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GOTHIC TROPIC: Fast Or Feast

( Old Flame/ Redeye/ H´Art) Manchmal fragt man sich, warum einen ein Album oder ein Song nicht wirklich anspricht, obwohl alle Zutaten da sind. Mir geht das bei der von der Tourmusikerin Cecilia Della Peruti ins Leben gerufenen Band Gothic Tropic so. Gothic Tropic haben sich dem geschmackvollen, eleganten Pop mit Gitarren- und Keyboardunterfütterung verschrieben, finden auch eingängige Melodien und haben so manchen raffinierten, kompositorischen Kniff auf Lager. Und dennoch, hört man den Opener von „Fast Or Feast“, das Stück „Stronger“, registriert man zwar den voluminösen Bass und die anschmiegsame Stimme von Peruti, wird darüber hinaus von der Nummer aber eher kalt gelassen, und das obwohl sich der kraftvolle Refrain geschmeidig in seine Umgebung einbettet.

Doch vielleicht hat man diesen wohlerzogenen Pop, der alles abrundet und der problemlos verdaubar ist, ein wenig zu oft gehört. Auch der lässig ausschwingende Rhythmus von „How Life Works“ ist ein wenig zu oft erprobt worden und sieht sich auch noch einer relativ blutarmen, einfallslosen Hook gegenüber, „I wanna be good for you“, vielleicht ist dies genau das Problem. Vorsichtig nähert sich diese Musik dem Hörer, scheint vor jeder Wendung höflich um Erlaubnis zu fragen und wagt darüber hinaus nichts in Eigenregie. Und so verlaufen die ersten vier Stücke relativ konform mit den Anstandsregeln der vornehmen Popmusik, Überraschungen oder gar markante Einschübe finden sich jedoch nicht.

Eine Wohltat ist dann jedoch „Chemical Trail“, welches sich die Mühe macht, eine zwielichtige Atmosphäre aufzubauen, das Synthiegeflirre, der manipulierte, nüchterne Gesang und der Einsatz von genüsslich klöppelnden Percussions, hier entwickelt sich das erste Mal eine gewisse Eigenständigkeit. Doch wird dieser Eindruck vom in den Allgemeinplätzen der Popmusik feststeckenden „Don´t Give Me Up“ wieder relativiert. Hier werden abgenutzte, eigenschaftslose Gesangslinien enervierend oft wiederholt und als Hörer schaltet man auf Durchzug.

Aber es wird besser: „If I Had A Body“ ist ein zügelloses Groovebrett, dessen Bass und ausgeleierte Gitarren eine unheimliche Kraft und Zügellosigkeit entwickeln und von einer ungeduldigen Melodie verziert werden. Dass Gothic Tropic auch ROCK können, eine schöne Erkenntnis, die im nebulösen Refrain von „Major“ nochmal bestätigt wird. Und auf einmal sind die Ideen zwingend, es gibt eine gewisse Eigenständigkeit, Peruti und ihre Band lassen die Zügel schleifen und trauen sich Gesten abseits der Popnorm. Das lässige Gitarrengetändel von „Cry Like A Man“ hat dann auch genug Drive und darüber hinaus einen melancholischen Unterton, der dieses Stück vielschichtig und trotzdem eingängig macht.

Die zweite Hälfte von „Fast Or Feast“ ist damit musikalisch deutlich interessanter als der auf Sicherheit gespielte erste Part. Auf den hinteren Plätzen fangen Gothic Tropic an, wagemutig zu werden, packen ihre Songs von verschiedenen Seiten an und erzeugen Spannung. Dass sie aber derart blutarme Konfektionsware an den Anfang dieser Platte stellen, bleibt unbegreiflich.

5.0 Stars (5,0 / 10)

Info: www.facebook.com/GOTHICTROPIC