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THE MOUNTAIN GOATS: Goths

(Merge/ Cargo) Für den Verfasser dieser Zeilen hat sich ein Traum erfüllt, als die Mountain Goats endlich mal zu dem essentiellen Thema schlechthin ein Konzeptalbum veröffentlicht haben: Wrestling! Nun, die Band um John Darnielle scheint Geschmack an übergeordneten Themen gefunden zu haben, dieses Mal geht es um die Sozialisation als Goth in den Achtzigern, und zwar im sonnigen Kalifornien. Interessanterweise führt dies in der musikalischen Ausgestaltung nicht zu düsteren Klängen, im Gegenteil, auf „Goths“ findet man sonnigen, leicht angejazzten Loungepop, der vor allem durch den ausgedehnten, warmen Einsatz von Bläsern aller Couleur unheimlich gewinnt. Ausnahme ist natürlich der Opener „Rain In Soho“, der die Gothic-Klischees augenzwinkernd bedient, ein okkulter Männerchor, ein Klavier aus der Gruft und das Schlagzeug poltert auch bedrohlich durch die Schwärze.

Doch den Mountain Goats geht es eher um den Dialog einer Szene mit ihrem sonnengetränkten, jederzeit fröhlichen Umfeld. Da ist Darnielle ein echter Goth, doch gibt er zu: „I´m hardcore/ but I´m not that hardcore“. Zudem attestiert er sich eine „high unicorn-tolerance“. Dazu entrollen sich weich ausgepolsterte, helle Melodien, bis auf besagte Ausnahme zu Beginn ist das Setting immer recht heiter und auch unheimlich gemütlich. Dies passt erstaunlich gut zu den Anekdoten Darnielles, da sie das reale Umfeld des Sonnenstaates direkt mit einbeziehen. Es ist ein wenig so, wie es Darnielle in „Stench Of The Unburied“ beschreibt, „and outside it´s 92 degrees/ and KROQ is playing Siouxsie And The Banshees“. Wie soll man bei dem Wetter auf düstere Gedanken kommen? Allein dadurch wird der zu Grunde liegende Themenkomplex ins Ironische versetzt und dennoch behalten die Mountain Goats einen liebevollen Zugriff auf ihr Thema.

Es liegt ein wenig Wehmut, gepaart mit Nostalgie, in „Andrew Eldrich Is Moving Back To Leeds“, wo die Rückkehr des Sisters Of Mercy–Sängers in die öde Provinz als Zeichen des Niedergangs einer ganzen Weltanschauung gesehen wird. Doch auch dieses Stück wird dezent beschwingt und ohne pauschale Sentimentalitäten vorgetragen.

Die Musik ist vielleicht ein wenig zu beschaulich und auf Nummer sicher ausgespielt, doch es gibt ab und an kleine Überraschungen, wie der beherzt vorgetragene Gospel-Schunkler „Wear Black“, der gleichzeitig eine wunderbare Liebeserklärung an das besungene Genre ist.

Das Interessante an „Goths“ ist also vor allem, dass die Mountain Goats zwar über die Gothic-Szene berichten, die entsprechende Musik aber weitestgehend links liegen lassen. Stattdessen setzt es warme, helle Melodik und behagliche Instrumentierung. Dies ist für sich gesehen manchmal etwas fade, doch in Kombination mit den brillanten Texten entsteht eine Kontrastierung, die an manchen Stellen zu bemerkenswerten Verbindungen zusammenfindet. Ein schwarzes Sommeralbum.

7.0 Stars (7,0 / 10)

Info: www.facebook.com/mountaingoatsmusic