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THE DRUMS:Abysmal Thoughts

( Anti/ Indigo) Und da war es nur noch einer….Jonny Pierce scheint ein schwieriger Charakter zu sein, wenn man es böse mit ihm meint, kann man auch sagen, er hat seine ganzen Bandmitglieder vergrault, so dass er jetzt ganz alleine da steht. Gestartet als Vierer-Combo, reduzierte sich das Ganze beim letzten Album schon auf das Duo Graham/Pierce und selbst der letzte verbliebene Partner strich anschließend die Segel.

Jetzt darf Pierce also alles selber machen, hat alle Songs geschrieben und nahm sie dann zwischen Kalifornien und New York auch auf, wobei sämtliche Instrumente von dem Anfangsdreißiger bedient wurden. Ähnlich kompliziert wie der Umgang mit Bandkollegen scheint sich auch das Liebesleben von Pierce zu gestalten, ein Großteil von „Abysmal Thoughts“ ist dem zähen Ringen mit der Liebe gewidmet. Da wird zwar geschworen, um das Leben des anderen zu kämpfen und die unverminderte Liebe versichert, doch irgendwo wird der Karren immer wieder in den Straßengraben gesetzt, selten ist Harmonie angesagt, man muss immer jemanden zurückgewinnen oder sich bei ihm entschuldigen, weil man ihn verletzt hat, ganz schön viel Arbeit.

Dabei könnte es doch viel entspannter sein, davon kündet zumindest die Musik selber, die luftig und federleicht für relaxte Schwingungen in der Magengegend sorgt und zum unangestrengten Mittanzen einlädt. Dabei findet Jonny Pierce eine zündende Mischung aus synthetischen Tasteninstrumenten und unaufgeregtem Gitarrenspiel, die Saiteninstrumente werden immer recht zurückhaltend eingesetzt und enthalten sich jeder Großmannssucht. „Blood Under My Belt“ hat einen angenehmen Schwung, gleitet mit leichter Hand durch Zuckerwattelandschaften und gönnt sich jede Menge pastellfarbenen Streicherschmelz, wenn da bloß der Herzschmerz nicht wäre. Ein wenig introvertierter gibt sich „Mirror“, hier übertragen sich Selbstzweifel und Unsicherheit auf eine etwas dunkler ausgelegte Strophe, doch der Refrain sorgt mit forcierter Lebendigkeit schon früh genug dafür, dass die Gewitterwolken verschwinden.

„I´ll Fight For Your Life“ kann auch nicht wirklich stillsitzen, stürzt sich leichtfüßig ins Liebeschaos, „beautiful idiot/ why am I in love with you“, erleichtert sich aber das Leben mit glasklaren Synthies und schwungvollem Sommernachtsrhythmus. Auch wenn Jonny Pierce das Herz schwer wird, eine unbedarfte, unschuldige Melodie lässt sich immer einschieben, wie man beim verspielt rumwuselnden „Shoot The Sun Down“ sieht. Auf Pierces Stimme liegt ein melancholischer Überzug, ein wehmütiges Seufzen klingt teilweise durch, wenn der New Yorker sich daran macht, jemanden zu besänftigen oder zurück zu erobern.

Von einem zähfließenden Groove lässt man sich dagegen in „Are U Fucked“ umschmeicheln, das hingehauchte Falsett setzt sich in die hintere, schummrige Ecke und eine gewisse Betörung greift um sich. Dies sind die Momente, wo man Pierce dazu gratulieren kann, den sommerlich-leichten HoppelGitarrenpop nicht allumfassend eingesetzt zu haben. „If All We Share( Means Nothing)“ lässt die Drums ganz draußen und zeichnet sich als traurige Lagerfeuerballade aus, die bewusst nackt im Mondlicht steht. Und der Titelsong gönnt sich ein wenig Verzerrerschmutz unter den melodischen Fingernägeln, Pfeifen und Holzpercussions, sowie der leiernde Gesang lassen zu, dass sich ein eigentlich vollendeter Popsong im Unterholz verstrickt.

Generell ist „Abysmal Thoughts“ musikalisch aber eine runde, in sich geschlossene Angelegenheit, weicher Wohlfühlpop, der seine schattigen Elemente in den Texten eingliedert. Das passt gut für den Sommer, die melancholische Note schützt vor Überhitzung, so dass man dieses fluffige Stück Musik eigentlich jederzeit hervor holen kann.

 

(7 / 10)