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WHITE HILLS: Stop Mute Defeat

(Thrill Jockey/ Rough Trade) Zumindest in einer Hinsicht sind White Hills aus New York ein verlässlicher Verhandlungspartner: Das Duo liefert regelmäßig das hässlichste Albumcover des Jahres ab, so auch diesmal. Abseits der Alpträume von Designstudenten ist bei diesen beiden Musikern mal wieder alles anders. Vorbei die Zeiten, als die Gitarren die Stücke formatiert und dirigiert haben. Auf „Stop Mute Defeat“ spielen diese zwar nach wie vor eine übergeordnete Rolle, die Prägung erfahren die Songs jedoch vor allem von zumeist stoischen Rhythmen.

Ein Wahlspruch dieser Platte lautet „technology will not always win“, doch kann man das hier nicht so einfach stehen lassen. Hört man nämlich die acht zumeist langen Tracks, kommt man eher zu dem Schluss, dass die Technologie über ihren Erschaffer, den Menschen, den Sieg davongetragen und ihn unterworfen hat. Krieg, Korruption und die digitale Selbstaufgabe haben die Menschheit an den Abgrund geführt, White Hills registrieren das mit einem unbarmherzigen Grinsen und laden zur „Serenade with a grenade“ Der Sound dabei kennt keine Gnade, die Drums unmenschlich akkurat, delirierende Gitarren und Keyboardsounds, die jede humanistische Weichheit aus ihrem Wertekanon entfernt haben. Bereits das eröffnende „Overlord“ setzt auf diese Weise das Gewehr auf den Kopf der Zivilisation an. „A Trick Of The Mind“ greift dann wieder den Stoiszismus der Schlaginstrumente auf, Frontmann Dave W. reitet auf einer lakonischen Welle der überlegenen Arroganz und man fängt langsam an, sich ziemlich unwohl zu fühlen ob all der Trost- und Aussichtslosigkeit. Denn gerade auf den ersten Tracks von „Stop Mute Defeat“ sind White Hills gnadenlos, kein Lichtschein, kein Unterschlupf. Da tönen blechern die Mülltonnen in „Importance 101“( hallo, Einstürzende Neubauten), da wird im „Attack Mode“ der Metal industralisiert, alles was White Hills anfangen, dient der Einleitung für die durchtechnisierte Apokalypse.

Vielleicht hatten Dave W. und Ego Sensation einfach nur Mitleid mit ihrem Publikum oder befürchteten, dass sich derart abseitige Musik niemand über Albumlänge anhören könne, Tatsache ist jedenfalls, dass die letzten drei Songs auf „Stop Mute Defeat“ einen deutlich menschlicheren Anstrich bekommen haben. „Sugar Hill“ ist zweifellos benebelt und nicht bei klarem Verstand, doch lassen sich durch die verqueren Sounds durchaus menschliche Regungen ausmachen. Dass hier vernunftbefreiete Synthies durchs Unterholz patroullieren, muss einschränkend natürlich gesagt werden, betreten auf eigene Gefahr.

Die zivilisatorische Totenmesse „Entertainer“ zeigt des Weiteren zumindest ein wenig menschliche Empathie, die Keyboards legen einen gangbaren Untergrund und zumindest der hallende Gesang von Ego Sensation bringt mal so etwas wie einen helleren Farbton ins Spiel. Pessimistisch bis zum gnadenlosen Zynismus ist das freilich immer noch.

Es bleibt dann dem Titelsong vorbehalten, für eine kühle Tanzbarkeit zu sorgen, die Rhythmen bleiben dabei jedoch gewohnt hart und dementsprechend wird skandiert, statt gesungen. Eine Umarmung oder ein Streicheln werden wir wohl hier nicht mehr bekommen, es ist jedoch gut zu wissen, wie die Apokalypse von statten gehen wird, danke White Hills.

(6 / 10)

Info: www.thrilljockey.com/artists/white-hills