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THURSTON MOORE: Rock N Roll Consciousness

(Harvest/ Caroline/ Universal) Wenn der alte Indie-Avangardist Thurston Moore ein neues Album mit solch einem Titel herausbringt, ist man natürlich gespannt…Ein Manifest? Das ultimative Statement in Sachen Rock? Nun war Moore nie jemand, der für eine dicke Hose bekannt war. Wenn man das Bewusstsein im Titel mit Selbstverständnis gleichsetzt, kommt man aber auf die richtige Spur. Denn „Rock N Roll Consciousness“ fasst all das zusammen, was für Thurston Moore die konstanten Bezugspunkte in seinem musikalischen Kosmos sind. Und das heißt auch, dass die ganz großen Extravaganzen ausgespart bleiben. Es geht vielmehr um ein spannendes Dahinfließen, um den gemächlichen aber detailreichen Aufbau von Musik.

Am schönsten ist dieses Album vielleicht genau dann, wenn vordergründig am wenigsten zu passieren scheint. Die Gitarren spulen in diesen Momenten selbstvergessen ihr Programm ab, als würden sie sich selber spielen, als wäre dies der natürlichste, vielleicht der einzig natürliche Zustand für dieses Instrument. Und da wäre man auch schon beim Selbstverständnis/Bewusstsein dieser Musik angelangt. Spannung erhält Moores Musik dann durch unaufgeregten Einsatz weiterer Stilmittel. So manches Mal setzt Moore zu sehnsüchtig aufgeladenen Soli an, die ein Gefühl für Weite hervorrufen, aber auch Dramatik erzeugen. In „Exalted“ und „Turn On“, mit jeweils über zehn Minuten Lauflänge die längsten Stücke der Platte, gliedert Moore durchaus entschlossen einige noisige Passagen ein, die daran erinnern, dass der ehemalige Sonic Youth -Chef auch ein Experte im Malträtieren von Nerven sein kann.

Wieder absolut unverwechselbar ist Moores Art zu singen, kleine Hebungen und Senkungen der Stimme erscheinen als große Ausschläge der Richter-Skala, weil der gute Thurston seine Stimme so behutsam und vorsichtig einsetzt. Mit dem stürmischen „Cusp“ wird erfreulicherweise auch mal der niedrige Tempobereich verlassen, in einem einzigen Trommelwirbel rattert das Schlagzeug voran, die Gitarren untermalen den Drum-Derwish mit nachdenklichen aber vitalen Strömungen und auch der Gesang hat eine Messerspitze Koffein abbekommen, in ganz kleiner Dosierung wie gesagt, aber immerhin.

Für Fans von Thurston Moore und Sonic Youth sind das sicherlich alles ziemlich gute Neuigkeiten, das Album kann gut herangezogen werden, wenn man einem Unwissenden das musikalische Spektrum dieses Künstlers ein wenig verallgemeinernd erläutern will. Heißt natürlich auch, die großen Überraschungen, der avangardistische Aha-Effekt bleiben diesmal aus. Das tut aber nicht weiter weh, da Rock and Roll im Selbstverständnis von Thurston Moore eine sehr stimulierende Angelegenheit ist.

(7 / 10)

Info: www.carolineinternational.com/tag/thurston-moore