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SOULWAX: From DeeWee

(PIAS/ Rough Trade) Als Soulwax 2004 ihr letztes reguläres Album rausbrachten, handelte es sich um einen undefinierbaren Hybrid aus Rockband und elektronischem Studiprojekt, man wusste nicht ob man die Stücke unter Song oder Track abbuchen sollte. Dreizehn Jahre später herrscht nun Klarheit in dieser Frage. „From Deewee“ hat nichts mehr von dem Erzeugnis einer Rockband, ist ganz klar eine studioverwurzelte Danceplatte. Die Dewaele-Brüder aus Belgien schaffen damit übrigens ein Kuriosum: ein Hitalbum ganz ohne Refrains oder catchy Hooklines.

Vielmehr steht die Kombination von organischen und digital erzeugten Drums im Mittelpunkt, wobei nie zu viel auf einmal gemacht wird, die einzelnen Elemente, auch der Gesang und die Synthiemelodien, bleiben klar umrissen und für sich immer identifizierbar. So entsteht eine tendenziel minmalistische Platte, bei der man nicht weiß, ob man die Tanzfläche stürmen soll, oder das Album via Kopfhörer tief in sich einsaugen möchte.

Wenn in „Materplanned“ lässige Marching Drums in die stoische Club-Coolness reinfunken, ist von Beginn an klar, wo die Reise hingehen wird. Dabei werden solch kleine Elemente wie die Handclaps nicht mit dem dominierenden lazy Rhythym vermischt, sondern nebeneinandergestellt. Das Resultat ist derart betörend, entfaltet unverzüglich eine solche Sogwirkung, dass man erst 45 Minuten später wieder auftaucht. Die Kombination von wildem Punk-Beat und spartanischen Claps in „Missing Wires“ mag zwar ungewöhnlich sein, ist auf der anderen Seite aber auch irgendwie selbstverständlich und zwingend. Der folgende, federnde Dance-Beat sorgt dann bereits früh in diesem Album für einen erlösenden Dance-Moment, dem noch viele folgen werden, so dass man sich an die Anweisung „no one moves around“ aus „It´s Always Binary“ nicht halten will und kann. Wie auch, wenn „Do You Want To Get Into Trouble?“ mit einem derartigen Mörderbass und einer unheimlich grundsätzlichen Schlagzeugfigur aufwartet, die die basalsten Tanzinstinkte im Hörer anzapft. Das schreit schon nach Ekstase, dazu auch noch diese genialen Orient-Synthieflächen, grandios.

Das Faszinierende dabei ist, wie selbstverständlich die Tracks wirken, alles folgt einer zwingenden Logik, als könnten die Stücke gar nicht ander aufgebaut sein. Den Wahlspruch für diese Platte liefern Soulwax dann auch gleich selbst, im Kernstück der Platte, „Transient Program For Drums And Machinery“: „It seems whatever the question is/ machinery is the answer“. Akkurat und verlässlich, wie von einer Machine produziert, erscheinen die Tracks und trotzdem ist da Leben, ist da Verzückung und Ekstase, in die der Hörer von den minimalistischen Rhythmen und Meloden getrieben wird. Schönheit, wie die von industriell gefertigten Kunstobjekten, die Verschmelzung von menchlischem Genius und machineller Präzision, die Zukunft hat begonnen.

8.0 Stars (8,0 / 10)

Info: www.facebook.com/soulwax