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ALDOUS HARDING: Party

(4AD/ Beggars/ Indigo) War ja alles ganz niedlich, was Aldous Harding auf ihrem verhuschten Debüt fabriziert hat. Nur kannte man solche Nettigkeiten schon zu Genüge von anderen Künstlern. Mit „Party“ macht Harding jetzt aber glücklicherweise ernst, ohne den schüchternen Augenaufschlag abzulegen. Doch die Neuseeländerin variiert jetzt deutlich mehr, was dazu führt, dass man das ein oder andere Mal von den Stücken auf „Party“ überrascht wird. Das bevorzugte Werkzeug für solch gehobenen Abwechslungsreichtum ist Hardings Stimme. Diese gibt sich facettenreich, hat den Schlafzimmerblick in „Bend“ aufgelegt und lässt sich von einem gehauchten Groove die Nervenenden massieren. Man fühlt sich also direkt beim Auftakt umgarnt, geherzt und gut verarztet. Doch die unschuldige Naivität wird direkt im folgenden „Imagining My Man“ zurückgenommen, hier agiert Harding als versehrte Nobeldame aus dem reservierten Schatten heraus, ein leicht kühler Luftzug durchweht das einsame Stück. Doch die junge Frau bricht Stimmungen und Strukturen neuerdings gerne auf und so schwingt sie sich in zwei kurzen Momenten zu einer vokalen Kraftleistung empor, die in dieses Stück wie ein Weckruf hineinschallt.

„Living The Classics“ lässt die sprudelnden Gitarren mit dem seltsam verzögerten Gesang einen frühlingshaften Ringelrein tanzen und verbindet schläfrige Melancholie mit fragiler Lebhaftigkeit. Dies bereitet aber nur unzureichend auf die unaffektierte Größe des Titelsongs vor, der sich aus einer schüchtern vorgetragenen Strophe zu voller Kraft entfaltet. Unterstützt wird Harding dabei von einem Rudel sehnsüchtiger Pyjamaparty-Mädels, die dieses langgezogene „I was as happy as I will never be“ derart beseelt in den Orbit schleudern, dass man seltenerweise ganz ursprünglich erwischt wird und in den naiv-kindlichen Chor lauthals mit einstimmen will, call it Erweckungsmoment. Da kann sich das folgende „I´m So Sorry“ ruhig leisten, Intensität und Hymnik ganz weit runterzuschrauben, um wieder ein wenig kühle Noblesse walten zu lassen.

Das Klavier in „Horizon“ ist dann jedoch wieder zu großen Taten bereit, stellt seine wenigen Töne selbstbewusst in den gedimmten Raum. Harding liefert dazu einen kraftvollen, fast schon sarkastischen Gesang, der die große Geste bewusst mit in die dramaturgische Ausgestaltung einbezieht, großartig! Dagegen steht das völlig introvertierte „What If Birds Weren´t Singing, They Were Screaming“. Hier konzentriert sich Harding völlig auf den von Spieluhrmelodien eng gezirkelten Kreis der Musik, steht unverrückbar darin und braucht hier auch kein Publikum, dieses Stück hat sie scheinbar nur für sich gemacht. Es ist diese zurückgenommene Grundhaltung, die in Kombination mit einigen expressiven Ausbrüchen ein vielschichtiges Persönlichkeitsbild einer Künstlerin erzeugt, dem man gerne auf der Spur ist, wenn sie Innerlichkeit und Äußerlichkeit immer wieder neu verhandelt. Da trifft man auf solch erhebende Momente wie den bereits erwähnten Titeltrack aber auch auf solch konzentriert tändelnde Miniaturen wie „The World Is Looking For You“. All das ergibt eine Gesamtleistung, die schwer beeindruckt ob ihrer Wandelbarkeit und ihrer Vielschichtigkeit. Findet wahrscheinlich auch der gute Perfume Genius, unterstützt er Aldous Harding doch in zwei wunderbaren Songs auf diesem Album.

7.5 Stars (7,5 / 10)

Info: www.aldousharding.com