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THE NEW PORNOGRAPHERS: Whiteout Conditions

(Caroline/ Universal) Bei den New Pornographers garantierte allein die Besetzungsliste dieser Supergroup seit jeher eine gewisse Qualität. A. C. Newman, die unverwechselbare Neko Case und Destroyers Dan Bejar haben im Indie-Bereich mit ihrem Solo-Schaffen diverse Meilensteine gesetzt. Und ihr gemeinsames Power-Pop-Baby hinkte diesen Taten nicht wirklich hinterher. Nun gut, dieses Mal müssen wir auf die Kauzigkeiten von Bejar verzichten, doch auch ohne ihn läuft der Motor gewohnt rund bei den Pornographers. Wo wir jedoch gerade bei Gewohnheiten sind, ein paar von diesen müssen diesmal über Bord geworfen werden.

Denn auf „Whiteout Conditions“ liegt der Fokus deutlich weniger auf der Gitarrenarbeit. Das Saiteninstrument füllt vielmehr lediglich die kompositorischen Leerstellen, die Synthies und Keyboards übrig lassen. Dies gilt besonders für die erste Albumhälfte, welche, so viel sei direkt gesagt, dennoch runter geht wie gebutterte Nudeln. Denn der Wille zum eingängigen Indiepopvergnügen ist auch mit dem Einsatz eines neuen Instrumentariums unüberhörbar da. „Play Money“ gönnt sich ein wenig perkussive Exotik, die durch glockenhelle Keyboardklänge markant unterstützt wird und in einem bemerkenswerten stimmlichen Vortrag von Neko Case seine Krönung findet. Bemerkenswert deshalb, weil der Gesangspart an und für sich eher unspektakulär aufgebaut ist, durch Cases ganz eigene Stimmfärbung aber eine unterkühlte Leidenschaft abbekommt. Der Titeltrack macht dann auf eine ganz besondere Stärke dieser Band aufmerksam: viele Künstler suchen ihr Heil lediglich in einem wirkungsvollen Refrain, kämpfen sich irgendwie zu diesem durch, die Strophe dient nur als zu vernachlässigender Wegbereiter.

Anders die New Pornographers, die der Melodik einer Strophe genauso viel Aufmerksamkeit und Fantasie zukommen lassen, wie dem Refrain. „High Ticket Attractions“ ist dann der einzige kleine Ausrutscher in die Banalität, wohl vor allem deswegen, weil man dauernd das Gefühl hat, dass im nächsten Moment jemand die Hookline von „Bohemian Like You“ anstimmt, die melodiöse Nähe zu diesem Stück ist schon frappant. „This Is The World Of The Theater“ läuft dann aber wieder zu großer Form auf, unspektakulär aber infektiös einprägsam und wiederholt sei gesagt: Neko Case, diese Stimme! Die zweite Albumhälfte von „Whiteout Conditions“ verlässt charmanterweise den Weg des allzu sicher gelandeten Pophits, „Second Sleep“ begnügt sich damit, einfach ein wenig vor sich hin zu brodeln, die stoischen Drums bauen eine Spannung auf, die glücklicherweise nicht wirklich aufgelöst wird, stellt euch Joy Division in Wachsmalfarben vor und ihr habt eine gewisse Ahnung. „Juke“ vergewissert sich im weiteren Verlauf, dass in den New Pornographers nach wie vor auch eine Rockband steckt, die sich immer noch auf schrammelnde Gitarren und einen fetten Groove einlassen kann.

Ohne jegliches Schlagzeug kommt dagegen „We´ve Been Here Before“ aus, was dazu führt, dass eine sakrale Grundstimmung entsteht, die Pornographen als Messdiener, auch nett. Und Humor beweist diese Band auch mühelos, „Clockwise“ verortet sich im „Valley Of Lead Singers“, kommt aber gerade in diesem Stück ironischerweise ohne Hauptakteur am Mikrophon aus. Dies ist durchaus exemplarisch für eine Platte, die mehr denn je als Gruppenleistung einzuschätzen ist. Alle Einzelteile greifen wunderbar flüssig ineinander über, dem Hörer beschert das mal wieder so manchen großen Popmoment, auf die New Pornographers ist eben Verlass, aus Erfahrung gut.

7.0 Stars (7,0 / 10)

Info: www.thenewpornographers.com