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JAMES VINCENT McMORROW: True Care

( Believe/ Soulfood) Negative Gefühle sind für den Iren James Vincent McMorrow nichts Neues, seine bisherigen Alben stellen eigentlich nichts anderes als eine ständige Auseinandersetzung mit ihnen dar. Dabei war es aber immer tröstlich, dass McMorrow sich nicht hat unterkriegen lassen, mit erhobenem Kopf formte er aus dem ganzen Verdruss zumeist erhabene Popglanzlichter mit kräftiger Melodie und einem passenden Anteil von Pathos, ein Triumph über die Schwärze.

Gerade einmal acht Monate sind seit McMorrows letztem Album „We Move“ vergangen, doch in dieser kurzen Zeit scheint viel passiert zu sein. Denn die emotionalen Aufschwünge auf „True Care“ haben nichts Heroisches mehr an sich, stellen vielmehr die verzweifelten Hilferufe eines Ertrinkenden dar. Auch die Allzweckwaffe des Gospel/Soulchores verlängert nun mehr nur noch den Leidensweg McMorrows ins Falsett. Die Instrumente, vor allem Synthies und Keyboards, verweben sich nicht mehr zu einem harmonischen Ganzen, stehen dagegen eher isoliert und einsam im Schein der Neon-Reklamen. Und dass die Percussions und das Schlagzeug keine kräftigende Wirkung mehr auf die Stücke haben, ist auch ein auffälliger Umstand.

Die Texte zeigen McMorrow dann konsequenterweise auch als zutiefst verunsichertes Individuum, dessen Alltag von einer tiefgreifenden Depression durchzogen ist. Selbst Möglichkeiten des Ausbruchs erscheinen als nicht lohnenswert: „but it´s okay/ maybe I´m an eagle/ like a wild and glorious eagle/ but if everyone´s an eagle/then it´s nothing special/ and I might as well go home“.

Und die Liebe, die alles rettende Liebe?: „So live with me, won´t you?/ Dreams, they would come true/ if panic and worry/ are dreams that you would choose“. McMorrows textliches Alter Ego zieht das geliebte Gegenüber also eher mit in den Abgrund, als sich an ihm aufzurichten. Die Musik dazu bleibt fragmentarisch und fragil, schafft es selten, geschlossen in eine Richtung zu gehen. „Dezember 2914“ ist eine von Morphium durchsetzte, hohle Zukunfstvision, alles erscheint trostlos und egal, ein Albumauftakt, der bewusst keine Highlights setzt und damit auch keine falsche Versprechungen macht. Die vorherrschende Emotion des Titelstücks ist dann eindeutig die Verzweiflung, der vereinsamte A-Capella Beginn ist symthomatisch für die drückende Isolation, die Trostlosigkeit greift gnadenlos um sich, „And my brightest days/ still duller than your darkest days“. Auch die brüchige Klavierballade „National“ liegt die meiste Zeit am Boden, die spärlich gesetzten Ausbrüche wirken wie das hilflose Betteln um Rettung.

Man ist verblüfft, dass darauf das funkige „Thank You“ folgt, mit gehörig Soul und durchaus lieblicher Keyboardunterstützung. Hier scheint McMorrow einmal von seinen dunklen Realitäten fortzukommen, alles ist weich und freundlich, nur noch die zitternde, verunsicherte Stimme des Iren erinnert an die vorhergehende Desperation. Auch „Constellations“ und „Holding On“ finden Momente, die den Verdruss in Energie umwandeln, doch sind diese weit weniger vollendet ausformuliert, als auf McMorrows früheren Werken. „Constellation“ bricht seinen Ausbruch zum Beispiel mittendrin ab, um sich einer introvertierten Beatspielerei ohne scheinbaren Bezug zum Vorhergehenden zuzuwenden. „Bears“ und „Pink Salt Lake“ bleiben dagegen in einer verletzlichen Innerlichkeit gefangen, entfalten dabei zwar eine brüchige Schönheit, finden aber keinen Ausweg aus der Isolation. In diesen Momenten wird man das Gefühl nicht los, McMorrow habe sich selbst betäubt, um es in der inneren Hölle zumindest ansatzweise auszuhalten. Ein Song wie „Bend Your Knees“ wäre auf dem Vorgängeralbum wahrscheinlich noch ein allumfassendes Spektakel gewesen, hier fehlt ihm sogar so etwas Grundlegendes wie eine Beatunterlage, das Stück schwebt, wird vom Gospelchor auch gehörig intensiviert, doch eine vollendete Rundumversorgung wird dem Song nicht zu teil. Dies ist eher ein Album für Lieder wie das einfach gehaltene „Glad It´s Raining“, welches mit einfachem Beat und rhythmisch gespielten Klavier seine Betrübtheit in den Schlaf wiegt. „True Care“ ist somit weitaus weniger ausformuliert als seine Vorgänger, lässt offene Brüche zu, den makellosen Soulpop findet man nur an ganz wenigen Stellen. Kein Wunder, wenn man den zerrütteten Seelenzustand des Erzählers in diesen Songs zu Grunde legt. Dies ist McMorrows fragmentarichste, vielleicht aber auch aufrichtigste Platte, die aber mal absolut gar nichts schön redet oder singt.

 

7.5 Stars (7,5 / 10)

 

http://www.jamesvmcmorrow.com/