrigens, wie Happyness ihre Gitarren einsetzen. Diese agieren als bescheidene Hauptakteure in der Führung und Akzentuierung der Kompositionen, sind der verspielt-verlässliche Leitfaden für die Stücke. Mal jaulen sie störrisch auf, wie in „Bigger Heart Less Full“, mal weisen sie einen unüberhörbaren Country und Western- Einschlag auf( „Uptrend/ Style Raids“).

Allgegenwärtig bei den zehn Stücken ist eine melancholische Leichtigkeit, die verlässlich um sich greift, den Songs ein wenig die Kanten abschleift, ohne dass das Material der Londoner dadurch an Charakter einbüßen würde. Ein Song wie „Victor Lazarro`s Heart“ ist eigentlich ein einziges Tändeln und Schwelgen, doch besitzt die wunderbar ausgebreitete Gesangsmelodie soviel wohligen Zauber, dass man dem Lied blind folgt, wo immer es sich auch hinbewegen mag. „Write In“ ist ein harmonieseliges, abgerundetes Werk, welches geschlossen daherkommt, jedoch auch so manches Mal mit herausstechenden Ingredenzien aufwartet. So kann eine Gitarre sehr wohl laut aufbegehren oder eine Hammond-Orgel den Sonnenuntergang in tiefen Farbtönen nachzeichnen. Was dann dabei herauskommt, ist eine in sich selbst tief verankerte Platte, deren Leichtigkeit betört, deren nachdenklicher Gestus aber dafür sorgt, dass man „Write In“ nicht als unbedeutend abtut.

7.5 Stars (7,5 / 10)

Info: www.bar-none.com/happyness