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FLEET FOXES: Crack-Up

( Nonesuch/ Warner) So ist das wohl beim Wiedersehen mit der alten, großen Liebe. Die Finger sind feucht, der kontrollierende Blick in den Spiegel war vor dem Treffen die Hauptbeschäftigung und man ist viel zu sehr damit beschäftigt, sich zu fragen, wie man wohl auf die Verflossene wirken wird. Gut, man hat ein bisschen zugelegt und die ersten Spuren von grau machen sich im Haupthaar bemerkbar aber eigentlich hat man sich doch kaum verändert, oder? Und überhaupt, wie steht es um das Gegenüber, ist sie noch vergleichbar mit dem geliebten Abbild vergangener Tage?

Die Fleet Foxes sind zurück, man hatte sie nach sechs Jahren Pause ein wenig aus den Augen verloren aber vergessen hat man sie auf keinen Fall. Und jetzt, „Crack-Up“, ist das alte Knistern noch zu spüren, kann diese Band aus Seattle einen immer noch überwältigen? Fast schon ängstlich quält man sich durch die ersten depressiven Momente von „I Am All That I Need/ Arroyo Secco/ Thumbprint Scar“, sucht voller Panik nach dem alten Gefühl und erlebt einen ewig langen Augenblick der Enttäuschung, bis sie einsetzen: die flirrenden Sommergitarren, der (wieder)belebende Harmoniegesang und die agilen Percussions. Es ist alles wieder da, Gottseidank. Doch die Schatten vom Anfang lassen sich nicht wegdiskutieren, Sänger Robin Pecknold war lange weg und er war nicht im Urlaub.

Schnell fällt dem Hörer auf, dass er diesmal nicht einen solch Seele zerberstenden Moment wie den Refrain vom „Tiger Mountain Peasant Song“ erleben wird, auch Rauschhaftes wie das „White Winter Hymnal“ hat keinen Platz auf „Crack-Up“. Vielmehr gehen die Fleet Foxes den auf „Helplessness Blues“ eingeschlagenen Weg weiter und verfeinern ihr Songwriting, agieren subtiler, wodurch die Stücke aber auch weniger unmittelbar werden. „Crack-Up“ will oft gehört, manches Mal abgeschrieben und dann umso beherzter geliebt werden, das alte Feuer lodert vielleicht nicht so heiß wie früher, dafür steht da jetzt eine freundschaftliche Vertrautheit.

Und dann erkennt man erst, was „Kept Woman“ beispielsweise für ein vollkommenes Kleinod ist. Ganz im Traum versunken tändeln Akustikgitarre und Piano durch eine abgefederte Welt, Pecknold mäandert mit seinem Gesang in den schönsten Schleifen und man verweilt in einem kurzen Moment Ewigkeit. Auch das zunächst äußerst unscheinbare „If You Need To, Keep Time On Me“ entfaltet nach und nach eine meditative Qualität, die einen inneren Trost spendet, wann immer man ihn braucht. Wenn das Debüt von den Fleet Foxes auf einem Podest stand und aus gebührendem Abstand bewundert wurde, laden dich die Songs des neuen Albums zu sich nach Hause ein, du kannst dich in ihr Bett legen und dir in ihrer Küche einen Tee machen. Du kannst auch einfach auf dem Sofa sitzen und die Musik eine Weile an dir vorbeiziehen lassen,

Und trotzdem wirst du immer wieder angenehm aus dem Schlummer geweckt, wenn dich „Third Of May/ Odaigahara“ zum Beispiel sanft aber bestimmt auf einen schwungvollen Ausritt durch Kornblumenwiesen unter einem weiten Himmel mitnimmt und du am Rand deines Bewusstseins die durchaus kräftigen Stromgitarrenfiguren wahrnimmst. Dass die Reise in diesem speziellen Song ein wenig zu lang andauert und in der zweiten Hälfte des fast neunminütigen Stückes die Selbszufriedenheit ein wenig überhand nimmt, stört da gar nicht richtig, die Sonne scheint schließlich so schön. Es ist ja auch zu beruhigend, wie man den Fleet Foxes in „On Another Ocean( January/ June)“ dabei zusieht, wie sie unter der Wasseroberfläche von einem Klavier angeschoben dahin gleiten. Gitarren und Bläser brechen sich auf phantastische Weise, und man stellt fest, dass man die spektakulären Momente der Vorgängeralben hier gar nicht braucht.

Und dennoch feiert man, wo man geht und steht, freudiges Wiedersehen mit den geliebten Trademarks dieser Band, der Titelsong hat die Lagerfeuergitarre dabei, der Harmoniegesang steht selbstvergessen auf der Lichtung und die Trompete wärmt die Szenerie und lässt sie auch ein wenig aufleuchten. Man vermisst nach längerer Eingewöhnung also nichts auf dieser Platte, vielmeht freut man sich, dass auf die Fleet Foxes Verlass ist, dass sie da sind, wenn man sie braucht. Das verursacht zwar nicht mehr das alte Herzklopfen, für die kolossalen Gefühslregungen ist man aber inzwischen eh zu alt.

 

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