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SAN FERMIN: Belong

(Downtown/ Universal) Wenn Mann und Frau den Gesang bei einer Band unter sich aufteilen, kann das den netten Effekt einer gesteigerten Varianz im Ausdruck mit sich bringen, im Fall von „Belong“, dem dritten Album San Fermins, führt dies jedoch auch dazu, dass man die Stücke qualitativ recht simpel einordnen kann. Sehr gelungen sind die Duette, Allen Tate und Charlene Kaye ergänzen sich aufs Feinste. Richtig großartig sind auch die Stücke, die Tate gesanglich zum großen Teil alleine schultert. Dies liegt daran, dass Tates Songs sich vor allem darum kümmern, eine zwielichtige Stimmung zu kreieren und auch mal bewusst Lücken und Brüche zulassen.

So geschehen in „Oceania“, welches den Gesang vor die Wand rotierender Beats fahren lässt, ohne eine echte Verknüpfung herzustellen. Dies lässt den Track als Work in Progress erscheinen, eine alles umfassende Homogenität bleibt aus. Fantastisch gelungen sind auch das organische Schlagzeug und die satten Bläser in „Better Company“, welche in Kombination einen gewaltig mächtigen finalen Akt in diesem Stück erzeugen. „Cairo“ geht ebenso den Weg händisch erzeugter Klänge, Gitarre und Klavier verleihen dem Stück eher einen rockistischen Anstrich, der unheimlich flüssige Refrain wird obendrein vom Doppelgesang von Tate und Kaye auf ein ziemlich hohes Intensitätslevel gehoben, irrlichternde Bläser runden dieses starke Statement zusätzlich ab. Auch das Titelstück punktet mit knisternder Atmosphäre und zärtlicher Zweisamkeit im Gesang. Es fällt auf, dass San Fermin in solchen Momenten den Gedanken an den großen Hit hinten anstellen, um eine beseeltes Setting hinzubekommen.

Bei den Stücken, die Charlene Kaye singt, ist dies leider nicht so. Diese scheinen als geschmackvolles Radiofutter angelegt zu sein. Das eröffnende „Open“ bietet zwar durchaus nette Spielereien mit verschiedenen Klang-Patterns, hat aber einen typischen Aufbau der Dramatik, wie man ihn in zahlosen Songs im gehobenen Pop-Milieu findet. Erst schwelgerisch langsam, dann kommen die Beats hinzu, gerne auch ein wenig vertrackt und schließlich gibt es ein dezent pathetisches Finale. Es ist nicht so, dass die von Kaye vokalisierten Tracks keinen Reiz hätten, sie scheinen nur nach einer vielfach erprobten Formel geschaffen worden zu sein, Malen nach Zahlen als Kompositionsstrategie. „Bride“ hat zum Beispiel durchaus etwas für sich, wenn die Drums fast schon martialische Züge annehmen und auch der Refrain reißt durchaus mit, das Stück steckt aber irgendwie in einer Identitätskrise, hat keine unverwechselbaren Eigenschaften.

Auch „August“ kommt nicht über den Status einer gefälligen aber austauschbaren Pop-Nummer hinaus, als würden sich die Macher dieses Songs nicht völlig auf ihre Musik einlassen. Bezeichnenderweise ist das aufgekratzte „Dead“ mit seinen unheimlich voluminösen, fast schon bösartigen Bläsern und brachialer Rhythmik das stärkste Erzeugnis von Charlene Kaye, weil hier das gute Benehmen und der vornehme Geschmack beiseite gelegt werden, hier wird mal etwas gewagt. Leider trifft dies nicht auf das gesamte Album zu, stellenweise leidet „Belong“ an einer zu großen Konformität, als hätten sich San Fermin an einen imaginären Kompositions-Knigge gehalten. Auf ihren früheren Alben hat diese Band das deutlich unverkrampfter und natürlicher hinbekommen, schade drum.

6.0 Stars (6,0 / 10)

Info: www.sanferminband.com