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CASPIAN SEA MONSTER: Caspian Sea Monster

( Stargazer/ Broken Silence) Mmh, mal nachdenken…wenn wir über die Hotspots der alternativen Musikszene in Deutschland nachdenken, was fällt uns da ein? Berlin und Hamburg natüürlich, und seit einiger Zeit vielleicht auch der Stuttgarter Raum, Weilheim auch, kennt man ja. Aber wie sieht es mit Sachsen aus, genauer Chemnitz? Da würde man wahrscheinlich den Trendradar eher seltener draufhalten. Ist aber ein Fehler! Chemnitz besitzt eine Bandszene, die sich als sehr umtriebig erweist, wenn es gilt, die diversen Spielarten mit dem Post als Präfix mit Leben zu erfüllen. Aus dem Humus dieser Bands ist 2012 das Kollektiv Caspian Sea Monster erwachsen und diese vier Musiker geben sich nun mit dem selbstbetitelten Debüt die Ehre.

Von provinziellem Mief kann dabei glücklicherweise keine Rede sein, von wahnhaftem Hippstertum aber auch nicht. Am ehesten kann man das, was man präsentiert bekommt, als intimen Postrock bezeichnen. Etwas zupackender als I Like Trains, jedoch nicht so rabiat die Extreme auslotend wie die frühen Aereogramme, können diese beiden Bands jedoch gut als Koordinaten herhalten, um den Sound von Caspian Sea Monster einzuordnen.

Was sich wie ein roter Faden durch die Stücke des Albums zieht, ist eine Art lähmender Verdruss, der an den Stücken wie ein Bleigewicht hängt und die Kompositionen immer recht weit unten hält. Da kann das Schlagzeug durchaus eine muntere Dynamik aufweisen, Intensität und Lautstärke nach oben gehen, die Niedergeschlagenheit bleibt immer greifbar und federführend. „Basement“ zum Beispiel treibt wie eine Wasserleiche dahin, untermalt von durchaus agilen Drumfiguren aber da ist immer noch der fragile, etwas verwackelte Gesang von Toni Niemeier, der wie ein Mahnmal an die Aussichtslosigkeit jeder Anstrengung zum Besseren hin erinnert.

„Razing Words“ und „Parts“ arbeiten mit synthetischen Tasteninstrumenten, sorgen so für Abwechslung im Klangbild, welches allein durch den vielfältigen Einsatz der Gitarren breit aufgestellt ist, können aber auch nicht verhindern, dass der Blick nach unten gerichtet ist. „Caspian Sea Monster“ ist und bleibt halt ein pessimistischer, wenn nicht gar depressiver Brocken, der sich mit diversen Ausbrüchen nicht wirklich befreien kann, sondern nur für etwas Beinfreiheit in der eigenen Verzweiflung sorgt. „Shine On“ erlangt durch besagtes Aufbegehren sogar eine majestätische Hymnik, nur ist dies eine kurz gefasste Momentaufnahme, der Verdruss lauert bereits wieder in der nächsten Strophe.

Niemeier bezeichnet sich in „My Line“ als „bird on a wire“, doch scheint dieser Vogel an den Untergrund festgebunden zu sein, kein Davonfliegen möglich. Und so können Schlagzeug und Gitarren soviel Energie freisetzen, wie sie wollen, das Negative bleibt allgegenwärtig. Einzige Ausnahme ist das abschließende „Into Dust“, welches sich als straighte, verhältnismäßig schnelle Rocknummer gibt. Die Fesseln werden zum Abschluss vielleicht nicht gänzlich gesprengt, gelockert sind sie hier aber allemal.

(6,5 / 10)

Info: www.stargazerrecs.wordpress.com