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THE BLACK ANGELS: Death Song

(Partisan/ PIAS/ Rough Trade) Die Farbgestaltung eines Plattencovers ist so manches Mal ziemlich aufschlussreich. Da tauchen die Texaner von den Black Angels ihre Albumvorderseite in ein bezeichnendes Red, White and Blue. Und gehen noch weiter: das ganze Artwork, sowie sämtliche aktuelle Merch-Artikel erstrahlen in den Farben der U.S. Of A., so dass man meinen könnte, die Band hätte die Restposten des letzten Wahlkampfes aufgekauft. Doch anstatt es wie die Hurra-Patrioten zu halten, für die America First eine schlüssige Antwort auf alle Probleme darstellt, geben sich The Black Angels deutlich pessimistischer, wobei dies eine bodenlose Untertreibung ist.

Denn auf „Death Song“ befindet man sich bereits jenseits der Apokalypse, entvölkerte Wastelands, moralischer Bankrott und unerwiderte Liebe, da ist man direkt froh, dass das Ende naht, „one day/ it´ll all be over/ one day it´ll all be gone“. Der Sound dazu: heavy, psychedelisch, mit einer gehörigen Portion goth. Die spiegelnden Oberflächen der Gitarren von „Currency“ werden von einem wild wütenden Schlagzeug zerschmettert und zu mächtigen Peitschenhieben gebündelt, es brennt und kracht direkt im ersten Song gewaltig. Zu all dem Radau holt sich „I´d Kill For Her“ dann auch noch einen sexy vibe hinzu. Das Stück ist eine nihilistische Schussfahrt den Highway To Hell hinunter, lässig, mitunter brachial und immer mit einem zynischen Lächeln.

Hat man bei den ersten zwei Songs das Gefühl, The Black Angels würden den Weltuntergang zwar mit Freude besingen und beschallen, ansonsten aber einen Scheiß drauf geben, kommt in „Half Believing“ echtes Sentiment auf. Gefühle wie Bedauern, eine wehmütig ins Nichts hinausgesungene Sehnsucht, all das verleiht der Platte an dieser Stelle das erste Mal ein menschliches Antlitz. Denn sonst herrscht oftmals die bewusste Übertreibung, die überzeichneten Gewalttätigkeiten. Wenn „Comanche Moon“ hemmungslos rumrandaliert und sich Steiß und Genick gehörig anstößt, sollte man zumindest einen sicheren Unterstand erreicht haben, sonst wird’s ungemütlich( dafür aber ziemlich geil!). Die einzige Gefahr, der sich die Black Angels mitunter aussetzen, ist, die gewaltigen Schlagzeug- und Gitarrenausbrüche als reines Muskelspiel zu betreiben. Dies geschieht in „Hunt Me Down“, welches sich wie ein etwas blutleerer Led Zep-Jam aus der „Nobodys Fault But Mine“-Phase anhört. Doch die Black Angels wissen ein Rezept gegen sich erschöpfende Kraftmeierei, indem sie im weiteren Verlauf der Platte das psychedelische Moment stärker betonen.

„Grab As Much( As You Can)“ begnügt sich mit sinisterem Grooven im Vorzimmer zur Hölle, hält die Ausbrüche aber klein. Die Orgel von „Estimate“ in Kombination mit den verrosteten Westerngitarren erzeugt ein knittriges Bild von Verfall und vergeblichen Anstrengungen, ohne dass in Sachen Lautstärke und Druck ein besonders hoher Level nötig wäre. Der ultralässige, gut abgehangene Rhythmus von „I Dreamt“ ist so wunderbar zerschossen und neben der Spur, dass man sich ein krankhaftes Grinsen nicht verkneifen kann, oh, sag hallo zum Onkel Doktor, „I slept where you slept/ so I slept with you“, noch Fragen? „Medicine“ ist anschließend die Art von Kirmes-Rock, zu dem vom Fallout mutierte Zeitgenossen ihre derangierten Knochen schwingen, irgendwie ein perverses Vergnügen, zugegeben. Es rundet „Death Song“ schließlich passend ab, dass mit „Life Song“ ein Abschluss auf einer nachdenklichen Note gefunden wird, so dass man das Album nicht mit dem Eindruck einer lässigen, unbedarften Powerplatte verlässt. Die Black Angels haben eine stimmige Mischung zwischen wuchtiger Gewalt, psychedelischer Versponnenheit und düsterem Pessimismus gefunden und das trifft den Zustand ihrer amerikanischen Heimat vielleicht am besten.

(7 / 10)

Info: www.partisanrecords.com/artist/the-black-angels